Kooperativer Bachelor of Engineering

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Kooperative Ingenieur-Ausbildung (KIA):

Der erfolgreiche Weg zur Doppelqualifikation

Seit dem Wintersemester 2008/2009 hat der Fachbereich Elektrotechnik und Informatik sein Studienangebot erweitert auf KIA - eine duale Studienform, die eine betriebliche Ausbildung mit dem Studium an der Hochschule verzahnt. KIA wird von technikinteressierten Abiturienten sehr geschätzt und von den potenziellen Arbeitgebern der Region stark unterstützt, wie das erfolgreiche Angebot anderer Fachbereiche der Hochschule Niederrhein seit vielen Jahren beweist.

 

Obwohl praktisches Wissen für unsere künftigen Ingenieurinnen und Ingenieure unabdingbar ist und auch im konventionellen Studiengang nachgewiesen werden muss, kostet eine normale Berufsausbildung vor dem Studium viel Zeit. Mit KIA wird die doppelte Qualifikation in erheblich kürzerer Zeit erreicht, und die wechselseitige Befruchtung von betrieblicher und wissenschaftlicher Arbeit steigert sogar die Qualifikation der Absolventen im Hinblick auf ihre künftige Berufswelt.

 

Bachelor of Engineering

Gegenüber dem konventionellen Bachelor-Studiengang verlängert sich die Ausbildung um ein Jahr, da während der ersten beiden Jahre die Präsenz zwischen Betrieb und Hochschule wechselt (jeweils zwei bzw. drei Tage, siehe Studienplan); in den vorlesungsfreien Zeiten lernen die KIA-Studierenden im Ausbildungsbetrieb. Bereits nach zwei Jahren legen sie die Facharbeiterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab.

 

Das weitere Studium unterscheidet sich nun nicht mehr vom „normalen", wird also in „Vollzeit" an der Hochschule verbracht. Für die Praxisphase im 9. Semester bietet sich wiederum der Ausbildungsbetrieb an, und ebenfalls dort sollte die abschließende Bachelorarbeit durchgeführt werden. Bei größeren Unternehmen kommen auch Auslandsaufenthalte infrage. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass schon in dieser Phase Projekte in Angriff genommen werden, die unmittelbar in einen beruflichen Einsatz münden.

 

Merkmale und Vorteile des KIA-Studiums

Die Kooperation von Industrie und Hochschule, von Praxis und Wissenschaft hat mehrere Besonderheiten:

  • Neben der Zugangsberechtigung zur Hochschule ist ein Ausbildungsvertrag zwingend erforderlich. Der Fachbereich hat gute Kontakte zu interessierten Unternehmen und kann Hinweise für Bewerbungen geben. Oftmals bieten die Firmen eine finanzielle Unterstützung über die Ausbildungsphase hinaus, da sie umgekehrt an gut ausgebildeten und praktisch eingearbeiteten Absolventen interessiert sind.
  • Die Selektion im Bewerbungsverfahren und die Doppelbelastung durch Lehre und Studium empfehlen KIA-Studierende für jede berufliche Aufgabe, weil sie Zielstrebigkeit und Engagement schon nachgewiesen haben - das zeigen die Erfahrungen der Professoren ebenso wie die der Personalleiter.
  • Die Spiegelung von Theorie und Praxis in Hochschule und Betrieb schon während des Studiums vertieft und konkretisiert die Ausbildung. Der Lernerfolg ist nachweislich höher und führt trotz des zusätzlichen Studienjahres zu niedrigeren Abbrecherquoten und sogar kürzeren mittleren Studiendauern.
  • Der Auftrag und Anspruch von Fachhochschulen, nämlich ein praxisorientiertes sowie anwendungsnahes Studium zu ermöglichen, das unmittelbar zur Berufsfähigkeit der Absolventen führt, wird mit dem kooperativen Studium optimal erfüllt. Gleichzeitig tragen die Unternehmen aktuelle Aufgabenstellungen und moderne technische Entwicklungen in die Hochschule, die letztlich allen Studierenden und Professoren nützen.

 

Studienverlauf und Wahlangebote

Im 1. und 2. Semester des KIA-Studienganges werden die grundlegenden Module wie Mathematik und Physik angeboten.

