Am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein (HSNR) ist in Kooperation mit dem Simulationszentrum und der Akademie für multidisziplinäre Notfalltrainings (SAM) in Mönchengladbach der erste Anpassungslehrgang für Hebammen aus Nicht-EU-Ländern gestartet. Die HSNR ist damit derzeit die einzige Hochschule in Nordrhein-Westfalen, die einen solchen Lehrgang anbietet.
„Gemeinsam mit SAM haben wir einen kompetenzorientierten und evidenzbasierten Anerkennungskurs entwickelt, der die vorhandenen Qualifikationen von Hebammen aus Nicht-EU-Ländern systematisch aufgreift und gezielt an die Anforderungen des deutschen Versorgungssystems anknüpft“, erklärt Prof. Dr. Therese Werner-Bierwisch.
Der rund 18-monatige Kurs bereitet aktuell zwölf international ausgebildete Hebammen gezielt auf die berufliche Anerkennung in Deutschland vor. Für viele von ihnen ist diese Anerkennung die zentrale Voraussetzung, um in Deutschland als Hebamme arbeiten zu dürfen. Die Teilnehmerinnen stammen unter anderem aus nordafrikanischen Ländern, aus der Ukraine, der Türkei und Brasilien.
Gezielte Antwort auf den Fachkräftemangel in NRW
Nordrhein-Westfalen steht vor erheblichen Herausforderungen in der geburtshilflichen Versorgung. Die Studie HebAB.NRW weist auf bestehende Zugangsbarrieren und Nachfrageüberhänge hin, während das aktuelle Gutachten zur Bedarfsbemessung der ambulanten Hebammenversorgung einen partiellen Versorgungsmangel und fehlende Steuerungsinstrumente beschreibt. Beide Arbeiten machen deutlich, dass zusätzliche personelle Kapazitäten erforderlich sind, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Der neue Anerkennungskurs leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung: Hebammen aus Nicht-EU-Ländern bringen wertvolle berufliche Erfahrung mit und können nach erfolgreicher Anerkennung zeitnah in die Versorgung integriert werden. Damit stärkt das Programm nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern die geburtshilfliche Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen insgesamt.
Beitrag zur Gesundheitsgerechtigkeit
Darüber hinaus fördern international ausgebildete Hebammen die Gesundheitsgerechtigkeit. Fachkräfte mit eigenen Migrations- oder Fluchterfahrungen können werdende Mütter auf Augenhöhe begleiten, sprachliche Barrieren abbauen und Zugänge zum Gesundheitssystem erleichtern. Gerade für Frauen, die (noch) nicht ausreichend Deutsch sprechen, kann dies einen entscheidenden Unterschied für Selbstbestimmung und Sicherheit bedeuten. „Gesundheitsgerechtigkeit beginnt nicht mit dem Anspruch, sondern beim Zugang zur Versorgung. Hebammen mit spezifischen kulturellen Kompetenzen können hier eine Schlüsselrolle übernehmen“, betont Prof. Dr. Therese Werner-Bierwisch.
Theorie und Praxis eng verzahnt
Die theoretische Ausbildung findet in mehreren Modulen als Blockunterricht am SAM-Standort Mönchengladbach statt. „Unsere modernen, praxisnahen Lehrmethoden wie Skills- und Simulationstrainings sorgen für eine hohe Handlungssicherheit bei den Teilnehmenden“, erklärt Julia Scholz, Geschäftsbereichsleitung Simulation Geburtshilfe und Prüfungswesen bei SAM. Jede Theoriephase ist in sich abgeschlossen, endet mit einer Leistungsüberprüfung und dokumentiert den individuellen Lernfortschritt der Hebammen.
In den Praxiseinsätzen werden die Teilnehmerinnen von qualifizierten Lehrkräften eng begleitet. So wird sichergestellt, dass die theoretischen Inhalte sicher in die Praxis übertragen werden können. „Eine besondere Herausforderung besteht darin, geeignete Praxispartner zu gewinnen, da mangelnde Refinanzierung, Zentralisierungsprozesse und der Kollaps der Belegsysteme die verfügbaren Praxisplätze deutlich reduzieren. Einrichtungen des Gesundheitswesens in Nordrhein-Westfalen sind daher eingeladen, sich als Kooperationspartner zu engagieren und so aktiv zur Fachkräftesicherung in der Geburtshilfe beizutragen“, sagt Scholz, selbst examinierte Hebamme.
Zielgruppe und Zugangsvoraussetzungen
Der Lehrgang richtet sich an zugewanderte Hebammen mit einem Feststellungsbescheid, in dem wesentliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung festgestellt wurden. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein gültiger Aufenthaltstitel, eine Arbeitserlaubnis sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2. In Einzelfällen ist ein Anpassungslehrgang nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Hebammen noch bis Dezember 2027 möglich.
Weitere Informationen finden Interessierte unter:
https://www.hs-niederrhein.de/gesundheitswesen/studieninteressierte/b-sc-angewandte-hebammenwissenschaft/anpassungslehrgang/
Für Fragen und weitere Informationen zur Anmeldung steht Christin Roosen, Koordinatorin für die Qualifizierung internationaler Hebammen am Fachbereich Gesundheitswesen der HSNR, per E-Mail unter christinroosen(at)hs-niederrhein.de oder telefonisch unter 02151822-3735 zur Verfügung.


















