Soll ich promovieren?

Wenn Ihnen das Studium Spaß macht, Sie sehr gute Noten haben, Interesse und Freude am Forschen haben und weiterhin wissenschaftlich arbeiten möchten, bringen Sie gute Voraussetzungen mit, um zu promovieren.

Der Grad des Doktors dient dem Nachweis der Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit in einem Spezialgebiet, qualifiziert für wissenschaftliche universitäre und außeruniversitäre Berufsziele sowie zu eigenständiger Forschung. Wenn dies Ihr Ziel ist, sollten Sie eine Promotion in Erwägung ziehen.

 

Welche formalen Voraussetzungen muss ich für eine Promotion erfüllen?

Generell gilt, dass der FH-Master mit dem universitären Master gleichgestellt ist. Sie können mit einem Fachhochschulabschluss zur Promotion zugelassen werden. Alle Bundesländer geben im Hochschulgesetz die Gleichstellung von FH-Mastern mit universitären Mastern bei der Promotionszulassung vor. Die Bestimmungen über zusätzliche Eignungsfeststellungsprüfungen sind daher im Wesentlichen nur noch für Diplom-, in Einzelfällen auch für Bachelorabschlüsse von Fachhochschulen sowie v.a. für universitäre Bachelorabschlüsse relevant. Die Hochschulgesetze übertragen die Ausgestaltung aller Vorgaben im Detail den Promotionsordnungen der Universitäten. Ein Teil der formalen Kriterien wird durch die Promotionsordnung der Universität auf Fakultätsebene geregelt, die Zuständigkeiten liegen bei den Fakultäten. Daher kann keine allgemeingültige Aussage über Voraussetzungen getroffen werden. Sie müssen die FH-relevanten Teile daher der entsprechenden Promotionsordnung entnehmen.

 

Wie werde ich zu einer Promotion zugelassen?

Die meisten Fakultäten gestatten Fachhochschulabsolventen einen direkten Zugang zum Promotionsstudium, vorausgesetzt, dass sie ihre Qualifikation in einem Eignungsfeststellungsverfahren unter Beweis stellen.  Die Dauer des Qualifikationsverfahrens ist sehr unterschiedlich und kann bei bis zu vier oder sogar mehr Semestern liegen. In manchen Promotionsordnungen werden lediglich bestimmte Studienleistungen verlangt. Gängig sind folgende Nachweise:

Abschlusszeugnis des letzten Studienabschlusses und alle weiteren Unterlagen und Nachweise über vorhandene Qualifikationen. Die Abschlussarbeit des vorangegangenen Studiengangs muss mit sehr gutem Erfolg bestanden worden sein.

Ein externes Gutachten eines Professors/der Professorin der Hochschule des letzten Studienabschlusses, das bescheinigt, dass der Kandidat/die Kandidatin für eine Promotion geeignet ist.

Des Weiteren muss die Betreuungszusage eines Professors/einer Professorin aus dem Fachbereich vorgelegt werden.

Meistens entscheidet ein Promotionsausschuss der Fakultät über das Vorliegen der Voraussetzungen, über die Anrechnung von Studienleistungen sowie über die Ausnahmen von der Zulassungsvoraussetzung bei Vorliegen besonderer Gründe und eine Zulassung zur Promotion.

 

Was ist ein Exposé?

Im Regelfall verlangt der Betreuer oder die Betreuerin ein Exposé,  oft ist es Voraussetzung im Annahmeverfahren für die Annahme als Doktorand oder Doktorandin. Dieses wird begutachtet und ist Bestandteil der Zulassung. Im Wesentlichen enthält ein Exposé Angaben zum Betreuer bzw. zur Betreuerin, zur Fragestellung, zum Stand der Forschung zu dem gewählten Thema, zum methodischen Vorgehen der geplanten Untersuchung, einen Gliederungsentwurf, eine Literaturliste und einen Zeitplan. Genauere Absprachen, auch über den Umfang sollten immer mit dem Betreuer oder der Betreuerin getroffen werden.

 

Was ist eine kooperative Promotion?

