Wie können Hochschulen in einer Grenzregion gemeinsam attraktive Studienangebote schaffen, internationale Erfahrungen ermöglichen und gleichzeitig junge Talente in der Region halten? Mit dem neuen Interreg-Projekt „Trinational Education in Agrifood“ wollen vier Hochschulen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien neue Wege in der grenzüberschreitenden Hochschulbildung gehen. Die Hochschule Niederrhein (HSNR) ist als deutscher Hochschulpartner beteiligt. Für das Vorhaben stehen im Förderzeitraum vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2029 rund 1,3 Millionen Euro aus dem Interreg-Förderprogramm zur Verfügung.
Im Mittelpunkt steht der Agrar- und Lebensmittelsektor, der für die Region eine große wirtschaftliche Bedeutung hat und zugleich vor besonderen Herausforderungen steht. Die Zahl der Studierenden in diesem Bereich geht zurück, während Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.
„Die Grenzen zwischen unseren Regionen sind im Alltag längst durchlässig. Das sollte auch für die Hochschulbildung gelten. Mit dem trinationalen Studienangebot schaffen wir internationale Erfahrungen, ohne dass Studierende dafür ihre Region verlassen müssen. Gleichzeitig eröffnen wir ihnen neue Perspektiven und stärken die Verbindung zu den Unternehmen vor Ort“, sagt Prof. Dr. Georg Wittich, Dekan des Fachbereichs Oecotrophologie der HSNR.
International studieren – direkt vor der Haustür
Das Projekt setzt auf eine niedrigschwellige Form der Internationalisierung: Studierende sollen grenzüberschreitende Erfahrungen sammeln können, ohne dafür zwingend ein klassisches Auslandssemester absolvieren zu müssen. Dafür werden gemeinsame Module und Austauschformate entwickelt und zunächst in einem Pilotsemester erprobt. Perspektivisch sollen die Formate fest in den Curricula verankert und zu einem trinationalen Studienangebot weiterentwickelt werden.
Beteiligt sind vier Hochschulen mit insgesamt 13 Bachelorprogrammen und rund 1.600 Studierenden: Neben der HSNR sind die Universität Maastricht (Campus Venlo, Niederlande), die HAS Green Academy in ’s-Hertogenbosch (Standort Venlo, Niederlande) und die Universität Hasselt (Belgien) Partner des Projekts. Federführender Partner ist die Euregio Rhein-Maas-Nord.
„Für unsere Studierenden eröffnet die grenzüberschreitende Kooperation ganz neue Möglichkeiten, internationale Erfahrungen unmittelbar in ihr Studium zu integrieren. Sie lernen dabei nicht nur andere Bildungssysteme und fachliche Perspektiven kennen, sondern erwerben auch wichtige interkulturelle Kompetenzen. Gleichzeitig können wir unser Studienangebot um praxisnahe und internationale Komponenten erweitern und damit noch attraktiver für Studierende machen, erklärt Wittich.
Unternehmen als Partner
Eine zentrale Rolle spielt die regionale Wirtschaft. Im Rahmen des Projekts soll ein transnationales Unternehmensnetzwerk aufgebaut werden. Mehr als 100 Unternehmen sollen als Botschafter für die grenzüberschreitende Bildungsregion gewonnen werden und unter anderem Praktikumsplätze anbieten. Beim Aufbau dieses Netzwerks wird das „foodineum“ in Neuss das Projekt unterstützen.
Damit verbindet das Projekt Studium und Berufsperspektiven über die Landesgrenzen hinweg. Denn die Region funktioniert längst als gemeinsamer Arbeitsmarkt: Unternehmen suchen Fachkräfte unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze diese studiert haben. Die Studierenden wiederum erhalten die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen und Arbeitskulturen kennenzulernen und berufliche Netzwerke in der gesamten Region aufzubauen.
Von der Projektidee zur dauerhaften Struktur
Neben den konkreten Bildungs- und Austauschformaten geht es im Projekt auch darum, langfristige Strukturen für die Zusammenarbeit zu schaffen. Administrative Hürden sollen identifiziert und abgebaut, gemeinsame Prozesse entwickelt und eine Roadmap für die weitere Kooperation erarbeitet werden.
Eine gemeinsame Kommunikationskampagne soll zudem die Attraktivität eines Studiums im Agrifood-Bereich erhöhen und die Bildungsregion über die Grenzen hinweg sichtbarer machen. Ziel ist es aus dem Pilotprojekt ein nachhaltiges trinationales Bildungsnetzwerk zu entwickeln.



















