11. Regionalökonomisches Forum, Diskussionsrunde

11. Regionalökonomisches Forum

Stadtteile nach vorne bringen – Lokale Ökonomie stärken!

Das Forum wurde veranstaltet von den Instituten NIERS und SO.CON der Hochschule Niederrhein.

 

Nach einer Begrüßung durch den Präsidenten der Hochschule Niederrhein – Prof. Dr. Hans‐Henning von Grünberg –, in der er den lokalen Bezug von Fachhochschulen im Allgemeinen und die besondere Ausrichtung der Hochschule Niederrhein auf die lokale Ökonomie im Speziellen würdigte, begann das Forum mit einem Vortrag von Prof. Klaus Wermker, Leiter der Stadtentwicklung Essen i. R.

Prof. Wermker befasste sich mit der „Rolle der lokalen Ökonomie und Wegen zu ihrer Stärkung“ (Vortrag auf Anfrage). Er erläuterte seine Thesen anhand eines Fallbeispiels, dem „Essener Konsens“. Im Zuge der erstmaligen Einführung eines kleinräumigen Monitorings der wirtschaftlichen Verhältnisse in Essen stellten sich große Integrationsprobleme und Arbeitsplatzprobleme in den Stadtteilen Katernberg, Schonnebeck, Stoppenberg heraus. Prof. Wermker stellte daraufhin die Entwicklung von der ehemaligen Zeche Zollverein hin zum Gründungs‐ und Unternehmenszentrum ZukunftsZentrumZollverein ‐ Triple Z dar. Durch seine maßgebliche Mitarbeit an diesem Projekt von der ersten Stunde an, konnte Prof. Wermker tiefgehende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Triple Z bieten. Das Triple Z nutzt die Flächen und die Gebäude der Zeche Zollverein, um einen Raum für Existenzgründer aus verschiedensten Branchen (Design, IT, Handwerk usw.) zu schaffen. Einflussreiche Bürger der Stadt Essen wollten nach der Schließung der Zeche Ende der 1980er Jahre eine Verwahrlosung verhindern und Ausgleich für die vielen wegfallenden Arbeitsplätze schaffen. Prof. Wermker stellte besonders die Rolle der von Anfang an am Prozess beteiligten Personen im „Essener Konsens“ heraus. Nach seiner Einschätzung ist es sehr wichtig „Kümmerer“ zu haben, die sich eines Problems schnell und unbürokratisch – auch politische Entscheidungen vorwegnehmend oder erzwingend – annehmen und es in Abstimmung mit einem kleinen Kreis Involvierter lösen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Einbeziehung der lokalen Wirtschaft und der Anwohner gelegt, um eine breite Unterstützung für die vorgesehenen Maßnahmen zu erreichen. Durch diese Aktivitäten ist das TripleZ ein bedeutender wirtschaftlicher Akteur im Gebiet Essen Katernberg geworden und stärkt die lokale Ökonomie.

Anschließend gab Prof. Dr. Rüdiger Hamm vom Institut NIERS eine Einführung in die Entstehung und die Besonderheiten des Projekts „Stärkung der lokalen Ökonomie in der Viersener Südstadt“, das von den Instituten NIERS und SO.CON durchgeführt wird. Dabei sind herauszustellen:
1. Die Institutsübergreifende Zusammenarbeit bei der Antragstellung, wobei die Kompetenzen der beiden Institute in den Projektantrag eingeflossen sind.
2. Die neue (?) Idee, ein analysebasiertes Handlungskonzept anzubieten. Hintergrund ist die Überlegung, dass eine sorgfältige Analyse (durch NIERS) den Einsatz ursachenadäquater Mittel und zielgerichtetes Handeln (SO.CON) erleichtert. Dabei gehen Analyse und Handeln Hand in Hand.
3. Durch ein interdisziplinäres Team (eine Politikwissenschaftlerin, eine Wirtschaftsgeografin, ein Sozialmanager und ein Volkswirt) fließen unterschiedliche Sichtweisen in das Projekt ein.
4. Teilfragen des Projekts werden in Lehrveranstaltungen behandelt. Dies führt zu mehr Output und gleichzeitig zu praxisorientierter Lehre.
5. Externe Netzwerke werden genutzt, um Analyseergebnisse zu hinterfragen und Spezialwissen intensiver zu nutzen.

