Auch an der Hochschule Niederrhein eröffnen sich durch generative KI neue Möglichkeiten für Lehre, Lernen, Forschung, Service und Verwaltung. Im Bereich Studium und Lehre entstanden bereits zahlreiche Initiativen, in denen der Einsatz generativer KI erprobt und erste Erfahrungen gesammelt wurden. Darauf aufbauend stellte sich zunehmend die Frage nach einer gemeinsamen hochschulweiten Orientierung: Wo liegen Chancen und Grenzen generativer KI in Studium und Lehre? Welche Kompetenzen brauchen Studierende und Lehrende? Was darf man und was nicht? Und vor allem: Wie möchte die Hochschule Niederrhein mit generativer KI umgehen?
Mit der Einführung von KI:connect, einer landesweiten, datenschutzkonformen Plattform mit Zugang zu modernen KI-Anwendungen, wurde zu Beginn des Jahres bereits ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker institutionell verankerten Nutzung generativer KI gegangen. Mit dem nun im September veröffentlichten Positionspapier zum Einsatz generativer KI in Studium und Lehre folgt ein weiterer: Die Hochschule formuliert eine gemeinsame Position zum Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre und schafft damit einen offiziellen Ausgangspunkt für die weitere hochschulweite Gestaltung. Das Positionspapier kann also als Startschuss verstanden werden: für mehr Orientierung, für gemeinsame Entwicklung und dafür, den Einsatz generativer KI als hochschulweite, kreative Gestaltungsaufgabe zu verstehen.
Am Anfang stand die Frage nach einer gemeinsamen Richtung
Die Idee für das Positionspapier entstand im Kontext des hochschulinternen Think Tanks „Generative KI in Studium und Lehre“, der sich von März 2025 bis April 2026 intensiv mit grundlegenden Fragen zum Einsatz generativer KI in Studium und Lehre beschäftigte. In den gemeinsamen Diskussionen wurde schnell deutlich, dass sich alles rund um generative KI derzeit so dynamisch entwickelt, dass detaillierte Vorgaben schnell überholt sein können. Der Think Tank empfahl daher, zunächst eine gemeinsame Richtung zu entwickeln.
Daher wurde das Projekt „KI in Lehren, Lernen und Prüfen“ mit der Ausarbeitung eines Positionspapiers beauftragt, das eine grundsätzliche, technologieoffene Positionierung der Hochschule formulieren sollte.
Das Projektteam gestaltete die Entwicklung des Positionspapiers partizipativ: Erste Entwürfe wurden mit unterschiedlichen Bereichen der Hochschule diskutiert (u. a. mit dem Think Tank, dem eLearning, der Hochschuldidaktik und dem Governance, Compliance und Datenschutz Lab). Perspektiven aus verschiedenen Bereichen flossen immer wieder ein, Formulierungen wurden in Gesprächen hinterfragt, geschärft und erneut abgestimmt. Das Positionspapier wurde schließlich vom Senat der Hochschule Niederrhein verabschiedet.
Orientierung und Freiheit statt Verbote
Das Papier soll weder Handbuch noch Regelwerk sein. Daher beantwortet es z. B. nicht im Detail, welche Tools generativer KI sich für welche Szenarien eignen, wie KI-gestützte Lehrveranstaltungen konkret gestaltet werden können oder wie der Einsatz generativer KI in Prüfungen aussehen kann. Für diese konkreten Fragen steht Lehrenden das in Moodle verfügbare „FAQ zu generativer KI in Studium und Lehre“ zur Verfügung. Dieses FAQ wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert. Darüber hinaus bietet das Le/Ni-Programm Lehrenden in regelmäßig stattfindenden Workshops die Möglichkeit, sich zum Einsatz generativer KI weiterzubilden und auszutauschen.
Die zentrale Botschaft des Positionspapiers lautet: Die Hochschule Niederrhein befürwortet ausdrücklich den Einsatz generativer KI in Lehren, Lernen und Prüfen im Rahmen des Wertekompasses der Hochschule.
Das Positionspapier formuliert damit eine gemeinsame Richtung für die Hochschule und lässt dabei bewusst Freiräume für eine Technologie und eine Hochschulpraxis, die sich sehr dynamisch entwickeln. Es soll Hochschulangehörige darin bestärken, die Möglichkeiten generativer KI aktiv und kreativ auszuprobieren, ohne dabei Risiken und Grenzen aus dem Blick zu verlieren. Studierende sollen lernen, generative KI kompetent, kritisch, verantwortungsvoll und zugleich kreativ einzusetzen. Lehrende sollen neue Formen des Lehrens, Lernens und Prüfens entwickeln und erproben können. Gleichzeitig bleiben wissenschaftliche Standards, Transparenz, Eigenverantwortung und rechtliche Rahmenbedingungen zentrale Bezugspunkte.
Ein Startschuss
Das Papier versteht sich als Startschuss für einen gemeinsamen Entwicklungsprozess.
Dazu gehören der hochschulweite Zugang zu KI-Werkzeugen über KI:connect, die Erprobung neuer Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien sowie ein Austausch innerhalb der Hochschule über Chancen, Risiken und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Unterstützt wird dieser Prozess durch die kontinuierliche Weiterentwicklung des FAQ sowie durch Qualifizierungs- und Austauschformate.
Die Hochschule möchte generative KI nicht einfach geschehen lassen, sondern den Weg gemeinsam gestalten und generative KI verantwortungsvoll, reflektiert und kreativ nutzen. Das Positionspapier hält eine gemeinsame Haltung fest, von der aus Neues ausprobiert, kritisch reflektiert und weiterentwickelt werden kann.
Link zum Positionspapier für generative KI in Studium und Lehre: https://doi.org/10.82523/HSNR-695
Link zum FAQ für generative KI in Studium und Lehre – für Lehrende: https://moodle.hsnr.de/course/view.php?id=12378
Link zum Le/Ni: Programm: https://www.hs-niederrhein.de/angebote-fuer-lehrende/
Link zu KI:connect: https://chat.kiconnect.nrw/
Am 15. Oktober 2026 von 12 bis 13 Uhr findet der Le/Ni: Talk „Ja zu generativer KI – aber wie? Das Positionspapier zum Einsatz generativer KI in Studium und Lehre“ statt. Dort stellen Prof. Dr.-Ing. Michael Heber, Vizepräsident für Studium und Lehre, Prof. Dr. Michael Gref als Vertreter des Think Tanks „Generative KI in Studium und Lehre“ sowie Lea-Sophie Natter aus dem Projekt „KI in Lehren, Lernen und Prüfen“ das Positionspapier vor, geben Einblicke in dessen Entstehung und stehen für Fragen und gemeinsamen Austausch zur Verfügung. Hier können Sie sich für den Le/Ni: Talk anmelden: https://verwaltung.hs-niederrhein.de/ant/hochschul-und-mediendidaktik/events/42/dates/1725
Autor:in:
Lea-Sophie Natter ist Projektleitung im Projekt „KI in Lehren, Lernen und Prüfen“ an der Hochschule Niederrhein. Sie hat die Entwicklung und Umsetzung des Positionspapiers maßgeblich mitgestaltet und verantwortet.
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