 

Im 3. und 4. Semester folgt dann die Einführung in die Elektrotechnik. Parallel dazu findet in einem Computerraum des Fachbereichs eine Einführung in die Informationstechnik für Ingenieure statt: die Studenten erlernen Schaltungssimulation, Mathematik am PC und Grundlagen der Programmierung. In einem Projektmodul werden erste Erfahrungen in der Durchführung einer zusammenhängenden elektrotechnischen Aufgabe gewonnen und im Modul "Technisches Englisch" wird der Umgang mit englischen Fachtexten erlernt.

Natürlich lernen die Studierenden nicht nur mit „Bleistift und Papier": zu allen technischen Fächern findet ein Praktikum in einem der Labore des Fachbereichs statt, in dem systematisch in die Durchführung elektrotechnischer Laborarbeit eingeführt werden.

 

Im 5. und 6. Semester geht es bereits tief hinein in einzelne Fachgebiete der Elektrotechnik: Es wird das Verhalten von Bauelementen und die Entwicklung elektronischer Schaltungen, studiert. Prinzipien und Verfahren der Digitaltechnik und Regelungstechnik werden erlernt. Computerbasierte Mathematik und die Beschäftigung mit den Signalen und Systemen der Elektrotechnik gehören ebenfalls zum Lehrstoff des 2. Studienjahres. In diesen Semestern werden die Programmierfähigkeiten systematisch aufgebaut und erweitert: die Studierenden lernen Praktische Informatik sowohl in einer aktuellen zeilenorientierten Programmiersprache als auch in einer grafischen Programmierumgebung. Auch hier gilt: zu allen Fächern gehört die praktische Erfahrung im Labor bzw. am Rechner. Jeder Ingenieur muss sich auch mit den rechtlichen und den wirtschaftlichen Randbedingungen seiner Berufstätigkeit auskennen: eine Einführung in diese beiden Bereiche findet in diesen beiden Semestern statt.

 

Erst zu Beginn der letzten beiden Studiensemester müssen Sie sich für einen der beiden Schwerpunkte entscheiden:

 

  • in der "Automatisierungstechnik" mit seinen 4 Spezialisierungsmodulen: Prozessmesstechnik, Leistungselektronik und Antriebe, Anlagenautomatisierung und Realzeitsysteme werden alle Aspekte der modernen Automatisierungstechnik von der Messtechnik über die Antriebstechnik bis zur Anlagenautomatisierung und ihre computerbasierte Steuerung mit Echtzeitsystemen behandelt;
  • In der "Informationstechnik" mit den 4 Spezialisierungsmodulen Rechnersysteme und Automaten, Digitale Signale und Systeme, Interaktive Systeme/WEB-Engineering und Datenbanksysteme werden fundierte Kenntnisse zur Schlüsseltechnologie Informationstechnik für eine zukunftsorientierte Ausbildung in diesem interessanten Bereich vermittelt.
  • in der "Kommunikations- und Nachrichtentechnik" mit den 4 Spezialisierungsmodulen Mikrowellentechnik, Nachrichtenübertragungstechnik, Digitale Verfahren in der Nachrichtentechnik und Optische Nachrichtentechnik werden Spezialkenntnisse der modernen Nachrichtentechnik von drahtloser Übertragung über Mikrowellentechnik bis hin zur optischen Übertragungstechnik mit analogen und digitalen Übertragungsverfahren vermittelt.

 

Parallel zu den Spezialgebieten wird der für alle Elektrotechnik-Ingenieure wichtige Umgang mit Mikroprozessoren und digitalen Signalprozessoren erlernt, aber auch die Regeln und Vorschriften, die für das störungsfreie Zusammenwirken verschiedener Systeme zu beachten sind. Gleichfalls für beide Schwerpunkte erhalten Sie hier Spezialwissen über Kommunikationsnetze und ihre Protokolle sowie über die Datensicherheit in derartigen Netzen. Die Informatikkompetenz wird durch zusätzliche Kenntnisse über die Durchführung von Softwareprojekten erweitert.

 

In einem Pro- und einem Hauptseminar erarbeiten sich die Studierenden die Kenntnisse und Fähigkeiten, ein Thema systematisch für eine Präsentation aufzubereiten und vor einem Fachpublikum darzustellen. In der Bearbeitung eines weiteren, jetzt umfangreicheren Projekts werden die bisher erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten auf die Lösung eines komplexen praktischen Problems in gemeinsamer Teamarbeit angewendet, gemeinsam ein Abschlussbericht verfasst und die Arbeitsergebnisse vor einem sachkundigen Publikum präsentiert.

