Ringvorlesung - Wintersemester 2015/16

Liebe und Lust ohne Alters­grenzen –
Sexualität im Alter

Wann:

Donnerstags, 14.15 – 15.45 Uhr

Start: 22.10.2015

 

Wo:

Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen

Webschulstr. 39 / Ecke Richard-Wagner-Str. 101

41065 Mönchengladbach

Gebäude S, Raum S 301

 

Öffentliche Veranstaltung / Kosten:

Alle GasthörerInnen, StudentInnen, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen der Hochschule Niederrhein sind ebenso herzlich eingeladen wie die interessierte Öffentlichkeit und FachpraktikerInnen aus einschlägigen Berufsfeldern und Institutionen.

Für eingeschriebene GasthörerInnen und StudentInnen sowie Angehörige der Hochschule ist die Ringvorlesung kostenfrei.Gäste zahlen 5,- Euro pro Vortrag oder 25,- Euro für alle Vorträge. Gäste ziehen bitte vor Beginn der Veranstaltung am Kassenautomaten (Infopoint oder Bibliothek) ein Ticket.

 



Liebe und Lust ohne Alters­grenzen –
Sexualität im Alter

 

Vorbei sind die Zeiten, in denen es als unanständig galt, über Lust und Erotik, sexuelles Verlangen zu sprechen – in unserer aufgeklärten Gesellschaft ist das möglich!? Sexualität im Alter hingegen scheint in unserer auf ewige Jugend und Schönheit ausgerichteten Gesellschaft ein eher tabuisiertes Thema zu sein, insbesondere mit Blick auf das Sexualleben älterer Frauen.

 

Jugendliche können oder wollen sich nicht vorstellen, dass ihre Eltern oder Großeltern noch Sex miteinander haben.
Im Zuge des demografischen Wandels und der Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung rückt die Thematik mehr in den Fokus, meist aber eher in Bezug auf die sexuelle Funktionsfähigkeit des Körpers.

 

Was wissen wir über das sexuelle Interesse, die sexuelle Aktivität, die sexuelle Zufriedenheit in der zweiten Lebenshälfte? Was stellen wir uns überhaupt unter dem Begriff Sexualität vor? Inwieweit trägt eine sexuelle Zufriedenheit zur Gesunderhaltung des Menschen bei? Welchen Einfluss hat die Paarbeziehung bzw. der Wandel der Formen der Partnerschaft auf eine Sexualität im Alter? Werden Menschen, die in Institutionen auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, zu asexuellen Wesen? Letztendlich bleibt auch die Frage zu klären, ob Alter überhaupt einen Einfluss hat auf die Sexualität von hetero- aber auch homosexuellen Frauen und Männern oder handelt es sich eher um Wirklichkeitskonstruk­tionen einer Gesellschaft, die auf immerwährende Leistungsfähigkeit und Jugendlichkeit fixiert ist?

 

Wir werden versuchen, Antworten auf die aufgeworfenen Fragestellungen zu finden. Physische, psychische, soziale, gesellschaftliche Aspekte von Liebe, Partnerschaft und Sexualität im Alter werden vorgestellt und diskutiert.



PROGRAMM

Alle Vorträge finden donnerstags von 14.15 bis 15.45 in Raum S 3041 statt. Die Ringvorlesung wird moderiert von Frau Dipl-Geront. Sigrid Verleysdonk-Simons.

 


Do, 22.10.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Alter und Sexualität. Ein thematischer Überblick

Sigrid Verleysdonk-Simons, Dipl.-Geront, Dipl.-Soz.Arb., Geschäftsführerin des Kompetenz­zentrums
Ressourcenorientierte Alter(n)s-forschung – REAL, Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen

 

Wirft man eine gerontologische Perspektive auf das Thema ist zunächst zu klären, wann ist der Mensch überhaupt alt und inwieweit ist Alter ein Faktor, der einen Einfluss auf die Sexualität nimmt. Was meinen wir, wenn wir von Sexualität sprechen? Ist der Begriff „Alterssexualität“ eher ein gesellschaftliches Kon­strukt und gehört als solcher abgeschafft? Welchen Einfluss haben biografische, epochale Prägungen auf eine Sexu­alität im Alter? Der Vortrag gibt eine Einführung in die Thematik Alter und Sexualität und einen Überblick über die Themenstellungen im Rahmen der multidisziplinären Ringvorlesung.

 


Do, 29.10.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Klarer Himmel statt Wolke 9 – Sexualität im Alter

Jürgen Heintzenberg, Sexualpädagoge, pro familia Krefeld und Mönchengladbach

 

Sexuelle Erlebnisse alter Menschen müssen nicht etwas mit Bewölkung, Verschleierung oder Heimlichkeit zu tun haben. Sexua­lität als Lebensenergie ist allen Menschen eigen. Sie selbst entscheiden, wie sie damit umgehen. Dazu sind auch alte Menschen in bestimmten Fällen auf Informationen angewiesen, die Klarheit schaffen.

  • Körperliche Veränderungen im Alter können das sexuelle Leben und Erleben beeinflussen. Wie kann ich darauf reagieren? 
  • Wie verschieden und vielfältig ist Sexualität? 
  • Wie gehe ich mit sexuellen Wünschen um, wenn ich oder mein/e Partner/in gepflegt werden muss? 
  • Wo kann ich Unterstützung zu sexuellen Themen erhalten?

 


Do, 05.11.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Andreas Dresens „Wolke 9“ – ein „wahr­haftiger“ Film von der Sexualität im Alter?

