Das Master Studium an der HN

1. Für unsere Masterabsolventen können wir ein klares Berufsbild formulieren. Wir sollten den an unseren Absolventen interessierten Unternehmen genau erklären können, in welchen Tätigkeitsfeldern eher unsere Bachelor- und in welchen eher unsere Master-Absolventen eingesetzt werden können. Wir sollten aber ebenso unseren Studierenden erklären können, wann und unter welchen Umständen es für sie sinnvoll ist, nach einem erfolgreichen Bachelorstudium ein Masterstudium bei uns anzuschließen. Es muss klar benannt werden können, worin der Mehrwert eines Masterstudiums an unserer Hochschule besteht.

 

2. Der Masterabschluss an der HN ist ein wissenschaftlicher Abschluss, der zu einem Promotionsstudium berechtigt. Vor allem im Masterstudium will die HN durch angewandte Wissenschaften ausbilden, wobei in dem Begriffspaar "angewandte Wissenschaft" beide Elemente gleichrangig zu behandeln sind. Unsere Masterstudierenden werden systematisch zum eigenen wissenschaftlichen Arbeiten angeleitet. Das Masterstudium an der HN basiert auf einer lebendigen Forschungs- und Projektkultur innerhalb der Hochschule. Masterstudium, Projektarbeit und Forschung bedingen einander wechselseitig. Unter einem "Projekt" soll hier und im Folgenden eine sachlich und zeitlich begrenzte Aufgabe verstanden werden, um deren Lösung man sich (ggf. interdisziplinär) bemüht, um ein einmaliges Produkt, eine Dienstleistung oder ein Ergebnis zu erzielen.

 

3. Masterstudien an der HN sind projektorientiert. Masterstudierende an unserer Hochschule sollten möglichst während ihres gesamten Studiums selbständig arbeiten dürfen; je näher sie der Abschlussarbeit kommen, umso mehr sollten sie projektorientiertes Arbeiten erleben dürfen. Eine reine Vorlesungsveranstaltung sollte eher die Ausnahme sein. Ein allgemeinbildendes Begleitprogramm muss (wenn überhaupt) sehr knapp ausfallen, weil es sich mit dem Anspruch eines Profilstudiums nicht verträgt. Die Lernformen sind nicht mehr ein reproduzierendes Lernen, sondern eine Form des selbstbestimmten Arbeitens an Projekten. Unsere Masterstudierende sollten eher wie Mitarbeiter behandelt werden.

 

4. Masterstudierende an der HN sollen ein sehr persönliches Studium erleben. Sie sollten möglichst früh in ihrem Studium in Kontakt zu ihrem zukünftigen Betreuer treten und dessen/deren Arbeitsgruppe zugeordnet sein. Idealerweise sollten sie während ihres Masterstudiums bereits ihre zukünftige Abschlussarbeit im Auge haben. Der zukünftige Betreuer ist während des gesamten Studiums in engem Dialog mit dem von ihm betreuten Masterstudierenden. Es etablieren sich so wissenschaftliche Gruppen, die bei den betreuenden Professoren angesiedelt sind. Der Betreuer weist seine Masterstudierenden - mit Blick auf die zukünftige Masterarbeit - durch das Masterstudium. Masterstudierende können auch durch "Masterschulen" besondere Betreuung erfahren.

 

5. Der wissenschaftliche Anspruch des Masterstudiums wird in der Masterarbeit besonders deutlich. Das Masterstudium muss vornehmlich mit Blick auf die Masterabschlussarbeit konzipiert sein. Es hat wesentlich zum Ziel, dem Studierenden Wissen und Methoden zu vermitteln, die ihn überhaupt erst in die Lage versetzen, an einer anspruchsvollen Masterarbeit selbständig zu arbeiten. Das Masterstudium ist also keine breite Ausbildung mehr, sondern ein spezialisiertes Lernen hin auf die Masterarbeit. Die Masterarbeit ist das greifbare Ergebnis unserer Ausbildung und muss als Zeugnis für unseren Qualitätsanspruch verwendet werden können. Nachweis der Wissenschaftlichkeit einer Masterarbeit kann, muss aber nicht, eine Publikation in einem facheinschlägigen Journal sein. Ebenso kann der Nachweis in anderer Form erbracht werden, etwa in Form einer erfolgreichen Industriekooperation, der Entwicklung eines Prototypen, einem erfolgreichen Beraterprojekt, einer durch eine externe Anfrage motivierte Befragung, eines besonderen künstlerischen Produktes oder einem überzeugenden Messeauftritt. Eine reine Literaturrecherche als Masterarbeit passt eher nicht zu einer Hochschule, die als Ideenschmiede der Region verstanden werden will. Masterarbeiten, die an der Schnittstelle mehrerer Disziplinen entstehen, also interdisziplinären Charakter haben, passen hingegen besonders gut zu dem Selbstverständnis unserer Hochschule.

 

6. Masterarbeiten an der HN werden im Regelfall intern betreut. Gute anwendungsbezogene Lehre erfordert die intensive Auseinandersetzung mit und Beteiligung an den Forschungs- und Erkenntnisentwicklungen im eigenen Wissenschafts¬gebiet. Professorinnen und Professoren, die Masterarbeiten betreuen, haben ein eigenes, wissenschaftlich begründetes Interesse an diesen Arbeiten. Idealerweise bauen die von einem Professor/ einer Professorin betreuten Masterarbeiten systematisch aufeinander auf. In ihnen sollte ein fortlaufendes, klar abgegrenztes und zukunftsfähiges, eigenes Forschungsinteresse des betreuenden Professors zum Ausdruck kommen. Das kann nur bedeuten, dass Masterarbeiten im Hause durchgeführt werden. Externe Masterarbeiten müssen die Ausnahme bleiben. Solche internen Arbeiten stehen nicht im Widerspruch zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Praktikern in der regionalen oder überregionalen Wirtschaft.

 

"Intern" bedeutet keinesfalls eine Arbeit ohne externen Partner. Im Gegenteil. Eine praxisnahe Masterarbeit sollte sich mit anspruchsvollen Problemen beschäftigen, wie sie sich in der Berufswirklichkeit der Unternehmen stellen. Sie kann aber ebenso ein praxisnahes Problem behandeln, welches sich aus vorangegangenen oder zukünftigen Projekten mit der Wirtschaft ergeben hat. Extern durchgeführte Messungen oder außerhalb der Hochschule durchgeführte Teilprojekte als Teil einer Masterarbeit stehen ebenfalls nicht im Widerspruch zu unserer Selbstverpflichtung, nur interne Masterarbeiten zu betreuen.

 

7. Die Zahl der Masterstudienplätze ist begrenzt, weil ausstattungsintensiv. Intern durchgeführte Masterarbeiten bedeuten eine enge Zusammenarbeit zwischen Professor/Professorin und Masterstudent. Idealerweise sollten Masterstudierende, die ihre Abschlussarbeiten durchführen, Arbeitsplätze an unserer Hochschule haben. Sie sollten sich der Gruppe des betreuenden Professors/Professorin zugehörig fühlen. Neben räumlichen Kapazitätsgrenzen wird die Zahl von Masterstudienplätzen bestimmt durch die Anzahl von Masterarbeiten, die an einem Fachbereich überhaupt in vollem Umfang betreut werden können. Pro Semester kann ein Professor/eine Professorin höchstens zwei bis drei Masterarbeiten gleichzeitig betreuen.