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Aus der Region gewachsen - Teil II

1901: Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie in München-Gladbach

 

Das Mönchengladbach-Rheydter Industriegebiet entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Wandel von Flachs und Leinen zur Baumwolle zum "Rheinischen Manchester", eines der bedeutendsten Zentren der Faserstoffverarbeitung in Deutschland.

 

Der preußische Staat gründet den Bedürfnissen der Industrie entsprechend zusätzlich zu den "Webeschulen", die Werkmeister ausbilden, "Höhere Webeschulen" zur Vorbildung von „Fabrikanten und Fabrikdirektoren". Auf Initiative einer eingerichteten Sonder-Kommission aus Handelskammer, Kommunen aus dem Handelsbezirk Mönchengladbach, dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf und dem Handelsministerium in Berlin wird zur Ausbildung von Führungskräften 1901 die "Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie in München-Gladbach" gegründet.

 

1932: Höhere Bekleidungsfachschule

 

Die innige Zusammenarbeit mit der Industrie führt 1932 zur Neugründung und Eingliederung der "Höheren Bekleidungsfachschule" und schließlich 1936 zur "Textilingenieurschule".

 

Drei höhere staatliche Einrichtungen, der Kern der späteren Hochschule Niederrhein, starten ins 20. Jahrhundert. Sie sind aus der Region gewachsen und strahlen weit über sie hinaus.

 

1933: Meisterschule des deutschen Handwerks

 

1933 führt die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu einer Gleichschaltung aller staatlichen Einrichtungen, insbesondere der Bildungseinrichtungen. Vor allem erfährt die freie Kunst eine beispiellose Knebelung und Diskreditierung. Die "Kunstgewerbeschule" wird umbenannt zur "Meisterschule des deutschen Handwerks". Die Abteilungen Architektur, Bildhauerei und Keramik werden 1934 geschlossen. Fünf von sieben "Künstlerlehrern" werden entlassen, nur noch Handwerksabteilungen bleiben bestehen.

 

Die "Höhere Fachschule für textile Flächenkunst" hat 1932 das Glück, an die Krefelder Webeschule angegliedert zu werden. Die dort beschäftigten Künstler können ihre abstrakten Ambitionen teils hinter dem Textilen verstecken, teils dafür nutzbar machen.

 

Die Nationalsozialisten erkennen die Textilproduktion - möglichst ohne Rohstoffe aus dem Ausland - und die zugehörige Forschung und Ausbildung als einen entscheidenden Faktor für Wirtschaft und Rüstung an. Wenige fachliche Einschränkungen und Korrekturen werden vorgenommen. In Mönchengladbach wird die Beschäftigung mit dem als fremdländisch geltenden Rohstoff Baumwolle eingeschränkt. In der Bekleidungstechnik spielen Uniformen eine größere Rolle. In Krefeld wird die Forschung für chemische Fasererzeugung verstärkt. Entlassungen werden vorgenommen, wenn ein Professor nicht "jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eingetreten ist".

 

Der "Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund" wird gegründet. Deren Mitglieder werden zum SA-Dienst und somit zur Erziehung im militärischen Sinne verpflichtet. Andere studentische Vereinigungen werden verboten.

 

Am Ende stehen Krieg, Tod und Chaos: im Juni 1943 trifft es zuerst die Höhere Webeschule in Krefeld. Die Ausbildung wird im ebenfalls stark beschädigten Gebäude der "Färberei und Appreturschule" an der Adlerstraße fortgeführt. Einen Tag später trifft es die Kunstgewerbeschule an der Peterstraße in Krefeld. Die Ausbildung wird im Herrenhaus der Burg Linn fortgeführt.


Das Gebäude der Mönchengladbacher Textilingenieurschule und die Einrichtungen werden im Wintersemester 1944/45 fast vollständig zerstört. Die Ausbildung wird Ende 1944 nach Münchberg (Oberfranken) verlegt.

