20.12.2016

Digitale Tools statt Klausuren: Professor erhält 50.000 Euro für Innovationen in der digitalen Lehre

 

Krefeld, 20. Dezember. Ein Professor will die Klausuren abschaffen – und erhält dafür 50.000 Euro. Prof. Dr. Marc Gennat vom Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule Niederrhein war im Rahmen des vom Wissenschaftsministerium NRW und Stifterverband ausgeschriebenen Programms „Innovationen in der digitalen Hochschullehre“ mit seinem Antrag erfolgreich. Er erhält zum 1. Januar 2017 eine individuelle, personengebundene Förderung (Fellowship) für Innovationen in der Hochschullehre, die mit bis zu 50.000 Euro dotiert ist.

 

Der 42-Jährige Professor für Automatisierungstechnik am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule Niederrhein sagt: „Nach zwei Jahren in der Lehre wachsen meine Zweifel, ob im 21. Jahrhundert, das nur so von rückgekoppelten Systemen wimmelt, die Klausur weiterhin das beste Prüfungsinstrument ist. Können die Studierenden die knappen Zeitressourcen nicht effektiver für ihren Kompetenzaufbau nutzen als durch mehr oder weniger stupides Übungsaufgabenrechnen für die Klausur?“

 

Die Idee, die Gennat hat, soll im Laufe des Jahres konkretisiert werden. Dabei geht es um eine Lösung, bei der Studierende mit Hilfe digitaler Tools regeltechnische Aufgaben bewältigen sollen „Das ist näher an der Praxis, die sie später im Berufsalltag erleben und stärkt somit die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden“, sagt Gennat.

 

Tatsächlich sind die Klausuren in dem ansonsten praxisnahen und anwendungsorientierten Ingenieur-Studium ein Teil der Ausbildung, der oft gar nichts mit einer realistischen Anwendungssituation zu tun hat. „Die Studierenden organisieren sich Probeklausuren und lernen gezielt auf die Klausur hin – aber sie lernen nicht, ihr Wissen praxisnah anzuwenden“, sagt Gennat. Auf diese Weise eigneten sich die Studierenden Wissen an, das oftmals keine berufliche Relevanz habe.

 

Der Professor möchte das Fellowship nutzen, um im Bereich der Regelungstechnik diesen Umstand zu ändern. Dabei muss er darauf achten, dass die Kompetenzen der Studierenden dennoch vergleichbar abgefragt werden können. „Plagiate müssen entdeckt werden, individuelle Leistungen – auch wenn sie in der Gruppe erfolgt sind – erkannt werden“, sagt Gennat.

 

Marc Gennat ist NRW-weit einer von 46 Professorinnen und Professoren, die die individuelle Förderung erhalten.

 

Pressekontakt: Dr. Christian Sonntag, Referat Hochschulkommunikation der Hochschule Niederrhein, Tel.: 02151 822-3610; E-Mail: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Prof. Dr. Marc Gennat


Autor: Christian Sonntag