Über die Kunst des Loslassens ...
Ringvorlesung WS 2022/23

Hochschule Niederrhein. Dein Weg.
Ringvorlesung

Über die Kunst des Loslassens
und die Schönheit des Aufhörens

Interdisziplinäre Betrachtungen
 

Nächster Vortrag:

Donnerstag | 01.12.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr |
Raum S 304 | + Live in zoom
"Loslassen am Lebensende –
Eindrücke aus der Praxis der ehrenamtlichen Sterbebegleitung"
Prof. Dr. Claudia Bundschuh, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Die Begleitung von Menschen, die aufgrund einer Erkrankung/eines Unfalls nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben, wird vielerorts durch so genannte ambulante Hospizdienste unterstützt. Die Hospizdienste qualifizieren Ehrenamtliche und koordinieren deren Einsatz bei betroffenen Menschen, die entweder (noch) zuhause leben oder bereits Gäste im Hospiz sind. In der Veranstaltung wird ein kurzer Einblick in die Schulung zur Sterbebegleitung gegeben. Darüber hinaus wird aus eigener, subjektiver Erfahrung in der Sterbebegleitung erläutert, welche Gründe für Nachfrage nach Ehrenamtlichen eine Rolle spielen und welche Herausforderungen und Bereicherungen die Praxis der Begleitung mit sich bringen kann.

Ausfall am 24.11.22:
"Alkoholkonsum – eine Leidenschaft, die Leiden schafft"
mit Ulrike Kraus

Wintersemester 2022/23 - "Über die Kunst des Loslassens ..."

Das Thema

Über die Kunst des Loslassens ...

Über die Kunst des Loslassens
und die Schönheit des Aufhörens

Das Festhalten an Menschen und Dingen ist ein urmenschliches Bedürfnis, welches uns in manchen Situationen das Überleben sichert. Wir klammern uns fest, um nicht zu fallen, verloren zu gehen, um Sicherheit und Schutz zu erfahren. Im Laufe des Lebens müssen wir von Menschen, Dingen und Gewohnheiten loslassen.

Wir nehmen Abschied von liebgewonnenen Beziehungen, von unserer Arbeit, von Gegenständen, Gewohnheiten, Lebensträumen, Hoffnungen, vom Leben selbst. Das Loslassen und Abschiednehmen ist oft schwer und braucht Zeit, Mut und Unterstützung.

Loslassen hat auch mit Trauern zu tun, kann schmerzhaft aber auch befreiend und entlastend sein. Das Loslassen braucht Übung.

Der Blick soll aber nicht nur auf das Individuum gerichtet werden, sondern auch auf Politik und Gesellschaft. Loslassen bedeutet auch etwas abzuschließen oder nicht mehr weiter zu verfolgen, also aufzuhören. Optimierungswahn, Fortschrittsglaube, Wirtschaftswachstum, Kultivierung von Landschaften und Natur können nicht unendlich vorangetrieben werden, wenn der Welt, den Gesellschaften, den Menschen letztendlich kein irreparabler Schaden zugefügt werden soll. Wann ist also der Zeitpunkt gekommen, falsche Ziele nicht weiterzuverfolgen und mit weiterer Planung aufzuhören?

In dieser Ringvorlesung werden wir die Kunst des Loslassens und „die Schönheit des Aufhörens“ – wie Harald Welzer es in seinem Buch „Nachruf auf mich selbst“ nennt – aus interdisziplinärer Sicht betrachten. Wir laden Sie ein, mit Wissenschaftler:innen und Fachpraktiker:innen in einen Diskurs zu treten und wir sind interessiert an Ihren Strategien des Loslassens und Aufhörens.

