Die Erfahrung zeigt jedoch, dass curriculare Entwicklungsprozesse in der Praxis häufig fragmentiert, wenig transparent und stark von individuellen Lehr- und Fachinteressen geprägt sind. Für Studierende erschwert dies die Orientierung im Studium; für Lehrende entstehen Abstimmungsprobleme und wiederkehrende Grundsatzdiskussionen.
Gute Curricula entstehen im Dialog
Zukunftsfeste Curricula entstehen nicht am Reißbrett. Sie entwickeln sich im Dialog und auf der Grundlage von Evidenzen. Erst das koordinierte Zusammenspiel vieler Beteiligte ermöglicht es, Studiengänge kohärent weiterzuentwickeln – im Spannungsfeld unterschiedlicher fachlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Erwartungen. Dieses Spannungsfeld bewusst auszuhandeln ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Absolvent:innen Kompetenzen erworben haben, mit denen sie die Herausforderungen einer Welt im Wandel nicht nur bewältigen, sondern aktiv mitgestalten können.
Struktur schafft Produktivität
Produktiv wird dieses Zusammenspiel durch einen strukturierten und transparenten Entwicklungsprozess, der von Personen moderiert wird, die keine eigenen Interessen im Studiengang haben. Eine solche neutrale Moderation unterstützt insbesondere dabei,
- Curricula konsequent kompetenzorientiert auszurichten, sodass Studierende nicht nur Wissen ansammeln, sondern fachliche und überfachliche Handlungskompetenzen entwickeln,
- den Blick vom einzelnen Modul auf den curricularen Gesamtzusammenhang zu lenken – ein Perspektivwechsel, der entscheidend dazu beiträgt, dass Studierende einen roten Faden im Studium erkennen.
Curriculumwerkstätten als Entwicklungsraum
Ein bewährtes Format hierfür sind sogenannte Curriculumwerkstätten. Unter Rückgriff auf theoretische Konzepte und Methoden wie Constructive Alignment, Revised Backward Design, Persona-Arbeit oder ein systematisches Qualifikationsziele-Module-Mapping wird ein evidenzbasierter Rahmen geschaffen, in dem fachliche Entscheidungen informiert, kohärent und zielorientiert getroffen werden. Solche Prozesse fördern nicht nur die Qualität der curricularen Entscheidungen, sondern auch deren Akzeptanz im Kollegium – eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Umsetzung.
Der Invest: hoch – und lohnend
Curriculumentwicklung ist kein Selbstläufer. Sie kostet Zeit, Energie und Abstimmungsbereitschaft. Für Lehrende heißt das: zusätzliche Gespräche, das Hinterfragen der eigenen Lehre und mitunter auch kontroverse Diskussionen im Kollegium. Nicht selten fordert sie dazu heraus, etablierte Routinen oder klare modulare Zuständigkeiten zugunsten eines gemeinsamen Verständnisses von Studium und Lehre aufzugeben. Dieser Aufwand ist real.
Gleichzeitig zeigt sich: Wo Curricula gemeinsam, strukturiert und transparent entwickelt werden, zahlt sich der Einsatz aus. Ein gemeinsam entwickeltes, transparentes Curriculum reduziert langfristig Reibungsverluste, Abstimmungsprobleme und wiederkehrende Grundsatzdebatten. Studierende erkennen einen roten Faden im Studium. Die Weiterentwicklung einzelner Module wird deutlich einfacher und die kollektive Verantwortung für den Studiengang gestärkt. Curriculumentwicklung ist zweifelsohne zusätzliche Arbeit. Sie ist aber auch eine Investition in Arbeitsfähigkeit, Zusammenarbeit und Qualität der Lehre.
Hochschulweite Verständigung über Qualität
Flankiert werden könnten die studiengangspezifischen Curriculumwerkstätten von einem hochschulweiten Austausch und einer Verständigung darüber, welche Qualitätsstandstandards bei der Curriculumentwicklung berücksichtigt werden sollten. Das trägt dazu bei, Prozesse vergleichbar zu machen und institutionelles Lernen zu ermöglichen.
Der konkrete Nutzen für die Hochschule ist:
- gesteigerte Studienerfolgsquoten durch fachlich orchestrierte, kompetenzorientierte Lernpfade,
- bessere Arbeitsmarktchancen der Absolvent:innen durch klar profilierte Qualifikationsziele und konsistente Kompetenzentwicklung,
- strategische Profilbildung von Studiengängen und damit eine Stärkung der Steuerungsfähigkeit von Fachbereichen,
- höhere Zufriedenheit von Studierenden und Lehrenden durch Transparenz, Verständlichkeit und einen erkennbaren roten Faden im Studium,
- Entlastung der relevanten Stakeholder durch neutrale Moderation, die Aushandlungsprozesse strukturiert, Konflikte produktiv macht und Partikularinteressen ausbalanciert,
- institutionelles Lernen durch den systematischen Aufbau von Prozess- und Erfahrungswissen zu Erfolgsfaktoren, typischen Herausforderungen und bewährten Praktiken der Curriculumentwicklung,
- nachhaltige Qualitätsentwicklung im Rahmen interner Systemakkreditierung, da curriculare Prozesse vergleichbar, reflektierbar und kontinuierlich weiterentwickelbar werden.
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