Zum Einstieg in seine neue Rolle als Professor, stellt er sich einem kurzen 3-Fragen-Interview:
1. Welche 5 Dinge sollten andere über Sie wissen?
Berufung statt Beruf
Ich habe das große Glück, meine Leidenschaft für Steuern täglich in zwei Welten leben zu dürfen, die sich gegenseitig bereichern: als Hochschullehrer und Forscher auf der einen, als aktiver Steuerberater auf der anderen Seite. Was ich in der Praxis erlebe, bereichert meine Lehre. Was ich in der Forschung erarbeite, schärft meinen Blick auf reale Mandate.
Geduldiger Perfektionist in Forschung und Lehre
Als Hochschullehrer und Wirtschaftswissenschaftler bin ich jemand, dem analytische Sauberkeit und steuerrechtliche Korrektheit wichtiger sind als Schnelligkeit. Das gilt für meine eigene Forschung genauso wie für die Arbeit mit Studierenden. Gründlichkeit ist für mich kein Selbstzweck, sondern schlicht der einzige Weg zu einem wirklich guten Ergebnis.
Perfektionistischer Pragmatiker in der Beratungspraxis
Als Steuerberater agiere ich hingegen häufig anders. Dort suche ich für meine Mandanten häufig pragmatische Lösungen, die dennoch hohen akademischen und steuerrechtlichen Ansprüchen standhalten. Praxistauglichkeit und wissenschaftliche Genauigkeit schließen sich für mich nicht aus, sie gehören zusammen.
Wasseraffinität in jeder Form
Privat zieht es mich mit Familie und Freunden am liebsten ans, aufs, ins oder unters Wasser. Egal in welcher Form, Wasser ist mein Element.
Fairness und gegenseitige Achtung als Grundprinzip
Im zwischenmenschlichen Umgang sind Fairness und gegenseitiger Respekt für mich Grundwerte, deren Fehlen für mich eines der wenigen Dinge sind, die ich tatsächlich nur schwer akzeptieren kann.
2. Was begeistert Sie an Ihrem Fach?
Alles! Das Wort „Steuern“ ist für die meisten Menschen schlicht „unsexy“ und selten positiv konnotiert und ich gebe zu, dass dies am Beginn meines eigenen Studiums bei mir absolut nicht anders war. Ich schiebe auch noch heute die Erstellung meiner eigenen Steuererklärungen, wann immer möglich, weit vor mir her. Doch mit Blick auf das Steuerrecht (etwas ganz anderes als „Steuererklärungen“) ist das Gegenteil der Fall. Steuern begleiten uns von der Wiege bis zur Bahre, durch das gesamte Leben eines Menschen und ebenso durch jeden Unternehmenszyklus, von der Gründung bis zum Exit (oder zur Liquidation). Dazwischen liegt das wahre Leben in all seiner Vielfalt und Individualität und genau das macht das Fach so fesselnd: Vermeintlich ähnliche Sachverhalte führen steuerlich häufig zu eklatant unterschiedlichen Ergebnissen, weil jeder Fall seine eigenen Besonderheiten hat. Darüber hinaus ändern sich regelmäßig die steuerlichen Rahmenwerke in Form von Gesetzten, Rechtsprechungen und Verwaltungsauffassungen. Ich kenne persönlich keine andere Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften, die so praxisnah, dynamisch und gleichzeitig akademisch so fesselnd und anspruchsvoll ist. Meine Studierenden durch all diese Komplexität methodisch sauber zu führen, das motiviert mich jede Vorlesung aufs Neue.
3. Worauf freuen Sie sich beim Einstieg in die Lehre an der HSNR am meisten?
Ich habe das große Glück jetzt an der HSNR unter anderem im Schwerpunktstudiengang Bachelor „Steuern und Wirtschaftsprüfung" zu lehren, also auch mit jungen Menschen im Hörsaal arbeiten zu dürfen, die sich bereits gezielt für dieses Fachgebiet interessieren. Darauf freue ich mich natürlich besonders. Aber unabhängig vom Studiengang freue ich mich darauf auch weiterhin Studierende in einer Lebensphase zu begleiten, die so prägend und aufregend ist wie kaum eine andere und ihnen dabei zu helfen, die Faszination für ein Fach zu entdecken, das auf den ersten Blick vielleicht nicht nach Leidenschaft klingt, es aber absolut ist.
Vielen Dank für das Interview und herzlich willkommen an der Hochschule Niederrhein!
Autor:in:
Dr. Sandra Scheele koordiniert das Neuberufenenprogramm der Hochschule Niederrhein und verantwortet die Frühjahrs- und Herbstangebote im Qualifizierungsprogramm „Lehren & Lernen an der Hochschule Niederrhein“ (Le/Ni).
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