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Sie tauschten sich beim Round Table der IHK aus (v.l.): Jürgen Germann (Leiter für Regierungsbeziehungen bei 3M), Dr. Christian Temath (Geschäftsführer der Kompetenzplattform KI.NRW), Markus Schmidt (Teamleiter Ausbildung und Hochschulmarketing der NEW AG), Prof. Dr. Susanne Meyer (Präsidentin der Hochschule Niederrhein), Ina Brandes (Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen) und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Foto: IHK

Austausch zwischen Ministerin und Wirtschaft: Welche Chancen bieten Künstliche Intelligenz und Digitalisierung?

Wie verändern Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Innovationsstrukturen die berufliche Bildung, Ausbildungsberufe und die regionale Fachkräftesicherung? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Round-Table-Austauschs zwischen Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, der Hochschule Niederrhein und Vertretern von Unternehmen. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz begrüßte die Gäste im IHK-Pavillon auf dem Neusser Wendersplatz: „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern nicht nur Software, Maschinen oder einzelne Geschäftsmodelle. Sie verändern konkrete Tätigkeiten, Ausbildungsberufe und Kompetenzprofile. Wissen veraltet schneller, neue Werkzeuge kommen in immer kürzeren Abständen hinzu. Für unsere Unternehmen entstehen daraus große Chancen für Produktivität und Innovation – zugleich aber erheblicher Handlungsdruck. Gerade im Mittelstand fehlt es häufig nicht an Interesse, sondern an der Übersetzung in die Praxis. Wir wollen heute ausloten, wie das besser gelingen kann.“

In ihrem Impulsvortrag führte die Ministerin aus, die Wirtschaft sei im Zeitalter des demografischen Wandels auf technologischen Fortschritt angewiesen. Wissenschaftsministerin Brandes: „KI, Automatisierung und insbesondere Robotik werden einen Teil der fehlenden Arbeitskraft ersetzen müssen. Und deshalb muss KI-Kompetenz zum Basiswissen für alle gehören. Bislang haben nur wenige Menschen ein belastbares Verständnis davon, was KI ist, kann und was sie nicht kann.“ Zugleich werde Fachwissen im Zeitalter der KI noch wichtiger. Ministerin Brandes: „Nur wer ein tiefes Verständnis davon hat, wofür er die KI einsetzen kann, wird später auch die Ergebnisse der KI überprüfen können.“ Angesichts der weltweiten Vormachtstellung der Vereinigten Staaten bei generativen KI-Modellen wie ChatGPT liege die Chance Deutschlands, industrielle KI-Anwendungen in kleineren Modellen für spezialisierte Anwendungen zu entwickeln.

Prof. Dr. Susanne Meyer, Präsidentin der Hochschule Niederrhein, beschrieb KI als doppelten Transformationstreiber der Hochschule: Einerseits verändere Künstliche Intelligenz die Kompetenzen, die vermittelt werden müssen, andererseits auch die Art, wie Lehre künftig funktionieren müsse. Meyer: „KI zu verstehen, sinnvoll einzusetzen und ihre Ergebnisse kritisch beurteilen zu können, sind zentrale Kompetenzen.“ Die Hochschul-Präsidentin sieht großes Potenzial für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, um im Rahmen von Studien-, Forschungs- und Abschlussprojekten konkrete Probleme der Unternehmen zu lösen. 

Dr. Christian Temath, Geschäftsführer der Kompetenzplattform KI.NRW, betonte, dass sich KI vom Spezialthema zum Breitenthema für Unternehmen entwickelt habe. „Die zentralen Transferfragen lauten: Wie gelangen Forschungsergebnisse und verfügbare Technologien insbesondere in kleine und mittelständische Unternehmen, und wie werden Betriebe befähigt, eigenen Bedarf zu erkennen und zu formulieren?“

Markus Schmidt, Teamleiter Ausbildung und Hochschulmarketing der Mönchengladbacher NEW AG, ergänzte: „Unternehmen benötigen Nachwuchskräfte, die neben Fachwissen insbesondere Teamfähigkeit, Offenheit, Umgang mit Unsicherheit und praktische KI-Kompetenz mitbringen. Wir lassen Auszubildende KI praktisch erproben und Ergebnisse mit und ohne KI vergleichen. Dadurch werden Chancen und Grenzen der Technologie unmittelbar erfahrbar.“ 

Für Jürgen Germann, Leiter für Regierungsbeziehungen bei 3M in Neuss, liegen die Vorteile von KI vor allem in der Beschleunigung von Forschung und Entwicklung sowie besseren Produktions- und Qualitätssicherungsprozessen. Germann plädierte für eine besser strukturierte und koordinierte Zusammenarbeit der Akteure aus Schule, Staat, Wissenschaft und Wirtschaft, um bei der Weiterentwicklung von KI in Deutschland effizienter zu agieren.

Beim Fazit des Round-Tables herrschte Einigkeit unter allen Beteiligten: Die fortschreitende Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bieten große Chancen. Um diese Möglichkeiten optimal zu nutzen, müssen Hochschulen, Unternehmen, Berufsschulen, Kammern und alle Akteure des Bildungssystems enger zusammenarbeiten. „Berufliche Bildung und Hochschulen ergänzen sich dabei“, betonte Steinmetz. „Alle werden gebraucht.“

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