08.02.2010

Wüstehubes Erben – Hochschule Niederrhein würdigte Verdienste des Gründungsdirektors der SIS Krefeld

„Die Studenten streiken“, „Die Studenten streiken weiter“ – wer diese Faksimiles von Zeitungsartikeln am Freitagabend auf einer Stellwand vor dem Krefelder Audimax der Hochschule Niederrhein sah, fühlte sich sofort an den „Bildungsstreik“ kurz vor Weihnachten erinnert. Ging es in den Presseausschnitten auch nicht um Nachbesserungen der Bachelor- und Masterstudiengänge, so doch auch um ein Problem im Zuge der europäischen Harmonisierung: die Anerkennung des Ingenieurabschlusses in der EG, ein Problem, das beim Abschluss der Römischen Verträge ungelöst geblieben war. Die Studenten, die dafür im Sommersemester 1969 in Krefeld auf die Straße gegangen waren, waren 41 Jahre danach wieder vor Ort. Und auch ein zweiter Teil der Geschichte der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen (SIS) Krefeld wurde jetzt wieder lebendig: Jener zwischen 1958 und 1965, der mit dem segensreichen Wirken von Dr.-Ing. Ernst Wüstehube verbunden war, des von vielen bis heute verehrten charismatischen Gründungsdirektors.

 

An die Verdienste Dr. Wüstehubes und die Entwicklung der Ingenieurschule erinnerten die beiden Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik sowie Maschinenbau und Verfahrenstechnik vor rund 200 Ehemaligen, die sich im Audimax auf dem Campus Süd eingefunden hatten. Es bedurfte nicht der Erinnerung an den 1969er Streik, um wie bei der Ansprache von Dekan Prof. Dr. Rolf Schloms zu der Einsicht zu gelangen: „Wie erleben heute ähnliche Geschichten wie früher, das Leben früherer Studenten- und Dozenten-Generationen ist mit unserem verknüpft. Die Grundsteine des heute Positivem wurden vor langer Zeit gelegt. Wir können heute nur erfolgreich sein, weil die Grundrichtung damals stimmte“. Das belegte er mit vielen Beispielen, wie der Öffnung für ausländische Studierende, die später zur Einrichtung eines Ausländer-Studienkollegs führte oder der Dualen Ausbildung, die in den achtziger Jahren als „Krefelder Modell“ bundesweite Nachahmung fand und heute zur Gründung neuer Fachhochschulen in NRW führt.

 

Dies sei nicht zuletzt der Tatkraft und dem Weitblick des Gründungsdirektors Dr. Wüstehube zu verdanken, so Professor Schloms. Mit 59 Jahren habe er, damals Dozent an der Ingenieurschule Wuppertal, die Aufgabe der Gründung übernommen, wobei zwischen Ernennung und Unterrichtsbeginn nur vier Wochen Zeit blieben. Die bis zum Bezug eines Neubaus auf mehrere Notquartiere verteilte SIS avancierte laut einem Erlass der Landesregierung zum „erfolgreichsten Provisorium NRWs“.

 

 

 

 

Enthüllten eine Gedenktafel für den Gründungsdirektor: die Dekane Rolf Schloms (l.) und Georg Schulte


Autor: Rudolf Haupt