Gerade diese Position außerhalb des eigentlichen Raumes hat meine Wahrnehmung stark geprägt – und im Nachhinein auch gut zu den Themen des Buches gepasst.
Das Buch als inhaltliche Grundlage
„Was wollt ihr denn noch alles?!“ ist ein politisches Sachbuch mit stark persönlicher Sprache.
Zykunov beschreibt strukturelle Ungleichheiten, insbesondere im Hinblick auf Care-Arbeit, emotionale Arbeit und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen. Dabei arbeitet sie weniger abstrakt, sondern mit konkreten Alltagssituationen, die vielen Leser*innen vertraut sein dürften.
Beim Zuhören vor der Tür war deutlich, dass genau diese Passagen auch im Mittelpunkt der Lesung standen. Auch ohne im Raum zu sein, ließ sich der Ton erahnen: zugespitzt, ironisch, teilweise provokant, aber klar in der Haltung. Das deckte sich mit dem Stil des Buches, das bewusst mit Zuspitzung arbeitet, um Aufmerksamkeit für strukturelle Probleme zu schaffen.
Wahrnehmungen im Außenbereich
Der Außenbereich entwickelte sich schnell zu einem eigenen Diskussionsraum. Mehrere Personen unterhielten sich während und nach der Lesung über Inhalte des Buches, eigene Erfahrungen und über das Gefühl, sich in vielen der beschriebenen Situationen wiederzufinden.
Diese Gespräche wirkten nicht akademisch, sondern sehr alltagsnah. Besonders auffällig war, dass viele Aussagen aus dem Buch offenbar als eine Art sprachliche Entlastung empfunden wurden: Dinge, die lange diffus vorhanden waren, bekamen plötzlich klare Worte. Auch Kritik wurde geäußert – etwa daran, dass Zuspitzungen polarisieren können oder dass sich nicht alle angesprochen fühlen. Diese Ambivalenz machte die Gespräche jedoch eher produktiv als ablehnend.
Wirkung der Lesung trotz Distanz
Obwohl ich nicht direkt an der Lesung teilgenommen habe, hatte ich nicht das Gefühl, völlig außen vor zu sein. Die Reaktionen der Menschen vor der Tür, ihr Austausch und ihre emotionalen Bezüge zum Buch vermittelten ein deutliches Bild davon, welche Wirkung die Texte entfalten.
Interessant war dabei, dass die Autorin weniger im Mittelpunkt stand als die Inhalte selbst. Es ging kaum um ihre Person, sondern fast ausschließlich um die angesprochenen Themen und deren Relevanz für das eigene Leben. Das spricht dafür, dass das Buch auch unabhängig von der konkreten Lesesituation funktioniert.
Fazit
Auch ohne direkte Teilnahme an der Lesung selbst war es möglich, zentrale Eindrücke zu gewinnen. Durch das Buch und die Gespräche vor der Tür wurde deutlich, dass Alexandra Zykunovs Texte einen Nerv treffen und gesellschaftliche Erfahrungen benennen, die viele Menschen teilen.
Gerade das Erleben „am Rand“ der Veranstaltung hat mir gezeigt, dass politische Literatur nicht nur dort wirkt, wo sie vorgelesen wird, sondern vor allem dort, wo Menschen anfangen, darüber zu sprechen.
von Michelle Pruszak


















