Die Textilindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel. Steigende Nachfrage nach natürlichen Fasern trifft auf begrenzte Ressourcen, während synthetische Materialien zunehmend in der Kritik stehen. Ein Forschungsteam der Hochschule Niederrhein arbeitet an einer möglichen Alternative und erhält dafür nun eine der renommiertesten Förderungen für Ausgründungen aus der Wissenschaft.
Das Projekt „Algacore“ unter der Leitung von Leon Blanckart, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik am Standort Mönchengladbach, wird durch das Förderprogramm EXIST-Forschungstransfer unterstützt. Mit einem Fördervolumen von rund 968.000 Euro und einer Laufzeit von 18 Monaten zählt die Bewilligung zu den seltenen Erfolgen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in diesem Programm und unterstreicht die wissenschaftliche Qualität sowie das wirtschaftliche Potenzial des Vorhabens.
Das fünfköpfige Team arbeitet ab April an der Entwicklung einer neuartigen Faserressource auf Basis von Süßwasseralgen. „Unser Ziel ist es, spezielle Grünalgen als alternative textile Rohstoffquelle zu erschließen und damit eine nachhaltigere Grundlage für die Textilproduktion zu schaffen“, sagt Projektleiter Leon Blanckart. Damit reagieren die Forschenden auf eine fundamentale Herausforderung, vor der die globale Textilindustrie momentan steht. Die Nachfrage nach natürlichen Fasern steigt stetig, während die Produktion traditioneller Rohstoffe an ihre ökologischen und kapazitiven Grenzen stößt. Der Anbau von Baumwolle erfordert große Mengen an Wasser, Ackerflächen und Pestiziden, während synthetische Fasern aus nicht erneuerbaren Ressourcen hergestellt werden und Mikroplastik freisetzen können.
Bereits im Februar dieses Jahres endete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Vorgänger-Projekt „AlgaTex“, das sich über vier Jahre hinweg mit fädigen Grünalgen als potenziellem Faserstoff der Zukunft beschäftigte. Ausgangspunkt war die Bachelorarbeit von Leon Blanckart, aus der sich ein umfassendes Forschungsvorhaben entwickelte. Gemeinsam mit dem Institute for Plant Science and Microbiology (IPM) der Universität Hamburg sowie verschiedenen Industriepartnern arbeitete das Team an der Optimierung von Kultivierungsprozessen, der Faseraufbereitung und -verarbeitung sowie an ersten Ansätzen der textilen Produktentwicklung. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse bilden nun eine wichtige Grundlage für das neue Forschungsvorhaben „Algacore“.
„Mit Algacore wollen wir zeigen, dass sich innovative Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen entwickeln lassen, die sowohl ökologisch sinnvoll als auch industriell nutzbar sind“, sagt Leon Blanckart. „Unser Ziel ist es, eine echte Alternative zu bestehenden Faserstoffen zu schaffen und die Textilproduktion nachhaltiger zu gestalten.“
In den kommenden Monaten will das Team die Forschungsergebnisse weiter ausbauen und die Grundlage für eine Unternehmensgründung schaffen. Begleitet wird das Projekt von Professorin Diplom-Designerin Ellen Bendt und Professor Dr. Groten aus dem Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik sowie vom HNX-Team für Existenzgründung.
Das Förderprogramm EXIST-Forschungstransfer ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Es unterstützt besonders anspruchsvolle technologieorientierte Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.



















