09.02.2010

Wirtschaftspsychologen auf Innovationskurs an der Hochschule Niederrhein

Der Süßwarenversandhändler ist stolz auf die Präsentation seiner Waren im Internet. Sie sollen den Besuchern sofort ins Auge fallen und möglichst umgehend einen Kaufimpuls auslösen. Doch die Rechnung geht nicht auf, wenn die potenziellen Naschkatzen sich auf der Website nicht zurechtfinden. Damit der Webauftritt möglichst kundenfreundlich gestaltet werden kann, wurde Dr. Sandra Laumen beauftragt, dies mittels Eyetracking zu untersuchen – einem Verfahren, das die Blickbewegung verfolgt und aufzeichnet. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Effizienz (A.U.G.E.) der Hochschule Niederrhein (HN) sucht nach Verbesserungen der Mediengestaltung. Ihr Vorgehen mittels Eyetracking hat sie jetzt angewandten Wirtschaftspsychologen in der Hochschule Niederrhein vorgestellt.

 

Die Experten waren auf Einladung des Präsidenten der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie (GWPs), Prof. Dr. Lutz Packebusch, zu einem Innovations-Workshop an die Hochschule nach Krefeld gekommen. Eröffnet wurde er von Prof. Dr. Hans-Hennig von Grünberg, zukünftiger Präsident der HN, der die Wichtigkeit von Forschung und des Gedankenaustausches sowie der Verknüpfung mit der Hochschullehre betonte.

 

Professor Dr. Lutz Packebusch, der Leiter des A.U.G.E. Instituts und des IAP-Instituts an der Hochschule Niederrhein, berichtete, wie er mit niederländischen Forschern zur Verbesserung des Innovationsklimas in kleinen und mittelgroßen Unternehmen des Elektrohandwerks, der Elektroindustrie und für technische Dienstleistungen beitragen konnte. Dabei ging es nicht nur um technische Neuentwicklungen, sondern um soziale und Prozessinnovationen, die dem Unternehmen als Ganzem zugute kommen. Bei einem Handwerker etwa wurde durch ein neu eingeführtes Wissensmanagementsystem erreicht, dass alle Kundendienstmitarbeiter fortan bei Reparaturen vor Ort auf ihrem PC alle relevanten Informationen abrufen können. Bei einem technischen Dienstleister, der Gebrauchsanweisungen für Kampfpanzer, Flugzeuge und Helikopter herausgibt, wurden die Handbücher auf ihre Verständlichkeit für die Nutzer hin überprüft und optimiert. „Innovation für das Unternehmen ist es, wenn seine Handbücher besser sind als die vorher existierenden“, erklärte Professor Packebusch. Durch Coaching, neue Strukturen und Strategien sowie die Gestaltung der „Unternehmenskultur“ wurde in allen Betrieben das Innovationsklima signifikant gesteigert.

 

Auch in Krefeld diskutiert: Innovationen in der Personalarbeit, positiver Psychologie und Gestaltung von Organisationskultur. Wie wichtig es ist, dass sich verschiedene Abteilungen ein und desselben Unternehmens im Sinne eines gemeinsamen Erfolgs abstimmen, machte Privatdozent Dr. Martin Beckenkamp vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern am Beispiel eines Telefonanbieters deutlich: Während die Verkäufer ihre technologisch fortgeschrittenen Geräte besonders gern und oft bei älteren Menschen absetzten, brachte das der Serviceabteilung wegen der Reklamationen und Rückfragen besonderen Verdruss ein. Durch eine gemeinsame Abstimmung hätte man eine Win-Win-Lösung für beide Abteilungen und somit für das gesamte Unternehmen erreichen können. Aufgrund der Instabilität solcher Lösungen benötige es eine Unternehmenskultur, die Vertrauen schafft, dabei aber angemessene Kontrollmöglichkeiten zulässt. In Abwandlung des Lenin-Zitats „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ stellte der Psychologe zum Fehlermanagement fest: „Es gibt auch Vertrauen durch Kontrolle!“

 

 



Autor: Rudolf Haupt/ Marten Mey