01.12.2017

Handels-Experte: „Wer zu früh kauft, den bestraft das bessere Sonderangebot“

 

Mönchengladbach, 1. Dezember. Die Händler in der Region bereiten sich auf die wichtigste Zeit des Jahres vor – das Weihnachtsgeschäft. Die  Kunden fragen sich, wann der beste Zeitpunkt zum Shoppen ist und ob man günstiger online oder stationär einkauft. Wir haben dazu Handels-Experten Professor Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein befragt.

 

Sollte ich meine Geschenke besser früh oder spät kaufen?

 

Heinemann: Bloß nicht zu früh, denn wer zu früh kauft, den bestraft das bessere Sonderangebot. Nur weil Prospekte und Werbebanner einen Tiefpreis suggerieren, bedeutet es nicht, dass es zu einem späteren Zeitpunkt nicht noch ein günstigeres Angebot gibt.

 

Lohnen sich Rabattaktionen?

 

Heinemann: Die besten Schnäppchen werden außerhalb von Rabattaktionen gemacht, denn letztere folgen immer dem Gesetz des Herdentriebs. Rabattaktionen erzeugen mit ihren dominanten Botschaften den Eindruck eines nicht mehr zu unterbietenden Preises. Dadurch glauben viele Menschen mit dem Kauf des Angebotes ein Schnäppchen zu machen. Der Herdentrieb entsteht: Wir orientieren uns am Verhalten der anderen Menschen, da wir davon ausgehen, dass die Masse sich nicht irren kann. Anstatt dieser Masse zu folgen, sollten Sie vorher den Angebotspreis mit anderen Anbietern vergleichen.

 

Wer macht die besseren Preise: Online- oder stationärer Einzelhandel?

 

Heinemann: Häufig die großen Marktplätze Amazon und eBay sowie die Preisvergleicher a la Idealo. Große Plattformen sind mittlerweile erster Anlaufpunkt für Kunden, auch für stationäre Käufer. Im Laden kann man zunehmend aber auch nachverhandeln. Deswegen ist Online nicht immer günstiger.

 

Gutschein oder Produkt?

 

Heinemann: Produkte sind immer besser als Gutscheine, denn letztere verleiten zu irrationalen Käufen. Und: Ganz viele Gutscheine werden niemals eingelöst und beglücken also nur die Händler. Irrational sind solche Käufe, die unüberlegt, aus einem Impuls heraus geschehen. Man sieht ein Produkt und kauft es, ohne darüber nachzudenken, ob man den Artikel tatsächlich benötigt. Noch dazu sind Produkte wesentlich persönlichere Geschenke als Gutscheine.

 

Prof. Dr. Gerrit Heinemann lehrt seit 2005 am Fachbereich Textil und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein BWL, Managementlehre und Handel. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Praxiserfahrung im Handel, war Geschäftsführer in der Douglas-Gruppe und bei Kaufhof/Metro. Er ist Autor von über 200 Fachbeiträgen und 16 Fachbüchern zu den Themen Digitalisierung, E-Commerce, Online- und Multi-Channel-Handel. Seit 2010 leitet er zusammen mit den Professoren Dr. Michael Schleusener und Dr. Silvia Zaharia das eWeb Research Center.

 

Pressekontakt: Simon Sperl, Referat Hochschulkommunikation der Hochschule Niederrhein: Tel.: 02151 822 2938; E-Mail: simon.sperl@hs-niederrhein.de

Prof. Dr. Gerrit Heinemann


Autor: Simon Sperl