Unter einer Kooperativen Promotion versteht man ein Verfahren, bei denen Universitäts- und Fachhochschulprofessoren gemeinsam als Gutachter/Gutachterinnen und Prüfer/Prüferinnen eingesetzt sind. Kooperative Promotionsverfahren dienen in der Regel, jedoch keineswegs ausschließlich der Promotion von Fachhochschul-Absolventinnen und –Absolventen. In der Regel bedeutet dies, dass Sie an der HN forschen und sowie hier und an der Universität betreut werden.

 

Wie finde ich einen Betreuer an der HN?

Recherchieren Sie am besten zuerst intern an der Hochschule Niederrhein. Welche Professorin oder welcher Professor eignet sich thematisch am ehesten als Ansprechpartner für Ihr gewünschtes Forschungsgebiet. Sinnvoll ist es, bestehende Betreuungsverhältnisse aus der Bachelor- oder Masterthesis auszubauen. Sprechen Sie den passenden Professor gezielt an und äußern Sie Ihren Promotionswunsch und stellen Sie Ihr Promotionsvorhaben und -thema vor. Klären Sie so direkt ab, ob Interesse an der Betreuung Ihres Forschungsvorhabens besteht.

 

Wie finde ich einen Betreuer auf der universitären Seite?

Die Suche nach einem universitären Betreuer kann sich unter Umständen als schwierig und langwierig erweisen. Nachteilig ist, dass er Sie und Ihre Studienleistungen nicht kennt. Daher ist es ratsam, hier den Weg über den Betreuer an der HN zu gehen und ihn um Rat und Unterstützung, zum Beispiel um eine Empfehlung zu fragen. Sinnvoll ist es hier, auf bestehende Kooperationen zum Beispiel aus Forschungsprojekten zurückzugreifen.  

Ein Großteil der Promovenden der Hochschule Niederrhein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem drittmittelfinanziertem Forschungsprojekt. Die meisten dieser Projekte sind Kooperations- oder Verbundprojekte zwischen der HN, weiteren Hochschulen, Universitäten und Partnern aus der Wirtschaft, das erleichtert somit auch die Suche nach einem universitären Betreuer.

 

Was muss ich mit meinen Betreuern abklären?

Mit dem Betreuer bzw. der Betreuerin sollten Vereinbarungen getroffen werden, die für beide Seiten eine gewisse Verbindlichkeit, Transparenz und Orientierung bieten.

Darüber hinaus sollten Absprachen über den Ablauf der Promotion, die Möglichkeit einer Einbindung in den Arbeitsbereich und die scientific community sowie die Karriereplanung bzw. Zielperspektiven des bzw. der Promovierenden getroffen werden. Als beispielhafte Checkliste können folgenden Fragen verstanden werden:

Wie gestaltet sich der Kontakt (per Email, Sprechstunde oder gesonderte Termine, etc.)?

In welchem Turnus sollen Treffen mit dem Betreuer oder der Betreuerin stattfinden?

Besteht die Möglichkeit, der Betreuerin oder dem Betreuer einzelne Kapitel vorab zum Lesen zu geben, um Rückmeldung zu erhalten? Wie lange im Voraus sollten diese eingereicht werden?

Besteht die Möglichkeit seitens der Betreuerin oder des Betreuers, Kontakte herzustellen, mit Personen, die für das Promotionsthema wertvolle Diskussionspartner sein könnten  (zu für das Promotionsthema interessanten?

KollegInnen/Institutionen/Forschungseinrichtungen) zu knüpfen?

Mit dem Betreuer der Universität sollten Sie zudem besprechen, in wie weit Ihre Anwesenheit erwartet wird. Welche Uni/Arbeitskreis-internen Veranstaltungen Sie besuchen müssen und sollten und ob eine Mitarbeit (Begleitung von Lehrveranstaltungen, usw.) obligatorisch ist.

 

Wie finanziere ich das Ganze?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Promotion zu finanzieren. Zum Beispiel über den Fachbereich oder die Hochschule als wissenschaftliche Hilfskraft, wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter, mit voller oder halber Stelle, über Lehraufträge oder Werk- und Projektverträge.

