HNX – Your way to start up!

Hochschule Niederrhein. Dein Weg.
Leon

Leon Blanckart und die Idee „Algatex"

Textilien aus Algen! Leon Blanckart forscht an der HS-Niederrhein an nachhaltigen Textilien aus Algenfäden.

Sie gilt als wenig nachhaltig und hat den Ruf, global zur Umweltverschmutzung beizutragen – die Rede ist von der Textilindustrie. Dabei entstehen gerade an der Hochschule Niederrhein immer wieder neue Projekte, die dem entgegenstehen. So denkt auch Leon Blanckart. Der Student im Master „Textile Produkte“ möchte zeigen, dass Textilproduktion auch ganz anders gehen kann. Er wollte weg von Kunststofffasern, die im Verdacht stehen, Mikroplastik ins Wasser zu spülen, und von Baumwolle, die zu viel Wasser verbraucht und für deren Anbau in Monokulturen enorme Mengen an Pestiziden und Dünger eingesetzt werden. So kam ich auf Algen als alternativer Faserrohstoff“, sagt der 25-Jährige, der sich in seiner Bachelorarbeit erstmals mit dem Thema beschäftigte, ob man Textilien in Zukunft aus aquatischer Biomasse herstellen könnte.

Ein innovativer und nachhaltiger Gedanke – immerhin sind Algen auch in der Pharma- und Lebensmittelindustrie schon in den Fokus gerückt, auch, weil sie viele interessante Eigenschaften besitzen, beispielsweise teilweise antibakteriell wirken. „Die Textilindustrie hatte sie bisher aber als eigenständige Faser nicht im Blick. Dabei wachsen Algen unter richtigen Bedingungen schnell und lassen sich ressourcenschonend kultivieren“, sagt Leon Blanckart. Als er gleich drei bedeutende Preise für seine Bachelorarbeit erhielt, war spätestens klar: Das Thema hat Potenzial. Und so startete er parallel zum Masterstudium als Ideengeber in das Forschungsprojekt AlgaTex in den Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches vom Fachbereich Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein im Frühjahr 2021 beim Projektträger Jülich eingereicht wurde. Die Projektleitung liegt bei Professorin Ellen Bendt, die bereits die Bachelorarbeit von Blanckart betreute und ebenfalls großes Potenzial in der Verwendung von Algen als Faserrohstoff sieht.

Derzeit befindet sich das Projekt mitten in der Sondierungsphase.  Im Juni stellt das Forschungsteam dann in einer Wettbewerbssituation in Berlin sein Vorhaben vor, um sich gegen andere innovative Ideen und Projekte durchzusetzen und eine Förderung für eine anschließende auf drei Jahre ausgelegte Machbarkeitsphase zu erhalten. „Da wir Textiler und keine Biologen sind, brauchen wir verschiedene Partner an unserer Seite“, sagt Leon Blanckart. Eine wichtige Rolle spielt dabei die interuniversitäre Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflanzenwissenschaften und Mikrobiologie der Universität Hamburg, mit dem das Forschungsteam nun schon seit einiger Zeit kooperiert. „Das dortige Team identifiziert immer wieder verschiedene potenziell interessante Algenarten, die wir in den vielfältigen Laboren der Hochschule auf ihre textile Nutzbarkeit hin prüfen, und unterstützt uns mit seiner biologischen Expertise.“ Dafür wurde auch an der Hochschule ein Labor eingerichtet, in dem im kleinen Rahmen Algen kultiviert werden.

Bevor die Idee auf die industrielle Ebene skaliert werden kann, muss allerdings nicht nur das Platzproblem gelöst werden. „Ziel ist es, ein textiles Produkt aus Algen herzustellen und das auf nachhaltigem Weg“, sagt Leon Blanckart. „Daher sollen die Algen möglichst aus einer Kreislaufwirtschaft stammen. Langfristig ist hier zum Beispiel eine Kooperation mit Fischzüchtern möglich, die im Bereich der Aquaponik tätig sind und sich eine kombinierte Algen- und Fischzucht vorstellen können.“ Grundsätzlich gebe es viele verschiedene Algenarten mit wiederum unterschiedlichen Oberflächenstrukturen und Eigenschaften. „Ich suche nach Algen, die so aufgebaut sind, dass man sie für eine textile Nutzung aufbereiten kann.“

Der Student, der als Ideengeber und als wissenschaftliche Hilfskraft in dem Forschungsprojekt arbeitet, kann sich eine Ausgründung gut vorstellen. „Zu Beginn meines Studiums war Selbstständigkeit noch überhaupt kein Thema für mich. Aber es hat sich etwas geändert – auch hier an der Hochschule. Mit dem HNX-Team ist das Thema Gründung sehr stark in den Fokus gerückt. Nun gibt es hier ein interessantes Netzwerk, dass einiges an Unterstützung bietet. So hatte ich ja zum Beispiel keine Ahnung, wie man sich vertraglich absichern muss, wenn man Projektpartner ins Boot holt. Da hat mich das HNX-Team sehr gut beraten. Und auch die Workshops und Vorträge sind interessant. Beispielsweise auch die Präsentationen anderer Gründer – und da nimmt man dann etwa mit, dass man ruhig auch mal scheitern darf.“

Aktuell steht unter anderem die Suche nach interessierten Projektpartnern für eine mögliche Machbarkeitsphase des Projektes im Vordergrund. „Vor allem die Frage, wie wir die Algen in großer Menge kultivieren können, muss beantwortet werden“, sagt Leon Blanckart. „Genauso wie die Entwicklung von Verfahren für die optimale Gewinnung, textile Aufbereitung und Verarbeitung und die Eingrenzung der Bandbreite der textilen Anwendungen. Textile Partner könnten aufgrund der bisher festgestellten Eigenschaften der Algen aus den Produktionsfeldern Nonwovens, Web- und Maschenware kommen sowie aus den Produktbereichen funktionale Bekleidung, PSA oder auch anderen technischen Anwendungen.“

Leon Blanckart ist froh, dass er dank „Algatex“ einen fließenden Übergang zwischen Studium und Beruf erleben darf. „Mein Fokus liegt auf dem Algenprojekt und einer möglichen Gründung. Ich muss mir keine Sorgen machen, was nach dem Masterabschluss im Sommer kommt. Besonders glücklich bin ich, dass ich durch das Projekt einen Beitrag leisten kann, unsere Welt vielleicht ein Stück weit nachhaltiger zu gestalten. Dieser Gedanke ist mir sehr wichtig.“