Pepper könnte ein paar Gramm mehr auf den Rippen haben, ist aber ansonsten ein ganz ansehnlicher Robboter. Was der gelenkige Nerd aus dem Labor des Fachbereichs Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Niederrhein (HSNR) zu wenig hat an Körpergewicht, das gleicht er durch Künstliche Intelligenz aus. In der Krefelder Seniorenresidenz Hanseanum können sich die Bewohnerinnen und Bewohner im Gartensaal der Einrichtung davon überzeugen, wie charmant sich der weiße Gnom mit den großen schwarzen Kulleraugen auf ein Gespräch einlässt.
„Pepper, hast du eine Freundin?“, fragt beispielsweise Marianne Knepper. „Meine Familie, das sind die Entwickler um Professor Kleutges an der Hochschule Niederrhein“, antwortet Pepper der Hanseanum-Bewohnerin mit freundlicher Computerstimme. Die 86-jährige Krefelderin und alle anderen im Saal applaudieren und löchern fortan die humanoide Maschine mit weiteren Fragen: Wie siehst du die Zukunft? Darf man dich duzen? Wie findest du Carlos als Chef?
Carlos Benites ist heute beim Pepper-Auftritt im Hanseanum tatsächlich so etwas wie der Programmier-Chef des quirligen Automaten. Der 29-Jährige studiert an der Hochschule Niederrhein bei Professor Dr.-Ing. Markus Kleutges im 10. Semester Wirtschaftsingenieurwesen. Das Pepper-Projekt ist für den Mönchengladbacher mit peruanischen Wurzeln sozusagen das Ticket zum Bachelor-Examen. Mit seinem Thema „Entwicklung eines LLM-basierten Dialog-Programms mit Echtzeitdaten für den humanoiden Roboter Pepper mit Hilfe von Retrieval-Augmented Generation“ ist der Hanseanum-Besuch der Praxistest für seine Abschlussarbeit.
LLM ist ein Technologie-Sprachmodell, vergleichbar mit ChatGPT. „KI ist heute ein wichtiges Thema“, stellt der Student zu Beginn seiner Präsentation klar. Carlos ist der smarte Entertainer in der Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band, in der sein Professor hinten im Saal der Bandleader ist und den Beat vorgibt. „Über unser Projekt Technische Systeme, Informatik und Mathematik für Wirtschaftsingenieure haben bereits einige Studierende ihren Bachelor of Science gemacht“, ist Professor Dr. Markus Kleutges stolz, wie der innovative Ansatz den akademischen Nachwuchs fördert.
Das aufgeschlossene Hanseanum trägt maßgeblich dazu bei, dass die universitäre Theorie in die gelebte Praxis getragen wird und die Seniorinnen und Senioren beflügelt: Alle sind mit Begeisterung dabei, der interaktive Begleiter ist beliebt seit seinem ersten Auftritt an der Neusser Straße 6 vor knapp zwei Jahren. Wie meinte doch vorhin Pepper auf die Frage nach der Zukunft: „Über unsere Technologie entwickeln wir neue Wege des Zusammenlebens. Das ist eine Herausforderung mit sehr viel Potenzial.“


