 

Wann, Wo & Wie

Zeit und Ort ... und zoom

Wann:
Donnerstags, 14.15 – 15.45 Uhr
Start: 20.10.2022

Wo:
Hochschule Niederrhein
Fachbereich Sozialwesen
41065 Mönchengladbach
Webschulstr. 39 (Ecke Richard-Wagner-Str./Webschulstr.)
Gebäude S, Raum S 304

+ zoom:
Alle Veranstaltungen werden zusätzlich live in zoom übertragen.
Den Zoom-Link bekommen Angemeldete kurz vor der Veranstaltung zugeschickt.
Für Zoom ist nur eine einmalige Anmeldung unter faust@hs-niederrhein.de notwendig.

Teilnahme
Nur für Angehörige der Hochschule Niederrhein (Student:innen, Gasthörer:innen, etc.)

Das Programm

11 Vorträge

Donnerstag | 20.10.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Loslassen – eine lebenslange Entwicklungsaufgabe
Prof. Dr. Michael Borg-Lauf
Theorie und Praxis psychosozialer Arbeit mit Kindern, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Etwas „loszulassen“ kann bedeuten, etwas zu verlieren. Daher klammern wir uns oft an Dinge, an Beziehungen, an Zustände, vor deren Verlust wir Angst haben. Nicht selten ist dieses Klammern aber eigentlich destruktiv, es hindert uns daran, neue Erfahrungen zu machen und uns weiter zu entwickeln. In diesem Vortrag wollen wir uns genauer ansehen, wie uns „Loslassen“ auf dem Lebensweg helfen kann, wie wir erkennen können, wann es sinnvoll ist, jemanden oder etwas tatsächlich loszulassen, welche Ängste uns daran hindern und wie wir diese Ängste überwinden können. (Borg-Laufs)

 

Donnerstag | 27.10.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Emotionale Begleitung Kleiner Geburten
Corinna Hansen-Krewer
Fotografin, Doula, Autorin
Corinna Hansen-Krewer begleitet als Doula Frauen über die Zeit des frühen Schwangerschaftsverlustes. Doulas sind nichtmedizinische Geburtsbegleiterinnen. Aus eigener Betroffenheit heraus engagiert sich die Referentin seit vielen Jahren für die Belange von Sterneneltern und Sternenkindern. Sie schrieb dazu 2021 ein viel beachtetes Buch mit dem Titel „Stille Geburten sind auch Geburten und Sterneneltern sind auch Eltern“. Stellen wir uns vor, dass Stille und Kleine Geburten die gleiche Wertigkeit wie Lebendgeburten hätten. Was wäre, wenn die Gesellschaft anerkennen würde, dass Sterneneltern auch Eltern sind, die Bedürfnisse und Emotionen haben? Was wäre, wenn medizinisches Personal gut aufgestellt, speziell ausgebildet, hinterfragend und selbstreflektiert verwaisten Eltern gegenübertreten könnte? Was würde es für unsere Gesellschaft bedeuten, wenn wir einander halten würden, anstatt vor Unsicherheit und Furcht wegzulaufen? Der Vortrag versucht Antworten auf diese Fragen zu geben. Zum Vortrag wird eine digitale Fotoausstellung zum Thema der Referentin, die auch Fotografin ist, präsentiert

 

Donnerstag | 03.11.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Über die Kunst des Loslassens bei negativen Gedanken – Kognitive Umstrukturierung hilft
Prof. Dr. habil. Dipl.-Psych. Dieter Wälte
Klinische Psychologie und Persönlichkeitspsychologie, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

