Ringvorlesung - Wintersemester 2017/18

Glück und Unglück – wie planbar ist unser Leben? Interdisziplinäre Betrachtungen eines subjektiven Gefühls

 

Wann:

Donnerstags, 14.15 – 15.45 Uhr

Start: 26.10.2017

 

Wo:

Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen, 41065 Mönchengladbach

ACHTUNG: RAUMÄNDERUNG

Webschulstr. 41-43

Gebäude V, Raum V2 - Audimax

 

 

Öffentliche Veranstaltung / Kosten:

Alle GasthörerInnen, StudentInnen, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen der Hochschule Niederrhein sind ebenso herzlich eingeladen wie die interessierte Öffentlichkeit und FachpraktikerInnen aus einschlägigen Berufsfeldern und Institutionen.

Für eingeschriebene GasthörerInnen und StudentInnen sowie Angehörige der Hochschule ist die Ringvorlesung kostenfrei.Gäste zahlen 5,- Euro pro Vortrag oder 25,- Euro für alle Vorträge. Gäste ziehen bitte vor Beginn der Veranstaltung am Kassenautomaten (Infopoint) ein Ticket.

 




Glück und Unglück –
wie planbar ist unser Leben?

 

Was ist Glück, was macht uns unglücklich und inwieweit können wir selbst unser Lebensglück beeinflussen? Oder heißt es eher „Glück gehabt!“, weil das Schicksal es nochmal gut mit uns gemeint hat. Macht zu viel Glück unglücklich? Wandeln sich die Glücksvorstellungen im Laufe der Lebensspanne? Fragen, denen wir uns in dieser interdisziplinären Ringvorlesung widmen möchten.

 

Das Streben nach Glück ist ein Menschheitsthema. In der Forschung und in der Populärwissenschaft boomt das Thema nach wie vor. Eine kurze Recherche im Internet offenbart eine Flut an Ratgebern mit Anleitungen zum Glücklichsein. Keine einfache aber offensichtlich auf jeden Fall erstrebenswerte Sache also, bei der Hilfe dringend notwendig erscheint. Paul Watzlawick hat sich dagegen in den 1980er Jahren sehr intensiv mit einer Anleitung zum Unglücklichsein beschäftigt und aufgezeigt wie viele Möglichkeiten der Mensch hat, sich das Leben unerträglich zu machen. Lässt sich mit Aufklärung und Erkenntnisgewinn Unglück vermeiden und Glück herstellen oder sind Glück und Unglück vorbestimmt?

 

Mit der Zunahme von Verlusterfahrungen im Prozess des Älterwerdens kann davon ausgegangen werden, dass auch das subjektive Wohlbefinden darunter leidet und Glückserfahrungen eher weniger zu erwarten sind. Ob dies zutreffend ist, wollen wir u.a. in dieser Vortragsreihe diskutieren.

 

Es erwarten Sie philosophische, psychologische, sozio­logische, neurobiologische, sozial­pädagogische, gerontologische, mediale und literarische Betrachtungen eines subjektiven Gefühls. Wir freuen uns auf Ihre Vorstellungen vom Glück und Unglück, diskutieren Sie mit!

 



PROGRAMM

Alle Vorträge finden donnerstags von 14.15 bis 15.45 in Raum S 304 statt. Die Ringvorlesung wird moderiert von Frau Dipl-Geront. Sigrid Verleysdonk-Simons.

 


 

Do, 26.10.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Glück, Zufriedenheit oder Flow?
Streiflichter zur Psychologie des Glücks
Prof. Dr. Michael Borg-Laufs
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


„Glück“ ist erstaunlicherweise ein seltener Forschungsgegenstand in der Psychologie. Dennoch lässt sich zusammentragen, welche Erkenntnisse es zu den Gelingensbedingungen eines glücklichen Lebens gibt. Im Vortrag werden diese Erkenntnisse sowie Ideen für die Gestaltung eines glücklichen Lebens vorgestellt.