Dr. Thomas Küpper, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Germanistik II

 

Als der Spielfilm „Wolke 9“ im Jahr 2008 in den Kinos anläuft, gilt er als skandalös: Die Darstellung von Sexualität im Alter wird als etwas Neues, in den Massenmedien Unerhörtes diskutiert. Der Regisseur Andreas Dresen lässt bereits die erste Liebesszene des Films im hellen Licht spielen, damit „das nichts Verstecktes bekommt, sondern ganz offen, sonnig und klar ist“, wie er erklärt. Mit dieser Ästhetik beansprucht Dresen „Wahrhaftigkeit“: Die Sexualität von „natürlich“ gealterten Körpern soll unverstellt gezeigt werden. Der Vortrag stellt diesen Anspruch des Films zur Diskussion.

 


Do, 12.11.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Zwischen Ekel und Erregung – Sexualität im Pflegeheim

Erich Schützendorf, Dipl.- Pädagoge, Experte für Altersfragen und Altenpflege, Autor

 

Auch pflegebedürftige alte Menschen sind sexuelle Wesen. Allerdings bleiben ihre Bedürfnisse und Vorlieben in Einrichtungen der Altenpflege nicht verborgen. Die MitarbeiterInnen werden unfreiwillig zu Zeugen oder bisweilen auch in die Sexualität der BewohnerInnen einbezogen. Wie können sich die MitarbeiterInnen abgrenzen, aber zugleich auch der Sexualität der Bewoh­nerInnen Raum geben?

 


Do, 19.11.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Sexualität bei Frauen im Alter

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Mechthild Neises, Professorin der Medizinischen Hochschule Hannover, Psychotherapeutische Praxis Aachen/Hergenrath

 

Die Veränderung der sexuellen Akti­vität ist abhängig vom Alter und von der Partnerschaft. Dabei spielt eine we­sentliche Rolle, ob die ältere Frau in einer Partnerschaft lebt und wie zufrieden sie mit der Partnerschaft ist. Die sexuelle Zu­friedenheit wird wesentlich mitbestimmt von der eigenen Gesundheit und der Zufriedenheit damit, die wiederum ist relevant für die Zufriedenheit mit der Partner­schaft. Eine hohe Zufriedenheit sowohl mit der Partnerschaft als auch mit ih­rer Sexualität zeigen die Frauen, die die Fähigkeit haben, über ihre eigenen Bedürfnisse zu sprechen und dabei gleichzeitig auf die emotionalen Bedürf­nisse ihrer Partner adäquat einzugehen. Zu diesem Thema werden sowohl Studienergebnisse als auch Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Arbeit vorgestellt.

 


Do, 03.12.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Paarbeziehungen und Paartherapie im Alter

Dr. Iris Schubert, Dipl.-Soz.Päd., Dipl.-Sozial­geront., systemische Paar-, Familien- und Trauma-Therapeutin (DGSF), Klinische Suppor­tiv­therapeutin zur Krankheitsverar­beitung
Prof. Dr. Franz-Christian Schubert, Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen, Dipl.-Psych., approbierter Psychotherapeut

 

Mit zunehmendem Alter stehen Paarbeziehungen vor neuen Herausforderungen. Eine davon ist, das gemeinsame Älterwerden in die Beziehung aufzunehmen. Neben Verständnis füreinander spielt der Erhalt gemeinsamer Werte wie Vertrauen und Geborgenheit, Zärtlichkeit und Sexualität eine zentrale Rolle. Eine erfüllte Beziehung wirkt nicht nur menschlich, sondern auch gesundheitlich stabilisierend. Darüber sind sich Paare zunehmend bewusst und fragen auch im Alter vermehrt nach therapeutischer Unterstützung.
Der Vortrag befasst sich mit den existenziellen Fragen und Konflikten aus dem Spektrum der Beziehungen bei älteren Paaren und mit Ausblicken auf eine lebenswerte Beziehung. Die Referenten beziehen sich dabei auf Forschungsergebnisse und auf Erfahrungen aus ihrer gemeinsamen Arbeit in der Paartherapie.

 


Do, 17.12.2015 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Sexualität im Alter aus Sicht des Mediziners

für Urologie, Krankenhaus St. Franziskus Mönchengladbach, Arzt für Urologie, Andrologie, medikamentöse Tumortherapie und spezielle urologische Chirurgie

 

Störungen der weiblichen Sexualität, Störungen der männ­lichen Sexualität, was ist wirklich wahr? 


Do, 07.01.2016 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Die Qualität der entspannten Alterserotik

Erich Schützendorf, Dipl.- Pädagoge, Experte für Altersfragen und Altenpflege, Autor

 

Der Referent versucht seit seiner Pensionierung die Qualitäten des Alters zu entdecken. Gibt es, so fragt er, im Alter eine entspannte Erotik, mit der man Verliebtheit und den Zauber einer Begegnung ohne Verlangen genießen kann. Oder bleibt alles beim Alten?

 


Do, 14.01.2016 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304

Facetten der Liebe – Homosexualität im Alter

Thomas Friedrich-Hett, Dipl.-Psychologe, Lehr­therapeut für systemische Therapie und Beratung (viisa) (SG), Krankenpfleger

 

Die heutige ältere Generation homosexueller Frauen und Männer ist in ihrem Lebensverlauf vor allem mit Diskriminierung, Verdrängung, Ausgrenzung bis hin zu Strafverfolgung konfrontiert worden. Auch wenn der gesellschaftliche Emanzipationsprozess mittlerweile zu mehr Gleichstellung geführt hat, ist die Akzeptanz und Integration im Alltag noch nicht angekommen. Der Vortrag geht Fragen der Identitätsentwicklung im Lebensverlauf nach sowie den Veränderungen mit zunehmendem Alter. Er beleuchtet die wechselseitige Beeinflussung von Homo­sexualität und Alter(n) und setzt sich mit der Problematik von Tabuisierung, Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit in Institutionen auseinander.