„Nicht die Tatsachen selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen darüber.“ Mit diesem Lehrsatz des Philosophen Epiktet hat Albert Ellis die kognitive Wende in der Verhaltenstherapie eingeleitet. Er hatte erkannt, dass negative Gedanken Menschen nicht nur unglücklich machen können, sondern in extremer Ausprägung auch mit psychischen Störungen einhergehen können. Das trifft immer dann zu, wenn Betroffene ihr Leben permanent von negativen Gedanken leiten lassen und nicht loslassen können. Der Vortrag beschäftigt sich zunächst mit der Frage, wie solche belastenden Gedanken entstehen können und die Betroffenen in ihren Bann ziehen. Im nächsten Schritt werden solche negativen Gedanken näher unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich, dass insbesondere diese Gedanken (Kognitionen) quälend sind: negative automatische Gedanken, kognitive Fehler und rigide Schemata. Sie entfalten bei psychischen Störungen ein Eigenleben in einer Form, dass das Leben unerträglich wird wie z.B. bei Zwangsgedanken, depressiven Gedanken oder Gedanken bei Ängsten. Der letzte Teil des Vortrages zeigt Lösungswege auf, wie Betroffene lernen können, negative Gedanken loszulassen. Was auf den ersten Blick als Kunst
des Loslassens erscheinen mag, ist jedoch mit der Standardmethode der Kognitiven Verhaltenstherapie wissenschaftlich fundiert. Diese Methode heißt ‚Kognitive Umstrukturierung‘ und umschreibt Techniken und Methoden, die auf die Veränderung von negativen Gedanken gerichtet sind. Wenn Sie wissen möchten, wie man das Loslassen negativer Gedanken erlernen kann und dem Geheimnis „What matters most is how you see yourself“ auf die Spur kommen kann, dann ist dieser Vortrag genau das Richtige für Sie.

 

Donnerstag | 10.11.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Gewalt in Beziehungen und die Problematik des Loslassens
Susanne Büdenhölzer-Boms
Erziehungswissenschaftlerin BA, Frauenberatungsstelle Mönchengladbach

Loslassen, das bedeutet die Gewaltbeziehung zu beenden. Aber wie kann das gehen? Gewalt in Beziehungen wird landläufig als klarer Grund gesehen sich zu trennen, um nicht weiter der Gewalt ausgesetzt zu sein. Aus der Innenperspektive ist dies aber weitaus schwieriger und es gibt viele Hindernisse, die dem Verlassen des gewaltvollen Partners und der gewaltgeprägten Beziehung im Weg stehen. Aus der Erfahrung der Arbeit in der Frauenberatungsstelle schauen wir auf die Ambivalenzen und die Problematik des Loslassens einer Gewaltbeziehung.

 

Donnerstag | 17.11.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Über das Loslassen vom ‚Wissen über die Anderen‘:
Plädoyer für eine Re-Autonomisierung der Pädagogik am Beispiel von Migration und Behinderung im Kontext von Inklusion

Prof. Dr. Donja Amirpur
Migrationspädagogik, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Am Beispiel der Lebenssituation von Familien an der Schnittstelle von Migration und Behinderung im Kontext von Inklusion setzt sich der Vortrag mit der Frage auseinander, ob mehr Wissen über‚ "die Anderen" durch z.B. weitere sonderpädagogische Expertise oder durch eine so genannte interkulturelle Kompetenz zwingend mehr Gewissheit in pädagogischen Settings verschafft – oder ob das "Nicht-Wissen" möglicherweise nicht unüberwindbar und letztlich ein Kennzeichen professionellen Handelns ist.

 

Donnerstag | 24.11.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Alkoholkonsum – eine Leidenschaft, die Leiden schafft
Ulrike Kraus
M.A., Systemische Familientherapeutin (DGSF), Suchtberatung Diakonisches Werk Mönchengladbach

Als gesellschaftlich etabliert, ständig verfügbar und Teil unserer Kultur ist das „Genussmittel“ Alkohol die in Deutschland am häufigsten konsumierte „legale“ und auch die gefährlichste Droge. Die Folgeschäden betreffen die Konsumenten, die Angehörigen, aber auch die Gesellschaft und die Volkswirtschaft. Trotzdem fallen „Loslassen“ und „Aufhören“ schwer - auf individueller wie auch auf gesellschaftspolitischer Ebene. Suchtkrankheit und ihre Auswirkungen erkennen, Zusammenhänge begreifen und die eigene Veränderungs- und damit Handlungsfähigkeit zurückgewinnen – das leistet zieloffene Suchtarbeit.