 



Do, 02.11.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Glück – das höchste Gut?
Prof. Dr. Andris Breitling
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


Dass das Glück im Sinne eines erfüllten, glücklichen Lebens für den Menschen das höchste Gut darstellt, galt den Philosophen der Antike als selbstverständlich. Auch heute noch vertreten viele Ethiker diese Auffassung. Im Menschen wirken aber noch andere Triebkräfte als das Streben nach Glück. Auch stellt sich die Frage, ob anderen Werten, anderen ethischen Prinzipien wie Freiheit oder Gerechtigkeit nicht in bestimmten Situationen ein Vorrang gegenüber dem Glück zukommt.

 



Do, 09.11.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Die Bedeutung von Zufriedenheit
– Wohlbefinden und Glück im Alter
Prof. Dr. Claudia Kaiser
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


Auch wenn mit zunehmendem Alter das Risiko für körperliche, psychische und kognitive Einschränkungen sowie soziale Verluste steigt, so zeigen wissenschaftliche Studien im In- und Ausland, dass die Zufriedenheit bzw. das subjektive Wohlbefinden mit den Jahren nicht automatisch sinkt sondern häufig sogar ansteigt. Doch wie kann man dieses Paradox erklären? Kommt man mit dem Leben besser klar, obwohl die Zahl der Jahre schwindet, die man noch zu leben hat? Und welche Faktoren und Prozesse spielen dabei eine Rolle?

 



Do, 16.11.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
„Jeder ist seines Glückes Schmied?“
 – Betrachtungen zur Willensfreiheit
Benedikt Eisermann M.A.
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


Ist jeder Mensch tatsächlich selbst dafür verantwortlich, in seinem Leben glücklich und erfolgreich zu sein? Haben wir es also in der Hand, das dementsprechend Richtige zu wollen und das Falsche nicht? Oder sind wir vielmehr - sofern die Umstände es zulassen – lediglich in unserem Handeln frei, nicht jedoch in unserem Willen?

 



Do, 23.11.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Glück in Literatur und Film – als Kitsch verrufen,
aber philosophisch unverzichtbar
Dr. Thomas Küpper, Universität Duisburg-Essen,
Fakultät für Geisteswissenschaften, Institut für Germanistik, Literatur und Medienwissenschaft


Filme mit Happy End, erzählte Welten, die zu schön sind, um wahr zu sein: Bei solchen Szenarien kommt oft der Vorwurf auf, das sei doch Kitsch. Philosophen wie Walter Benjamin sind jedoch dagegen, Glücksbilder in Literatur und Film als Kitsch abzuwerten: Sind solche Bilder nicht wichtig? Der Vortrag stellt diese Gedanken zu Glück und Kitsch anhand von Beispielen vor.

 



Do, 30.11.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Glück und Gesundheit!? Glück und Krankheit?!
Systemische Perspektiven aus der Beratungspraxis
Martina Göß, Dipl.-Soz.Päd., Psychoonkologin, Systemische Therapeutin
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


Glück und Gesundheit kann man gut miteinander verknüpfen. Aber wie sieht es bei Glück und Krankheit aus? Kann man glücklich sein, auch wenn man nicht gesund ist? Ändert sich das Glücksempfinden, wenn man wieder gesund ist? Wenn man Glück als Ressource in der Bewältigung einer belasteten Lebenssituation sieht, können Antworten schwer kranker Menschen, auf die Frage nach deren Glück, eine Hilfe sein. Bei der Fokussierung des Glücks spielt die Haltung des/der systemischen Beraters/Beraterin eine wesentliche Rolle. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Beratungspraxis wollen wir gemeinsam systemische Perspektiven beleuchten und diskutieren.

 


 
Do, 14.12.2017 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Die Neurobiologie des Glücks
Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Hanns Jürgen Kunert
Dipl. Psychologe, Median Klinik am Waldsee


Glück. Was ist das überhaupt? Wie kann man diesen Zustand des Erlebens und Empfindens definieren? Gibt es vielleicht Zwischenstufen? Wenn ja, wie sehen diese aus? Kann man überhaupt lernen, glücklich zu sein? Und zuletzt: was hat Glück mit unserem Gehirn und bestimmten Hirnfunktionen zu tun? Auf all diese Fragen soll in dem Vortrag versucht werden, Antworten zu geben, vielleicht auch nur vorläufige. Denn erst seit kurzer Zeit gibt es die Wissenschaft vom Glück, jedenfalls unter neurobiologischer Perspektive. Ganz bestimmt werden sich noch weitere Fragen einstellen, für deren Beantwortung im Anschluss ausreichend Zeit sein wird.