 

Sie sollten den Betreuer bzw. die Betreuerin direkt nach Möglichkeiten der Finanzierung befragen. Viele der Promovenden der Hochschule Niederrhein werden über Forschungsprojekte finanziert, über eingeworbene Drittmittel des Landes oder des Bundes. 

Zudem ist es möglich die Beantragung eines Promotionsstipendiums oder eines Forschungsstipendiums in Betracht zu ziehen. Bedeutender Vorteil eines solchen Stipendiums ist, dass Sie sich  während der meist zwei bis drei Jahre andauernden Laufzeit voll und ganz auf die Forschung konzentrieren zu können. Gute Übersichten über Stipendienmöglichkeiten finden Sie unter www.stipendiumplus.de und www.mystipendium.de.

 

Wie lange dauert eine Promotion?

In der Regel sollten Sie für eine Promotion drei bis vier Jahre einplanen. Für die Zeitplanung macht es einen erheblichen Unterschied, ob eine volle oder halbe Berufstätigkeit vorliegt, eine Stelle innerhalb oder außerhalb der Hochschule wahrgenommen wird, die Promotion über ein Stipendium oder ein Drittmittelprojekt finanziert wird oder familiäre Verpflichtungen vorliegen oder nicht. Eine Bearbeitungszeit von sechs Jahren sollte jedoch nicht überschritten werden. Wichtig ist, dass nach Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) wissenschaftliches und künstlerisches Personal ohne abgeschlossene Promotion nur bis zu 6 Jahren befristet beschäftigt werden kann.

Immer gilt jedoch: Ein gutes Zeit- und Projektmanagement und vor allem eine realistische und bearbeitbare Fragestellung sind das A und O für eine gelungene Promotionsphase!

 

Was ist das Promotionskolleg der HN?

Die Hochschule Niederrhein bietet ihren Promovierenden eine Plattform, über die wir Sie über promotionsübergreifende Aktivitäten und Seminare informieren. Die Anmeldung zum Promotionskolleg berechtigt Sie zu der Teilnahme an den Veranstaltungen und Seminaren, Workshops und Tagungen. Diese dienen als Qualifizierungsangebot für eine Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft. Zudem bieten wir finanzielle Unterstützung für die Teilnahme an Tagungen und Konferenzen und eine Kommunikationsplattform für den wissenschaftlichen Austausch.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.hs-niederrhein.de/forschung/promotionskolleg/

 

Weiterführende Links zum Thema

Hochschulkompass / Der Hochschulkompass bietet einen ersten Überblick über Möglichkeiten der Promotion in Deutschland.

THESIS / THESIS ist das deutschlandweite interdisziplinäre Netzwerk für Promovierende und Promovierte.

Rechtliches

Häufig gestellte Fragen zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz

Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (HGNRW)

Änderungen des Hochschulgesetzes des Landes NRW (pdf, 202 KB) Änderungen des Hochschulgesetzes des Landes NRW

 

Veröffentlichungen

Ungewöhnliche Wege zur Promotion? Rahmenbedingungen und Praxis der Promotion von Fachhochschul- und Bachelor-Absolventen
Die Veröffentlichung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) stellt die Rahmenbedingungen (Rechts- und Beschlusslage) der Promotionsverfahren für Fachhochschul- und Bachelor-Absolventen dar und präsentiert die Ergebnisse einer Umfrage der HRK unter den promotionsberechtigten Fakultäten und Fachbereichen deutscher Hochschulen. 

 

Promotion von Fachhochschulabsolventen in NRW
Die Publikation des Projekts "Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW" umfasst eine umfangreiche Sammlung von Informationen und Hilfestellungen rund um eine Promotion von Fachhochschulabsolventen und bietet einen Gesamtüberblick über die verschiedenen Möglichkeiten mit konkreten Tipps für Promotionsinteressenten von Fachhochschulen. / ISBN 978-3-9812459-1-2

 

Promotionsführer für Fachhochschulabsolventen
Möglichkeiten und Zulassungsverfahren für eine Promotion an mehr als 70 deutschen Universitäten mit Hinweisen für Absolventen von Masterstudiengängen sowie Berufsakademien und zur Promotion im Ausland. / Autor: Dr. Ansgar Keller / ISBN 978-3-7983-2228-8