27.11.2007

Textilkultur in Krefeld - Gestalterische Lehre von 1932 bis in die Gegenwart

Es gibt eine gestalterische Linie, die direkt vom Bauhaus in Weimar und später Dessau über die Flächenkunstschule und Textilingenieurschule in Krefeld in die Abteilung für Textildesign der Hochschule Niederrhein führt. Diese personelle und gestalterische Kontinuität in der Lehre dokumentiert eindrucksvoll die Ausstellung „Textilkultur in Krefeld“, die noch bis zum 8. Februar im Foyer und den Fluren des Fachbereichs Design am Frankenring 20 in Krefeld gezeigt wird. Den Rahmen bietet der „Niederrhein-Herbst 2007“ mit dem Thema „Stoffwechsel“.

 

Von Tüchern mit Mustern, die Fotos von den Olympischen Spielen 1936 verwenden, bis zu farbenfrohen Kimonos, auf denen die Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven bei der Musterung Pate stand, liegen von der Entstehungsgeschichte 70 Jahre, bei der gestalterischen Idee und bei der Präsentation aber nur wenige Schritte. „Erziehung zum Geschmack“ nannte Johannes Itten seine Lehre, die er von 1932 bis 1938 an der neu gegründeten Fachschule für textile Flächenkunst, einer Abteilung der Krefelder Webeschule, vertrat. Er stand damit in der Nachfolge des Bauhauses, wo er schon von 1919 bis 1923 in Weimar als Meister gewirkt hatte. Neu war, dass die Entwerfer der Textilindustrie neben den gewerblichen Grundlagen eine künstlerische Ausbildung erhielten. Itten führte das Lichtbild als neues Arbeitsmittel für die textile Flächengestaltung ein. Mit verschiedenen Ausschnitten und immer neuen Variationen eines einzelnen Motivs konnten – die heutigen Möglichkeiten der computerunterstützten Techniken vorwegnehmend – unzählige Muster als Vorlage für Stoffe erarbeitet werden.

 

Georg Muche, wie Itten Bauhausmeister, trat 1939 dessen Nachfolge an, als Gründer und Leiter der Meisterklasse für Textilkunst der Höheren Fachschule für Textilindustrie, die nach 1945 in Textilingenieurschule umbenannt wurde, vielen noch als „TIS“ bekannt. 1958 wurde Elisabeth Kadow seine Nachfolgerin.

 

Ittens Lehre wird in der Ausstellung an ausgewählten Beispielen verdeutlicht und mit modernen Mitteln anschaulich gemacht. Auf großen Fahnen gedruckt erhalten die von seinen Schülern entworfenen Muster eine erstaunliche Präsenz.

 

Originalentwürfe, Jacquardgewebe und Druckstoffe aus den Meisterklassen bis 1971 und aus Annette Pöllmanns Klasse für Druckgestaltung zeigen den Weg vom Entwurf zur Realisation. Dabei ist es amüsant, dem Wechsel der Stile zu folgen, unverkennbar die verspielten „fünfziger Jahre“ oder die farbenfrohen und plakativen „Sechziger“.

 

Die Studierenden von heute im Fachbereich Design, Produktdesign Textil bei Professorin Angelika Rösner, greifen die Anregungen aus Ittens Lehre auf und präsentieren photographisch und computertechnisch unterstützte Entwürfe für Dekorationsstoffe, Tücher und seidene Kimonos. Der heutige Unterricht der Farbgestaltung stellt sich in einem Ausschnitt dar – mit aus der Fotografie entwickelten Farbabläufen und konfrontiert mit Ittens Farbenlehre.

 

Die Ausstellung will zeigen, wie moderne Technologien und Tradition über vierzig Jahre miteinander verbunden wurden und, nimmt man die Gegenwart hinzu, aus 75 Jahren textilgestalterischer Ausbildung in Krefeld.

 

Unterstützt wird das Projekt vom Land Nordrhein Westfalen und den Krefelder Unternehmen A. Berger GmbH & Co.KG, Gustav Schüssler Textilwarenfabrik GmbH & Co KG und Digitex, ein Unternehmensbereich der Seidenwebereien Güsken GmbH & Co KG

 

Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der gefördert wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein Westfalen, den Stadtwerken Krefeld und der Sparkasse Kulturstiftung Krefeld, Hauser Gruppe, Tölke Holding GmbH & Co.KG sowie der Hochschule Niederrhein. Der Katalog ist ein Gemeinschaftswerk des Vereins Kunst und Krefeld e.V., des Hauses der Seidenkultur und des Fachbereichs Design der Hochschule Niederrhein.

 

 

 

Der Bauhausmeister Johannes Itten begründete die Tradition der Farbe in der gestalterischen Lehre in Krefeld sowie in der fotografischen Musterentwicklung. Neben einem seiner Tücher (v.r.) Monika Hückelhoven, erste Assistentin Elisabeth Kadows, Professorin Angelika Rösner sowie Textil-Design-Studentinnen. Ittens gestalterischem Vorbild folgen heute junge Studierende wie Christina Krämer beim Entwurf von Seidenkimonos (Fotos: Lammertz)


Autor: Rudolf Haupt