01.02.2010

Die lachende Mikrobe – Studentin der Hochschule Niederrhein entwickelt Hygieneschulung für Küchen-Mitarbeiter mit schlechten Deutschkenntnissen

In einem der Comics sieht man ein Bakterium lachen, weil es vor einem Desinfektionsmittel geschützt wird, in einem anderen reitet eine Mikrobe wie ein Cowboy auf einer Ratte. Die lustigen Zeichnungen gehören zu einem neuartigen Hygiene-Schulungs-Konzept für Mitarbeiter in Großküchen, deren Deutschkenntnisse unzureichend sind. Weil die Schulung weitgehend ohne Text auskommt, wird sie verstanden und wirkt motivierend. Entwickelt hat das Konzept die 23jährige Nadja Stiefelhagen, die damit bei Professor Dr. Volker Peinelt nicht nur ihr Oecotrophologie-Studium an der Hochschule Niederrhein abschloss, sondern auch eine hohe Auszeichnung errang: den Axel-Bohl-Preis 2010. Er wurde ihr jetzt in Berlin von der Parlamentarischen Staatssekretärin Julia Klöckner überreicht.

 

Der Axel-Bohl-Preis ist eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen der Gemeinschaftsgastronomie. Er wird vom Deutschen Institut für Gemeinschaftsverpflegung (DIG) vergeben und geht, seit er 2004 erstmals ausgelobt wurde, regelmäßig an Studentinnen und Studenten der Hochschule Niederrhein – eine Anerkennung ohnegleichen in der deutschen Hochschullandschaft. Ausgezeichnet werden Arbeiten, so DIG-Präsident Martin Straubinger, die der Branche neue Ideen und Impulse vermitteln.

 

Dafür ist die Diplomarbeit der diesjährigen Preisträgerin ein glänzendes Beispiel. Denn Nadja Stiefelhagen schlägt mit ihrem Schulungskonzept zwei Fliegen mit einer Klappe: sie steigert die Verständlichkeit von Hygieneplänen bei Mitarbeitern mit schlechten Deutschkenntnissen, was in der Folge die Motivation erhöht, diese in der betrieblichen Praxis dann auch tatsächlich einzuhalten. Das gelingt der ebenso kreativen wie künstlerisch begabten Hygienefachfrau durch den weitgehenden Verzicht auf Text, der viele überfordert. Sie ersetzt ihn durch selbsterklärende Zeichnungen, die alle von ihr entworfen und zu Papier gebracht wurden. Durch die konsequente Verwendung gleicher Symbole für bestimmte Begriffe entsteht ein hoher Wiedererkennungswert. Die Handlung ist logisch aufgebaut, wodurch die Aussagen auch ohne Text sehr eingängig und nachvollziehbar vermittelt werden. Die zum Schmunzeln animierenden, humorvollen Darstellungen erhöhen zusätzlich den Lerneffekt. „Wer mit Freude lernt, lernt besser. Dieser Lernerfolg kommt letztlich der Qualität der Speisen und damit den Gästen zugute“, hebt Professor Peinelt hervor. „In Häusern mit dieser Schulungskultur bleibt es beim genussvollen Essen - ganz ohne Reue“.

 

Mit dem Axel-Bohl-Preis für ihr neuartiges, auf selbsterklärenden Zeichnungen basierendes Hygiene-Schulungskonzept ausgezeichnet wurde Nadja Stiefelhagen


Autor: Rudolf Haupt