27.01.2005

Soziale Arbeit in Deutschland verliert eine Leitfigur

Es wird berichtet, dass sich an anderen Hochschulen Studenten der Sozialarbeit vor Konferenzräumen aufstellten, um wenigstens einmal „den berühmten Professor Klüsche“ aus Mönchengladbach zu sehen. Und tatsächlich genießt der Dekan des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Niederrhein, der gestern Abend in Anwesenheit zahlreicher Gäste in Mönchengladbach in den Ruhestand verabschiedet wurde, in Fachkreisen bundesweit Popularität und Wertschätzung. Er gilt als einer der namhaftesten Experten für das Studium und die Berufsfelder der Sozialarbeit und -pädagogik in Deutschland.

 

Mit knapp 33 Jahren wurde Dr. Wilhelm Klüsche 1972 als Professor für Klinische Psychologie an die Hochschule Niederrhein berufen. Mehr als 20 Jahre war er Dekan des Fachbereichs Sozialwesen. Seine Kollegen und seinen Nachfolger Prof. Dr. Franz-Christian Schubert beeindruckten seine „schier unermüdliche Einsatzbereitschaft und erstaunlichen Energien“. Für Rektor Prof. Dr. Hermann Ostendorf ist der begeisterte Fußballer Klüsche „der geborene Spielmacher und Kapitän“, der seine Ziele mit vollem Einsatz verfolgte. Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude, Doppelpasspartner des Dekans beim Fußball, sieht ihn als „wirklichen Macher“ und „Leitfigur der Sozialen Arbeit für Mönchengladbach“.

 

„Resignation ist der Egoismus der Schwachen“ heißt die zu Ehren des Dekans herausgegebene Festschrift. Wilhelm Klüsche hatte immer Ziele vor Augen. Eines war die Studienreform. Der Mönchengladbacher Modellstudiengang Sozialwesen wurde vielerorts zum Leitfaden für Um- und Neustrukturierungen. Als einer der ersten erkannte Klüsche Mitte der achtziger Jahre die Bedeutung und Notwendigkeit einer wirtschaftlich orientierten Denk- und Handlungsweise und entwickelte mit Fachbereichskollegen zwei Studiengänge für Sozialmanagement – für Anfänger und berufsbegleitend für Praktiker. Maßgeblich war er an der Theorie- und Wissenschaftsentwicklung der Sozialen Arbeit in Deutschland beteiligt, die er nach außen engagiert vertrat und notfalls auch vehement verteidigte. Seine zahlreichen Aufsätze verdichten sich über den langen Zeitraum quasi selbst zu einer Theorie der Sozialen Arbeit.

 

In ebenso humorvollen wie nachdenklichen Abschiedsworten reflektierte der Dekan am Ende der fast vierstündigen Feier einzelne Stationen seiner langen Karriere. Dass er über sich selbst schmunzeln kann, beweisen diese Sätze: „Am 1. März endet definitiv die letzte Feudalherrschaft am Niederrhein – bis dahin wird aber noch entschieden, was entschieden werden muss“. Den „Kampf um das Richtige“ (Klüsche) will er auch im Ruhestand fortsetzen – dann aber bei der Erziehung der Enkel.

 

Gross war die Zahl der Gäste, die sich von dem verdienten Hochschullehrer und Dekan persönlich verabschiedeten


Autor: Rudolf Haupt