 

1945: Nachkriegsjahre

 

Die Gewaltherrschaft und die Kriegszeit zerstörte vieles, aber nicht alles. Die drei Schulen haben überlebt und sich wieder aufgerappelt. Die traditionsreiche Textilingenieurschule Krefeld erhält 1955 am Frankenring einen modernen preisgekrönten Neubau mit eindrucksvoller Glasfassade. Er stellt ein Frühwerk der Architekten Lohrscheidt und Pfau dar, die u.a. durch das Düsseldorfer Schauspielhaus berühmt wurden.

 

Die Werkkunstschule wird an der Peterstraße wieder aufgebaut. In Mönchengladbach entstehen an der Webschulstraße aus den Ruinen die Gebäude der Textilingenieurschule.

 

1958: Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen


Am 1. April 1958 wird die "Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen" gegründet. Die Industrie- und Handelskammer zu Krefeld steuert über eine Sonderbeitragsordnung eine Million Deutsche Mark (DM) zur Finanzierung bei. Die Stadt Krefeld spendiert eine weitere Million DM, das Baugrundstück an der Reinarzstraße, wo der heutige Campus Süd entsteht, sowie das Erweiterungsgelände in der Kleingartenanlage.

 

Alle Krefelder Metall- und Elektrounternehmen leisten einen Beitrag, aber auch die chemische Industrie und die Post als damaliger Betreiber der Kommunikationsnetze. Die Abteilungen Maschinenbau, Elektrische Nachrichtentechnik und später Verfahrenstechnik und Elektronik werden eingerichtet. Die Hochschulfachbereiche "Maschinenbau und Verfahrenstechnik" sowie "Elektrotechnik und Informatik" entwickeln sich.

 

1962: Staatliche Höhere Wirtschaftsschule

 

Die "Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule" wird am 2. Oktober 1962 im Balkonsaal der Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach feierlich eröffnet. Der "Fachbereich Wirtschaftswissenschaften" entsteht. Auf der Gästeliste stehen die Paten dieser Gründung: der aus Mönchengladbach stammende Ministerpräsident Franz Meiers, der Kammerpräsident Prof. Dr.Viktor Achter und der Stadtdirektor Dr. Elbers. Erst 1970 kann man den Neubau an der Webschulstraße beziehen. Der "Campus Mönchengladbach" formt sich langsam.

 

1971: Fachhochschule Niederrhein - Hochschule Niederrhein

 

Am 1.8.1971 wird die "Fachhochschule Niederrhein" gegründet. Sechs Fachbereiche haben als Fundamente insgesamt 13 "Staatliche höhere Fachschulen", die eine erhebliche Tradition und fachliche Leistung einbringen. Fachliche und räumliche Verknüpfungen gibt es bereits in vielfältiger Form, die neu geordnet und intensiviert werden. Zwei Fachbereiche kommen erst bei der Gründung der Fachhochschule hinzu, der Fachbereich Sozialwesen und der Fachbereich Oecotrophologie. Diese Fächer werden bisher an Fachschulen gelehrt und werden jetzt den gestiegenen Anforderungen in der Gesellschaft angepasst. Lebensmittel und Ernährung sind inzwischen zu wichtigen Wirtschaftszweigen am Niederrhein geworden. Der "Campus Mönchengladbach" wird durch diese beiden Fachbereiche vervollständigt.

 

Ebenfalls 1971 wird ein Teilbereich der "Staatlichen Ingenieurschule für das Textilwesen in Krefeld" mit der "Staatlichen Ingenieurschule für das Textilwesen in Mönchengladbach" vereint. Es entsteht der Fachbereich "Textil- und Bekleidungstechnik" der Hochschule Niederrhein mit seiner in Europa einmaligen fachlichen Bandbreite von der Faser bis zu fertigen Produkten im Bereich der Bekleidung und der Werkstoffe für technische Textilien.

 

Das interdisziplinäre Angebot wird erweitert, zunächst um das "Wirtschaftsingenieurwesen" und schließlich - dann schon unter dem Namen Hochschule Niederrhein (seit dem 9.7.2001) - das "Gesundheitswesen". Zum WS 2010/11 stellt die Hochschule Niederrhein ein Bildungs- und Forschungsangebot aus zehn Fachbereichen bereit.