Das Projekt wurde anschließend durch Katja Keggenhoff (NIERS) und Leif Lüpertz (SO.CON) vorgestellt. Sie unterteilten ihren Vortrag dabei in den Teil der Analyse der räumlichen Struktur und der Probleme der Viersener Südstadt, sowie der Durchführung der möglichen Verbesserungen vor Ort und in Zusammenarbeit mit den Beteiligten. Die Südstadt in Viersen ist von vielen Leerständen betroffen und verfolgt bisher kein einheitliches Konzept zur regionalen Positionierung des Stadtteils. Während der Arbeit vor Ort war die Integration der ansässigen Unternehmer (bspw. durch Unternehmerstammtisch, Gemeinschaftsprojekte) ein entscheidender Ansatz zur Positionierung. Dies konnte nur durch großen Einsatz und durch Mithilfe von engagierten Beteiligten angegangen werden. Die bisherigen Ergebnisse des Projektes legen nahe, die Viersener Südstadt als eine mit vielen Fachgeschäften durchsetzte Zone zu positionieren und diesen Weg vorerst weiter zu beschreiten. Dabei können verschiedene Umgestaltungsmaßnahmen (Verlegung des Wochenmarktes, Umgestaltung des Gereonplatzes) unterstützend wirken. Das Ziel des Projektes besteht darin, sich durch die angestoßenen Initiativen selbst überflüssig zu machen und den negativen Funktionswandel in der Südstadt abzumildern.

Zum Abschluss des Forums fand eine Podiumsdiskussion, geleitet von Dr. Ann Marie Krewer, statt. An dieser beteiligten sich Hedwig Drehsen, Referentin Städtenetz Soziale Stadt NRW, David R. Froessler, Agenturleiter Innovationsagentur Stadtumbau NRW, Andree Haack, Leiter des Geschäftsbereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung IHK Mittlerer Niederrhein, Iris Kater, Geschäftsführende Gesellschafterin Iris Kater Verlag & Medien, Karl Sasserath, Bezirksvorsteher Mönchengladbach Süd sowie Prof. Wermker teil. In der Diskussionsrunde wurde die Meinung vertreten, dass nur eine eindeutige und konsistente Perspektive verfolgt werden sollte. Ein Nebeneinander von etwa Gastronomie und Seniorenfreundlichkeit ist nur schwer durchzuführen. Dabei können aber auch völlig neue Wege beschritten werden, ein Festhalten an den vorhandenen Strukturen und ein Erhalt mit allen Mitteln sind eher sinnlos. Dazu müssen vor allem in den Köpfen der Beteiligten Veränderungen stattfinden. Die lokale Politik muss steuern, die Moderation müssen andere übernehmen. Eben diese Moderatoren müssen in der Region verankert sein und möglichst langfristig als Ansprechpartner dienen. Ebenso müssen die angestoßenen Projekte länger verfolgt werden als in den üblichen Laufzeiten von Stadtteilprojekten von zwei bis vier Jahren. Gefordert sind vor allem die Kommunen, die durch die Schaffung entsprechender Personalstellen eine Kontinuität in die Stadtteilarbeit bringen könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Notwendigkeit von Eigeninitiative der Beteiligten. Nur dadurch sind eine Unterstützung des Wandels und eine Identifikation der im Stadtteil lebenden und arbeitenden Menschen erreichbar. So wird auch die Nachhaltigkeit der Ausrichtung gestärkt. Im Anschluss an die Diskussion wurde aus dem Plenum die Frage nach der generellen Sinnhaftigkeit von Förderprojekten gestellt. Diese wurden trotz der beschränkten (geförderten) Laufzeit als sinnvoll charakterisiert, solange die Kommunen im Anschluss die angestoßenen Wege weiter verfolgen.