 

Nach dieser umfangreichen Vorbereitung absolvieren die Studierenden zu Beginn des 9. Semesters eine 10-wöchige Praxisphase. Dabei können sie erste Erfahrungen erwerben bei der Umsetzung der im Verlauf der Hochschulausbildung erworbenen Kenntnisse in die industrielle Arbeitswelt. Direkt im Anschluss daran beginnen die Studierenden mit der Abschlussarbeit, die in einem der 25 Labore des Fachbereichs, in einem Institut der Hochschule, in einer externen Institution oder - vorzugsweise - im Ausbildungsunternehmen durchgeführt werden kann.

 

Nach erfolgreichem Abschluss dieses Ausbildungsprogramms wird den Studierenden - zusätzlich zu ihrer Qualifikation als Facharbeiter - der akademische Grad Bachelor of Engineering (B.Eng.) in Elektrotechnik verliehen. Die Absolventen verfügen über eine Qualifikation, die ihnen den Zugang sowohl zu den regionalen Arbeitsmärkten - zu denen eine Vielzahl von mittelständischen aber auch national und international tätige Großunternehmen gehören - als auch zu den nationalen und internationalen Arbeitsmärkten ermöglicht. Sie profitieren von den guten Erfahrungen, die die Unternehmen mit den Absolventen des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik der Hochschule Niederrhein in den vergangenen Jahrzehnten gemacht haben.

 

Automatisierungstechnik

Das Berufsfeld des Elektroingenieurs mit dem Studienschwerpunkt "Automatisierungstechnik" ist die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik in den Bereichen Maschinen- und Anlagentechnik sowie die Modellbildung und Simulation technischer Prozesse. Der Schwerpunkt liegt hierbei in erster Linie auf digitalen sowie softwarebasierten Regel- und Steuerungstechniken bis hin zu „embedded" Controlleranwendungen in Echtzeitsystemen. Er ist der Spezialist an der Schnittstelle zwischen einer Maschine oder Produktionsanlage und deren Steuerung und Regelung. Seine Ausbildung ist so breit angelegt, dass er sich aber auch in Arbeitsgebiete einarbeiten kann, die weit über unmittelbare automatisierungstechnische Anwendungen hinausgehen.

 

Kommunikationstechnik

Das Berufsfeld des Elektroingenieurs mit dem Studienschwerpunkt "Kommunikationstechnik" ist die Entwicklung, der Aufbau und Betrieb von Nachrichtenübertragungs- und Nachrichtenvermittlungseinrichtungen sowie die Entwicklung und Fertigung der dazu notwendigen Geräte und Anlagen. Drahtgebundene Übertragungswege sind ihm ebenso vertraut wie die Übertragung mit Hilfe von Funk- bzw. Satellitenverbindungen oder Glasfaserstrecken. Er ist der Spezialist für die Überwachung dieser Nachrichtenübertragungsstrecken, kennt die dazugehörige Messtechnik und ihre mikroprozessorbasierte Steuerung. Durch eine sehr breite Ausbildung, die von niedrigen bis zu sehr hohen Frequenzen, von der analogen bis zur digitalen Schaltungstechnik reicht und eine solide Basis an Informatikkenntnissen umfasst, ist er für ein sehr weites, über die eigentlichen nachrichtentechnischen Aufgabenstellungen weit hinaus reichendes Einsatzgebiet qualifiziert.

 

Informationstechnik

Das Berufsfeld des Elektroingenieurs mit dem Studienschwerpunkt "Informationstechnik" deckt eine Schlüsseltechnologie der Informationsgesellschaft ab. Schlagwörter wie Multimedia, Internet, E-Mail und E-Commerce beherrschen die öffentliche Diskussion; Produkte wie Personal Computer, Mobiltelefone und digitales Fernsehen bestimmen unseren täglichen Lebensablauf.

Die Weiterentwicklung dieser und neuartiger Produkte sowie deren Systemintegration sind Aufgaben des Informationstechnik-Ingenieurs. Hierbei sind in naher Zukunft als besondere Herausforderung die Entwicklung immer leistungsfähigerer sog. "Embedded-Systeme" zu nennen, welche den steigenden Anforderungen an mobile informationstechnische Geräte (mobiles WEB, Navigation, mobile Datenerfassung etc.) Rechnung tragen.