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Heinrich-Lange
Professor Dr. Heinrich Lange

Zum 160. Geburtstag von Heinrich Lange - ein Pionier der Fachhochschul-Idee

Krefeld, 19. Juli. Am 22. Juli 2013 wäre er 160 Jahre alt geworden: Dr. Heinrich Lange, erster Direktor der Färberei- und Appreturschule, Vorgängereinrichtung des Fachbereichs Chemie an der Hochschule Niederrhein. Unbedingte Praxisnähe in Forschung und Lehre war für ihn wesentlich. Damit ist er bis heute ein Vorbild der angewandten Forschung, die als ihre Hauptaufgabe den Transfer in die Praxis sieht.

 

Lange wurde am 22. Juli 1853 als Sohn eines Färbereibesitzers in Erndtebrück/Westfalen geboren. Er erlernte zunächst das Färberhandwerk bei seinem Vater. Danach arbeitete er als Färber im In- und Ausland und sammelte Erfahrungen auf der ganzen Breite der Textilveredlung, also in Färbereien, Bleichereien, Druckereien, Appreturanstalten und Kleiderfärbereien. Nach acht Jahren kehrte er zurück in den väterlichen Betrieb. Hier fand er als Nur-Empiriker keine volle Befriedigung – er wollte die Prozesse tiefer verstehen.

 

Mit Genehmigung seines Vaters begann er daher im Alter von 25 Jahren das Chemiestudium in Berlin. 1882 promovierte er in Freiburg zu einem Thema aus dem Umfeld der Farbstoffsynthese. Im Anschluss begann er als Chemiker-Colorist bei der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) in Stuttgart. Dort wurden die Rezepturen für das Färben der verschiedensten Textilien entwickelt und optimiert. Die bei der  Entwicklung von diesen Färberezepturen gemachten Erfahrungen waren dann ausschlaggebend für die Berufung Langes nach Krefeld im Jahr 1883.

 

Diese Berufung bedeutete nicht die Übernahme der Leitung einer bereits funktionierenden Institution, sondern Aufbau, Organisation und Leitung einer Ausbildungsstätte, für welche es kein Vorbild gab. So konnte Lange beim Aufstellen des Programms für die Arbeit des Instituts in erster Linie seine persönlichen Erfahrungen einbringen. Sein Leitmotiv war der Anwendungsbezug und die hierfür erforderliche saubere wissenschaftliche Grundlage.

 

Prof. Dr. Wilhelm Massot, einer seiner engsten Mitarbeiter, hat dies in seiner Festrede zum 25-jährigen Bestehen der Schule folgendermaßen formuliert: „(Ihm) ist es gelungen, im Laufe dieser Zeit eine Anstalt zu schaffen, wie sie in solcher Eigenart vorher weder in Deutschland noch in einem anderen Kulturstaat zur Aneignung der theoretischen und praktischen Kenntnisse auf dem Spezialgebiet der chemischen Technologie, der Färberei, Druckerei und ihrer Hilfsdisziplinen, bestanden hat."

 

Prof. Dr. Heinrich Lange gelang es in den folgenden Jahren, die Schule zu einer international beachteten Institution zu entwickeln. Der Raum für die nach Krefeld strömenden Studierenden wurde knapp, so dass 1895 ein neues Gebäude an der Adlerstraße bezogen werden konnte. Die Preußische Färberei- und Appreturschule wurde als eigenständige Institution ausgegliedert. Die Kapazität der Studienplätze wurde fast verdoppelt und die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert. Über das Pensionsalter hinaus – bis zum seinem Tod am 20. November 1920 - leitete und prägte Direktor Lange erfolgreich die Färberei- und Appreturschule.

 

Ziel der Schule war es, den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Praxis aufzuzeigen, die Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse für die Praxis zu prüfen und herzustellen. Die von ihm angestellten Lehrer sollten dafür Erfahrungen in der Industrie erworben haben. Mit diesem Konzept nahm Lange schon vor 130 Jahren den Gedanken der 1971 gegründeten Fachhochschulen vorweg.

 

Auch heute noch ist der Name Heinrich Lange eng mit der Hochschule Niederrhein verbunden. Die Professor-Heinrich-Lange-Stiftung vergibt Stipendien für erfolgreiche Abschlussarbeiten im Bereich der Textilchemie.

 

"Zweck des Stipendienpreises ist es, in der Region das Bewusstsein für textilchemische Fragestellungen aufrechtzuerhalten und zu fördern", erklärt Dr. Jürgen Schram, Professor am Fachbereich Chemie und Vorsitzender der Professor-Heinrich-Lange-Stiftung.

 

Pressekontakt: Tim Wellbrock, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Niederrhein, Tel.: 02151 822-2934, E-Mail: tim.wellbrock(at)hs-niederrhein.de

 

Autor: Tim Wellbrock