Wie gelingt der Strukturwandel im Rheinischen Revier ganz konkret? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Besuchs von Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, bei der Farbenfabrik Oellers in Aldenhoven. Im Rahmen der NRW Innovation Tour verschaffte sich die Ministerin Einblick in ein gemeinsames Projekt von Oellers, der Hochschule Niederrhein (HSNR) und dem Technologiepartner 3Win. Das Vorhaben zeigt exemplarisch, wie angewandte Forschung marktfähige industrielle Lösungen hervorbringt.
Das vom Land NRW und vom Bund geförderte Projekt „P-REx“ nutzt biotechnologische Verfahren, um landwirtschaftliches Abwasser in einen industriell nutzbaren Rohstoff zu verwandeln – unter anderem für die Lackindustrie. Ein Stoff, der bislang als Umweltproblem galt, wird so zu einer wertvollen Ressource und leistet einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Im Projekt „BioPhosCoat“ entwickeln die Partner ein phytinsäurebasiertes Bindemittel für den Korrosionsschutz. Die dafür benötigte Phytinsäure wird aus landwirtschaftlichen Reststoffen gewonnen, unter anderem aus Schweinegülle. Forschungsergebnisse aus dem Labor werden so direkt in die industrielle Anwendung überführt. Für Oellers ist die enge Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Technologiepartnern ein zentraler Erfolgsfaktor. „Für uns ist die Kooperation mit der Hochschule entscheidend, um Innovationen wirklich in die Praxis zu bringen“, erklärt Geschäftsführer Paul Oellers. Durch die Verbindung von Forschung, industrieller Erfahrung und technologischer Expertise entstehen Lösungen, die ökologisch wie ökonomisch überzeugen.
Mona Neubaur, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin: „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauchen wir Menschen und Unternehmen, die sich trauen, neue Wege zu gehen. Tag für Tag arbeiten kluge Menschen in Laboren, Werkshallen und Büros an konkreten Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit. Echte Technologieoffenheit, kluge Ideen und starke Partnerschaften sorgen dafür, dass aus Erfindungen marktfähige Lösungen werden – und aus diesen Lösungen Wohlstand und gute Arbeit. Das ist Zukunft, die vor Ort entsteht – und von der alle profitieren.“
Auch die HSNR sieht ihre Rolle darin, Forschung gezielt in die Anwendung zu überführen. „Wir bringen Forschung dorthin, wo sie Wirkung entfaltet – in den Mittelstand und in die regionale Industrie. Kooperationen wie mit der Farbenfabrik Oellers sind für uns zentral. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften arbeiten wir gemeinsam mit Unternehmen an Lösungen für reale Herausforderungen und tragen so zur Stärkung des Innovationsstandorts Nordrhein-Westfalen bei“, sagt Professorin Dr. Kathleen Diener, Vizepräsidentin für Forschung und Innovation.
Der Besuch bei der Farbenfabrik Oellers ist Teil der NRW Innovation Tour, mit der Ministerin Neubaur den direkten Austausch mit Unternehmen, Beschäftigten und Wissenschaft sucht. Ein zentraler Aspekt der Tour ist die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation sowie die Verbesserung der Standortbedingungen für zukunftsorientierte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen.
Die Farbenfabrik Oellers, Familienunternehmen seit 1949, entwickelt und produziert am Firmenstandort Farben, Lacke und Bodenbeschichtungen für Industrie- und Handelsunternehmen sowie Handwerksbetriebe aber auch Endverbraucher. Inhaber Paul Oellers legt dabei besonderen Wert auf die kontinuierliche Verbesserung der Umweltfreundlichkeit seiner Produkte. Bereits seit Jahren setzt er etwa bei Lacken erfolgreich auf nachwachsende Rohstoffe regionaler Zulieferer, wie Alkydharze oder Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen. Auch das Forschungsprojekt P-REx ist eine konsequente Fortführung dieses Engagements.


















