12.07.2012

Designer zwischen Google und Marx: Absolventinnen zeigen ihre Arbeiten

 

Krefeld, 12. Juli. Karl Marx, darüber dürfte sich eine große Mehrheit in diesem Land einig sein, hat ein Image-Problem. Das von ihm und Friedrich Engels geschriebene kommunistische Manifest hat ausgedient – scheinbar. Denn wer sich die Forderungen der konsumkritischen Occupy-Bewegung anschaut, stellt fest, dass sich die Gedanken von Marx und Engels durchaus auf die Gegenwart übertragen lassen. Justine Ohlhöft, Absolventin am Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein, hat diesen Gedanken aufgegriffen und dazu ihre Abschlussarbeit gestaltet. Zu sehen ist diese wie 16 andere Design-Arbeiten auch noch bis Freitag in der Shedhalle am Frankenring.

 

Dort war gestern Abend die Abschlussfeier für 30 Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Design (Diplom und Bachelor). Rund die Hälfte der frisch gebackenen Designer nutzten die Chance und präsentierten ihre Abschlussarbeiten der Öffentlichkeit. Prof. Nicolas Beucker, Dekan des Fachbereichs, zeigte sich von den Arbeiten sichtlich beeindruckt.

 

Die schon erwähnte Justine Ohlhöft druckte Textfragmente von Marx und Engels auf Plakate und versah sie statt mit einer Quellen-Angabe mit einem QR-Code, der dann auf die inhaltliche Stelle des kommunistischen Manifests im Internet verlinkt. „Wenn das kommunistische Manifest als Link angegeben wäre, würde keiner draufklicken", sagt sie. „So werden die Vorurteile umgangen und man kann die Thematik mit anderen Augen betrachten."

 

Mit den Erwartungshaltungen von Lesern spielt auch Svenja Lüker in ihrer Arbeit. Sie bricht die Erwartungen, indem sie einen normalen Zeitungstext in alphabetisch geordnete Lexikonartikel transformierte. Indem wir beim Lesen dieses gesampelten Textes stolpern, werden wir uns der eigenen Leseerwartung bewusst, so Lüker.

 

Mit den sieben Todsünden beschäftigt sich Diana Schmitz. Sie entwickelte eine Kampagne, die nicht weniger erreichen soll als eine bessere Welt. So erstellte sie eine fiktive Google-Weltkarte, auf der die Häufigkeit einer Sünde nach Regionen erkennbar ist. „Habgier" beispielsweise in der „Ersten Welt", wo jeder das modernste Mobil-Phone besitzen möchte. Die Konsequenz: Ausbeutung von Regionen, in denen die zur Handy-Herstellung nötigen Rohstoffe ausgebeutet werden. Dabei werden dann andere Todsünden wie Wollust oder Neid forciert. Gleichzeitig kann man im Rahmen der Kampagne T-Shirts kaufen, deren Erlös den Armen dieser Welt zugute kommt.

 

Neben weiteren Arbeiten im Bereich Kommunikationsdesign, die sich mit der Frage beschäftigen, was Google mit unserer Persönlichkeit macht oder wie man es schafft, die Krefelder für die sinnliche Wahrnehmung ihrer Stadt zu sensibilisieren, sind auch Arbeiten im Bereich Produktdesign zu sehen: ein Rauchmelder aus Porzellan, Damenoberbekleidung, deren Muster mit dem Laser gestaltet sind, oder Porzellanschmuck aus Fruchtabstraktionen. Die Ausstellung ist bis Freitag, 13. Juli, 18 Uhr, in der Shedhalle am Frankenring 20, 47798 Krefeld, öffentlich zugänglich.

 

Pressekontakt: Dr. Christian Sonntag, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Niederrhein: Tel.: 02151 822 3610; Email: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Diana Schmitz beschäftigte sich mit den sieben Todsünden. Ihr Ziel: Die Welt ein kleines bisschen besser machen. Zum Beispiel durch den Kauf von T-Shirts.
Irina Moshenska zeigte eigene Modekreationen. Das Besondere: Die Muster sind mit einem Laser in den Stoff eingebrannt.
Monika Jagla will die Krefelder dazu anregen, sich sinnlich mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Was man dazu braucht? Sensibilität - und eine Einwegkamera.


Autor: Christian Sonntag