01.07.2005

Versicherungen, Papiere, Malaria - Vorbereitungen für ein Praxissemester in Ruanda

Andreas Meyer hat im WS 2003/2004 sein Praxissemester in Ruanda absolviert. Die nachfolgenden Interviewausschnitte sind vor allen Dingen als Hilfestellung und Orientierung für StudentInnen gedacht, die Interesse an einem Praxissemester im außereuropäischen Raum haben.

 

Wann und warum hast Du Dich für ein Praxissemester in Afrika, konkret Ruanda, entschieden ?

 

Erst wollte ich ja nach Indonesien, um mal heraus zu kommen und etwas ganz anderes zu sehen und meinen Horizont zu erweitern. Dann aber habe ich mich an die Länderpartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda erinnert und habe im Internet nach dem Partner-schaftsverein gesucht. Als sich herausgestellt hatte, dass der Verein ohnehin 2 Praxisstellen pro Jahr vorsieht, habe ich mich dann Ende 2002 beim Innenministerium in Mainz beworben. Insgesamt hat die Vorbereitung wohl so neun Monate gedauert.

 

Waren die Praxisstellen für bestimmte Arbeitsbereiche bzw. Berufsgruppen ausgeschrieben ?

 

Nein, es wurden Berufsanfänger und Studenten aus verschiedensten Zweigen gesucht - von Handwerk bis Bildung. Ich war sogar der erste Sozialarbeiter, der das gemacht hat. Es wurden lediglich die Voraussetzungen für eine sogenannte `unentgeltliche Hospitation` benannt : Man muss mindestens 21 Jahre alt sein, Kenntnisse in Englisch oder Französisch müssen vorhanden sein, die Einsatzdauer sollte mindestens 5-6 Monate betragen und soziales Engagement war ausdrücklich erwünscht.


Wie ging es dann weiter ?

 

Als ich dann alles in trockenen Tüchern hatte, habe ich mit der Feinarbeit begonnen : Ich habe eine Auslandskrankenversicherung für 6 Monate über den ADAC gemacht, da die üblichen Reisekrankenversicherungen ja nur einen Schutz bis zu 6 Wochen jährlich geben. Dann habe ich noch eine Reiseunfallversicherung abgeschlossen, was vielleicht nicht zwingend notwendig ist. Mit den Impfungen sollte man frühzeitig beginnen, weil hier gewisse Abstände berücksichtigt werden müssen. Auf den Internetseiten vom Tropeninstitut kann man sich darüber informieren, welche Impfungen für die jeweilige Region empfohlen werden. Als Student wurden die Impfkosten für mich von der Krankenkasse übernommen, was auch gut war, da es mich sonst über 300,- Euro gekostet hätte. Man kann sich ansonsten gut auf die Erfahrung der Ärzte vor Ort verlassen, die - z.B. was die Malariaprophylaxe angeht - andere Medikamente verschreiben als hier empfohlen werden.


Da Du gerade schon von den Kosten für Versicherungen und Impfungen sprichst - was gibt es zum Thema "Geld" zu bedenken ?

 

Die Reisekosten sind bei mir zu 50% vom Arbeitgeber getragen worden. Man kann Reise-kostenzuschüsse beim DAAD beantragen, wobei das Antragsverfahren recht kompliziert ist und man frühzeitig den Antrag stellen muss. Ein Visum ist teilweise recht teuer. In Ruanda ist es so, dass sich Deutsche dort bis zu 3 Monaten ohne Visum aufhalten können und dann ist es gängige Praxis, dass die Entwicklungshelfer dort kurz aus- und wieder einreisen, da das insgesamt billiger ist. Somit hatte ich die Gelegenheit, einige Tage lang "Zwangsurlaub" in Uganda zu verbringen. Ein Medikament zur Malariabehandlung ist mir von der Krankenkasse bezahlt worden. Dann sollte man sich informieren, welche Währung in der entsprechenden Region bevorzugt wird, was in Ruanda der Euro war und mit wie viel Geld man überhaupt einreisen darf. Diese Informationen kann man im Internet über das Weltreiseforum und die Homepage des Auswärtigen Amts erhalten. Es ist sicherlich sinnvoll, jemandem zuhause eine Bankvollmacht auszustellen und insgesamt sicherzustellen, dass immer etwas auf dem Konto ist. Auch kann man überlegen, ob man die Wohnung untervermietet, den Telefonanschluss für diesen Zeitraum kündigt usw. Insgesamt wird man mit einem solchen Vorhaben nicht reicher, außer an Erfahrung.

 

Wie hast Du dich über die Sicherheitslage im Land informiert ?

 

Ich habe mich auf der Homepage des Auswärtigen Amtes informiert, auch weil es seinerzeit Konflikte in der Grenzregion zum Kongo gab. Auch mit dem Vereinsbüro habe ich gesprochen, weil die ja schließlich die Leute direkt vor Ort haben.

Außerdem ist es sinnvoll, sich nach der Ankunft bei der Deutschen Botschaft registrieren zu lassen. Wenn dann aus irgendeinem Grund Deutsche bzw. Entwicklungshelfer ausgeflogen werden müssen, dann wissen die, dass es da auch noch einen Andreas Meyer gibt.

 

Auf welche potenziellen Anlaufstellen bzw. Informationsquellen für interessierte StudentInnen bist Du bei Deinen Recherchen sonst noch gestoßen ?

 

Auch im Rahmen meiner Diplomarbeit bin ich immer wieder auf den Deutschen Entwicklungsdienst aufmerksam geworden, die „Dienste in Übersee" und die AGEH. Schließlich kann ich noch den „Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee" und die InWent-Bibliothek in Bonn empfehlen; hier kann man sich sehr gut über die einzelnen Länder oder Themenschwerpunkte informieren.

 

Andreas Meyer und Sabine Neukirch