B E R L I N
Eindrücke zur Studienreise des Projektseminars „Lebendige Nachbarschaft gestalten – Netzwerkarbeit im Quartier“ in sechs Buchstaben
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von Tanja Kulig
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B wie Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
20 Minuten vor der Zeit standen am Montag, 07.11.2011 zwei Seminarleiterinnen, eine Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums REAL und elf Studierende der Hochschule Niederrhein vor dem Bundesministerium von Dr. Peter Ramsauer (MdB). Um Punkt 16 Uhr wurden sie dort von einem freundlichen Mitarbeiter abgeholt und in einen professionell ausgestatteten Seminarraum geleitet. Im Ministerium legt man besonderen Wert auf eine interessierte Öffentlichkeit und gibt sich daher für Besuchergruppen viel Mühe. Für die Mönchengladbacher Hochschulgruppe wurde der Fokus auf das Programm „Soziale Stadt" gelegt. Dieses Programm ist Bestandteil der Stadtentwicklungspolitik des Bundes und verknüpft bauliche und soziale Maßnahmen, um unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen Stadtteile zu stabilisieren und dort die Lebensqualität zu verbessern.
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E wie Engagement
Ob Quartiersmanagement im Falkenhagener Feld West, „Nachbarschaftsetage" und Vitanas Senioren Centrum im Märkischen Viertel oder Nachbarschaftshaus Urbanstraße e. V. und FreiwilligenAgentur in Kreuzberg - alle besuchten Einrichtungen verband ein wichtiges Ziel: Bewohnerinnen und Bewohner des jeweiligen Quartiers bzw. „Kiezes" für Aktivitäten im Wohnumfeld zu interessieren und engagementinteressierten Menschen Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung zu bieten. Eine Erkenntnis war dabei besonders wichtig: Um Zugänge zu Bewohnerinnen und Bewohnern zu erhalten, braucht es „Anker im Gebiet" - Menschen, die im Quartier verwurzelt sind, die gewachsene Strukturen kennen und das Vertrauen ihrer Mitmenschen im Viertel genießen.
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R wie Rundgänge
Wer warme Kleidung eingepackt hatte, war eindeutig im Vorteil. Denn ein großer Teil der Exkursion fand im Freien statt. Allein im Falkenhagener Feld West wurden mit dem Quartiersmanager am zweiten Tag der Studienreise sieben verschiedene kooperierende Einrichtungen „erwandert". Auch an den folgenden Tagen wurde deutlich: die Mitarbeiter der Einrichtungen waren ehrlich daran interessiert, der Hochschulgruppe vom Niederrhein einen möglichst umfassenden und „quartiersnahen" Einblick in ihre Arbeit zu geben. Und sie sorgten nicht nur für vielfältige praktische und theoretische Einblicke, sondern auch immer wieder für heißen Kaffee und leckere Kleinigkeiten zwischendurch. So viel Aufmerksamkeit und Mühe hatte wohl kaum jemand erwartet, trotz der sprichwörtlichen „Berliner Gastfreundlichkeit", die hiermit eindeutig bestätigt werden kann.
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L wie Langer Atem
„Es ist nicht erklärtes Ziel, die Menschen ins Nachbarschaftshaus zu holen. Im Vordergrund stehen die Menschen mit ihren Bedürfnissen im Quartier." Dieses Zitat des stellvertretenden Geschäftsführers des Nachbarschaftshauses Urbanstraße e. V. ist nicht ganz ohne Zündstoff. Schließlich werden Bürgerzentren, Freiwilligenagenturen oder Offene Treffs im Quartier oftmals von ihren Finanzgebern an ihren Besucherzahlen gemessen. Aber Einrichtungen der Sozialen Arbeit dienen nun mal nicht dem Selbstzweck. Und langfristig werden quartiersnahe Angebote auch besonders dann regen Zulauf finden, wenn sie auf einem Hilfe- und Unterstützungsbedarf basieren, den die Menschen im Quartier selbst formuliert haben. Dies werden sie vor allem dann tun, wenn sie die Akteure kennen und ihnen vertrauen. Und dafür ist aufsuchende Soziale Arbeit und genug Zeit für die Vertrauensbildung wichtig.
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I wie Interkulturalität
Älter, weniger, bunter - so lassen sich die Folgen des demographischen Wandels in drei Merkmalen beschreiben. Eine besondere Aufgabenstellung sozialraumorientierter Sozialer Arbeit besteht oftmals darin, Wünsche und Bedürfnisse „alteingesessener" älterer Bewohner mit den Wünschen und Bedürfnissen von zugezogenen Familien mit jüngeren Kindern oder Jugendlichen in Einklang zu bringen. Bestehen dann aufgrund eines Migrationshintergrundes noch sprachliche oder kulturell bedingte Barrieren, wird die Kommunikation zusätzlich erschwert. Hier trifft man in Berliner „Kiezen" auf ähnliche Problemlagen und Lösungsansätze wie im Mönchengladbacher Quartier Beltinghoven, wo die Studierenden im Rahmen des Projektseminars praktische Erfahrungen sammeln. Kompetenzen im Bereich Interkulturalität, im Umgang mit Fragen des „Alter(n)s", aber auch mit weiteren „Diversity-Dimensionen" wie Behinderung, Religiosität oder Gender sind daher auch im Studium unbedingt gezielt zu fördern.
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N wie Nachwort
Am Ende dieser kleinen Sammlung von Eindrücken darf eines nicht fehlen: Ein großes Dankeschön an den Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein, der diese Studienreise finanziell maßgeblich unterstützt hat. Die Möglichkeit, im Rahmen des Studiums eine so intensive und aufschlussreiche Bildungswoche unternehmen zu können, ist für Dozenten und Studierende eine ganz besonders wertvolle Erfahrung.
Die Studienreise nach Berlin des Projektseminars „Lebendige Nachbarschaft gestalten - Netzwerkarbeit im Quartier" der Dozentinnen Sigrid Verleysdonk Simons und Tanja Kulig fand statt in der Woche vom 07.11.-11.11.2011. Die Erkenntnisse aus der Studienreise fließen nicht nur in die Projektveranstaltung mit ein, sondern werden auch im Rahmen des wissenschaftlichen Projektes „GIB - Geborgenheit in Balance" des Kompetenzzentrums Ressourcenorientierte Alter(n)sforschung (REAL) im Quartiersprojekt Belting-Treff ausgewertet und dokumentiert. Die neu gewonnenen Kooperationspartner haben sich bereits für einen Gegenbesuch in Mönchengladbach angekündigt.
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