Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Colleen Hoover und erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Hauptfigur Lily. Diese konsequente subjektive Erzählweise prägt den gesamten Film und beeinflusst maßgeblich dessen Wirkung. Statt Gewalt von außen zu erklären oder zu bewerten, wird das Publikum in Lilys innere Welt hineingezogen. Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen und Zweifel stehen im Mittelpunkt und machen ihre Entscheidungen nachvollziehbar, auch wenn sie von außen betrachtet, widersprüchlich erscheinen mögen.
Ein zentrales Thema des Films ist die Liebe. Zu Beginn wird eine Beziehung gezeigt, die von emotionaler Nähe, Vertrauen und gegenseitiger Anziehung geprägt ist. Diese Darstellung ist wichtig, da sie verdeutlicht, warum die Beziehung für die Hauptfigur eine so große Bedeutung hat. Liebe erscheint hier nicht naiv oder oberflächlich, sondern als ernstzunehmende emotionale Bindung, die Sicherheit, Zugehörigkeit und Zukunftsaussichten verspricht. Genau diese positiven Aspekte tragen dazu bei, dass problematische Entwicklungen zunächst relativiert oder verdrängt werden.
Im weiteren Verlauf wird sichtbar, wie sich Gewalt nicht abrupt, sondern schrittweise in die Beziehung einschleicht. Kleine Grenzüberschreitungen, emotionale Verletzungen und Machtverschiebungen werden zunehmend Teil des Alltags. Der Film zeigt sehr eindrücklich, wie diese Dynamiken entstehen und sich festigen können. Besonders deutlich wird, dass Gewalt nicht isoliert auftritt, sondern eingebettet ist in Phasen von Zuneigung, Reue und Hoffnung auf Veränderung.
Diese Ambivalenz ist einer der stärksten Aspekte des Films. Die Hauptfigur empfindet gleichzeitig Liebe und Angst, Loyalität und Zweifel, Hoffnung und Schuld. Der Film wertet diese Gefühle nicht, sondern stellt sie nebeneinander dar. Dadurch entsteht ein realistisches Bild der inneren Konflikte, mit denen Betroffene von Gewalt in Beziehungen häufig konfrontiert sind. Die Frage, warum Menschen in gewaltvollen Beziehungen bleiben, wird nicht vereinfacht beantwortet, sondern in ihrer Komplexität sichtbar gemacht.
Auch die Rolle von biografischen Erfahrungen wird thematisiert. Vergangene Erlebnisse beeinflussen Wahrnehmungen, Beziehungsmuster und Handlungsspielräume der Hauptfigur.
Der Film macht deutlich, dass Gewalt nicht losgelöst von individuellen Lebensgeschichten betrachtet werden kann. Diese Einbettung trägt zu einem vertieften Verständnis bei und verhindert eine rein moralische oder individualisierende Betrachtung.
Emotional entfaltet der Film eine starke Wirkung, gerade weil er auf Überzeichnung verzichtet. Viele Szenen wirken ruhig, fast zurückhaltend, und gewinnen gerade dadurch an Intensität. Die Nähe zur Hauptfigur führt dazu, dass Unsicherheit, Überforderung und innere Zerrissenheit spürbar werden. Der Film fordert dadurch emotionale Auseinandersetzung, ohne zu überfordern oder zu belehren.
Im Kontext der Orange Days erhält der Film eine zusätzliche gesellschaftliche Dimension. Er dient als Ausgangspunkt für Gespräche über Gewalt an Frauen*, über gesellschaftliche Tabus und über die Schwierigkeit, Gewalt in intimen Beziehungen zu thematisieren. Besonders wertvoll ist dabei, dass der Film nicht nur Fakten vermittelt, sondern emotionale Zugänge schafft. Diese emotionale Ansprache kann dazu beitragen, Empathie zu fördern und bestehende Vorstellungen von Täter-Opfer-Dynamiken zu hinterfragen.
Darüber hinaus zeigt der Film klar, dass Liebe keine Rechtfertigung für Gewalt ist. Diese Erkenntnis wird nicht explizit formuliert, sondern ergibt sich aus der Entwicklung der Handlung. Gerade diese indirekte Vermittlung macht die Botschaft glaubwürdig und nachhaltig. Der Film respektiert die Intelligenz des Publikums und verzichtet auf einfache Antworten.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass „Noch ein einziges Mal – It Ends With Us“ einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Gewalt leistet. Die Verbindung von Liebe und Gewalt wird realistisch und differenziert dargestellt, ohne Gewalt zu relativieren oder zu romantisieren. Die konsequente Perspektive der Hauptfigur ermöglicht tiefgehende Einblicke in emotionale und psychische Prozesse, die im öffentlichen Diskurs oft
verkürzt dargestellt werden.
Der Film eignet sich besonders für Bildungs- und Awareness-Kontexte, da er sowohl emotionale Betroffenheit als auch Reflexion anregt. Er bleibt im Gedächtnis und lädt dazu ein, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aus diesen Gründen ist *„Noch ein einziges Mal – It Ends With Us“ klar empfehlenswert.
von Michelle Pruszak


