 



Do, 04.01.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Zum Glück – eine Lesung
Autorengruppe „ZwischenTöne“


Elise Donder, Gertrud Grins, Josée Hümpel-Langen, Elke Roob und Karl-Heinz Thifessen, allesamt Autorinnen und Autoren des Genera­tionenmagazins ZwischenTöne, stellen selbst verfasste Geschichten und Gedichte vor – zum Glück. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.



Do, 11.01.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Dem Glück auf der Spur – Glück als Gegenstand professionellen Handelns Sozialer Arbeit?!
Dr. Carsten Schroeder
Universität Koblenz-Landau / Technische Universität Dortmund


Emotionen sind in der Sozialen Arbeit zwar nicht unbekannter Gegenstand, jedoch werden sie in empirischen Analysen und theoretischen Überlegungen zum professionellen Handeln häufig vernachlässigt. Demgegenüber nehmen Emotionen in der Praxis Sozialer Arbeit eine für die Fachkräfte bedeutsame Präsenz ein, da sie in professionellen Arbeitszusammenhängen ständig mit ihnen zu tun haben. Wut, Ärger, Trauer sowie Freude, Humor, Hoffnung sind Gefühle, die als Bestandteil einer professionellen Praxis in der Sozialen Arbeit rekonstruiert werden können. Sozialarbeiter*innen sind in ihrem beruflichen Alltag nicht selten in Interaktionssituationen involviert, die von ihnen abverlangen einen Umgang mit ihren eigenen sowie den Emotionen der Adressat*innen zu finden. In diesem Vortrag wird ganz gezielt einem spezifischen Gefühl nachgegangen, dem des Glücks. Hiermit wird die Frage verknüpft, ob und inwiefern das Glück als Gefühl ein Gegenstand professionellen Handelns sein kann.

 



Do, 18.01.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // Audimax (V2)
Stolpersteine des Alterns nach 65:
Lektionen eines Selbsttests über zehn Jahre
Prof. em. Dr. Hermann Strasser PhD
Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie von 1977 bis 2007 an der Universität Duisburg-Essen


Diese Vorlesung beruht auf den autobiografischen Aufzeichnungen „Gesprächiges Schweigen eines Uhus: Altern – Selbstmord auf Raten?“ seit der Emeritierung 2007. Darin bringt Professor Strasser seine Erfahrungen und Beobachtungen des Alltags zu Hause und in der Welt zu Papier. Für ihn ist es ein verbaler Akt der Lebensbewältigung, in dem das Erleben des Alterns über ein Jahrzehnt hinweg wahrhaftig und glaubhaft beschrieben wird. Seine Spurenlese des nicht immer glücklichen Alterns findet nicht nur in der eigenen Familie, in Freundeskreisen und in der Nachbarschaft statt, sondern geht weit über den jeweiligen Wohn-, Arbeits- und Urlaubsort hinaus. Natürlich steht auch der lange Übergang in den Ruhestand immer wieder kritisch zur Debatte. Am Ende fasst er seine z. T. sehr persönlichen Einsichten zusammen und schildert die Stolpersteine des Alterns. Diese Fallen, in die der alternde Mensch tappen kann, und die Spielregeln, nach denen Passagen des Alterns abzulaufen scheinen und wie man die Fallen umgehen kann, stehen im Zentrum seiner Präsentation.

 



Do, 25.01.2018 // 14.15 - 15.45 Uhr // S 304
Was weiß/wusste die Religion über Glück
und Unglück des Menschen?
Prof. em. Dr. Josef Kopperschmidt
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen


Bevor es empirisch fundierte Glückstheorien gab, war Religion neben Philosophie in unserem Kulturkreis fraglos die Institution, die am einflussreichsten die Glücksvorstellungen von Menschen geprägt hat. Religion in der Gestalt des Christentums nötigte sogar zur Frage, ob der Mensch überhaupt glücksfähig sein kann, solange er sich in der Fremde bzw. im irdischen Exil befindet. Wem solche Gedanken heute fremd vorkommen, bestätigt damit nur die Existenz eines Problems, über das zu reden sein wird: Hat Religion heutigen Menschen noch etwas zum Thema Glück zu sagen?