 

Donnerstag | 01.12.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Loslassen am Lebensende – Eindrücke aus der Praxis der ehrenamtlichen Sterbebegleitung
Prof. Dr. Claudia Bundschuh
Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Die Begleitung von Menschen, die aufgrund einer Erkrankung/eines Unfalls nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben, wird vielerorts durch so genannte ambulante Hospizdienste unterstützt. Die Hospizdienste qualifizieren Ehrenamtliche und koordinieren deren Einsatz bei betroffenen Menschen, die entweder (noch) zuhause leben oder bereits Gäste im Hospiz sind. In der Veranstaltung wird ein kurzer Einblick in die Schulung zur Sterbebegleitung gegeben. Darüber hinaus wird aus eigener, subjektiver Erfahrung in der Sterbebegleitung erläutert, welche Gründe für Nachfrage nach Ehrenamtlichen eine Rolle spielen und welche Herausforderungen und Bereicherungen die Praxis der Begleitung mit sich bringen kann.

 

Donnerstag | 08.12.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Loslassen – Perspektiven aus der Hebammenwissenschaft
Prof. Dr. Annika Walker
Hebammenwissenschaft, Fachbereich Gesundheitswesen, Hochschule Niederrhein

Kommentar folgt noch.

 

Donnerstag | 15.12.2022 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Vom Arbeitsleben in den (Un)ruhestand
Prof. Dr. Moritz Heß
Gerontologie, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Mit der demographischen Alterung ist das Thema Rente und der Übergang in diese in den Fokus gesellschaftlicher Diskussion gerückt. Zum einen stellt sich die Frage, wie sicher ist die Rente. Und zum anderen wie der Übergang in die Rente gut gestaltet werden kann. Weitere Fragen sind: Wann gehen wir in Rente und wann wollen wir? Wie wirkt sich die Rente auf unsere Gesundheit aus und was tun wir im (Un)ruhestand? Und wie sieht das in anderen Ländern aus und wie unterscheidet es sich zwischen verschiedenen Gruppen?

 

Donnerstag | 05.01.2023 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Loslassen und Aufhören – ein Thema bei Energieeffizienz und Klimaschutz
Prof. Dr.-Ing. Shichang Wang
SWK E² Institut für Energietechnik & Energiemanagement, Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Hochschule Niederrhein, Thermische Verfahrenstechnik – Thermal separation processes

Alles, was wir Menschen „machen“, kann u. a. auch mit „Energie“ oder „CO2“ beschrieben, bewertet und beurteilt werden. In diesem Vortrag geht es z.B. um die Fragen: wie wird Energie oder CO2 gezählt? Was muss ich persönlich immer wieder reflektieren, damit ich weniger Energie „verbrauche“ oder CO2 „mache“? Was muss ich dabei „loslassen“ oder womit sollte ich „aufhören“?

 

Donnerstag | 12.01.2023 | 14:15 - 15:45 Uhr | + Live in zoom
Wer darf gehen? Zeiterfahrungen, sinnliche Prägnanz und eine Ästhetik der Vergänglichkeit
Prof. Dr. Frank Jebe
Kunst- und Kulturvermittlung, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Niederrhein

Das Nachdenken über die Künste war schon immer eng verbunden mit der Frage, wie ein spezifisches Zeitgeschehen in einem Gemälde oder in einer Skulptur festgehalten werden kann. Im Gegensatz zu den bildlichen Darstellungen lässt sich das „Aufhören“ nur schwer mit dem Habitus von Künstler:innen und einer Vorstellung von einer Kunst, die nur für die Kunst und für sonst gar nichts da ist, vereinbaren. Wie ist also eine Kunst des Loslassens zu verstehen, wenn der Ausstieg aus der künstlerischen Arbeit die Grenzen des Verstehbaren in den Künsten übersteigt?