Forschungsprojekt 5GCampBOS
gefördert im Förderprogramm KoPa_45 der BDBOS

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Willkommen beim Projekt 5GCampBOS

Vollständiger Name: Zuverlässige und energieeffiziente BOS-Kommunikation mit 5G-Campusnetzen und Device-to-Device-Kommunikation

 

Kurzvorstellung

Das Kommunikationssystem für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ist die tragende Stütze für die Koordinierung von Einsatzkräften in Not- und Katastrophenfällen. Rückfall-Lösungen wie Satellitentelefone (zu komplex für schnellen Einsatz) oder das öffentliche Mobilfunknetz (Angewiesen auf das Stromnetz) können in Notsituationen nicht vorausgesetzt werden. Die zuverlässige und umfassende Funktion eines BOS Kommunikationssystems ist unerlässlich. Deshalb ist es sinnvoll, neue Technologiestandards laufend auf ihre Nutzbarkeit zu prüfen und zu testen, ob sie einen Mehrwert zu bestehenden Architekturen bieten können. So erreicht man redundante Rückfalllösungen für den Fall, dass einzelne oder mehrere Systeme ausfallen.

Die 5G-Technologie bietet im Vergleich zur aktuell genutzten TETRA BOS-Technologie entscheidende Vorteile in der Modularität und Bandbreite. Dies kann dafür genutzt werden, skalierbare und redundante Systeme aufzubauen, die es zudem ermöglichen, Breitbanddienste wie Live-Bilder zwischen den Einsatzkräften und der Einsatzleitung zu nutzen.

Das übergreifende Ziel des Forschungsvorhabens ist die bestmögliche Konfiguration zweier 5G-Campusnetze und mehrerer D2D-fähiger Endgeräte, um deren Eignung für Sicherheitsanwendungen der BOS unter Beweis zu stellen. Dazu werden zunächst – zusammen mit dem assoziierten Partner, der Feuerwehr Krefeld – die relevanten Szenarien und Use-Cases definiert, für die dann die messtechnische Bewertung relevanter Kenngrößen (Datenraten, Latenzen, etc.) und deren Vergleich zum aktuellen TETRA-Funksystem erfolgt.

 

Ausgangssituation

Aktuell wird der Sprechfunk über das TETRA-Netz der BDBOS realisiert. Dieses Netz bietet eine sichere und zuverlässige Vernetzung der Einsatzkräfte für Anwendungen mit niedrigen Datenraten. Allerdings sind darüber keine hohen Datenraten möglich (z. B. für einen Dateiaustausch, einen Video-Stream oder eine Übertragung von Sensordaten). Dies ist jedoch z.B. für die Steuerung einer Drohne oder eines Rovers zur Erkundung in brennenden oder  einsturzgefährdeten Gebäuden notwendig. Parallel werden Dienste über das öffentliche Mobilfunknetz erprobt, die als missions kritische Dienste gekennzeichnet sind (mission critical, MCX). Diese bieten zwar eine höhere Datenrate, jedoch keine Ausfallsicherheit oder Zuverlässigkeit in Notsituationen.

 

Projektziele

  • Definition der Use-Cases und Szenarien, für die aus der Sicht des Anwenders (BOS) die 5G-Technik sinnvoll ergänzend eingesetzt werden kann.
  • Optimierung von 5G-Campusnetzen für den Einsatz durch BOS.
  • Integration einer Direktverbindung zwischen Einsatzkräften wenn kein Funk-Netzwerk erreichbar ist (Device-to-Device, D2D).
  • Integration einer Weiterleitung zwischen zwei Einsatzkräften zur Vergrößerung der Funk-Reichweite (D2D-Relay-Funktion).
  • Bewertung von Reichweite, Datenrate, Latenz und Energieverbrauch in verschiedenen Szenarien und mit verschiedenen Konfigurationen.
  • Durchführung einer Studie zu geeigneten Lokalisierungsverfahren.

Projektteam

Kommunikationstechnik und Grundlagen der Elektrotechnik
Michael Meuleners, M. Eng.
Kommunikationstechnik und Grundlagen der Elektrotechnik
Umfrage Ergebnisse
Umfrage unter BOS-Angehörigen

Im Zuge der Konzepterstellung für den Einsatz von 5G Kommunikationstechnik für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wurde eine anonyme Umfrage unter Mitarbeitenden der BOS durchgeführt. Dabei wurde unter anderem die Zufriedenheit mit dem aktuellen TETRA-Funknetz, dem Bedarf an Breitbanddiensten und den benötigten Funkszenarien abgefragt. Die Umfrage wurde über die Kanäle der Feuerwehr Krefeld verteilt. So konnten 164 vollständig ausgefüllte Fragebögen bzw. insgesamt 260 Fragebögen gesammelt werden. 

Die Antworten der Umfrage werden exemplarisch in der nebenstehenden Grafik dargestellt. Das obere Diagram stellt den Bedarf an einigen Breitbanddienste dar. Dabei wird deutlich, dass der Bedarf an Breitbanddiensten allgemein sehr groß ist. Insbesondere für die klassischen Dienste: Video, Dateien und Sensordaten gibt es neben der aktuell über TERTA implementierten Sprachübertragung einen hohen Bedarf. Für einige dieser Dienste gibt es zur Zeit nur proprietäre Lösungen, die an unterschiedlichen Standorten unabhängig voneinander eingerichtet und genutzt werden. Dabei wird oftmals auf das öffentliche Mobilfunknetz zurück gegriffen.

Das untere Diagram zeigt den Bedarf an verschiedenen Funkszenarien. Dabei wird deutlich, dass neben der Vernetzung aller Einsatzkräfte vor Ort explizit auch eine Direktverbindung einzelner Teilnehmer gewünscht wird. Dieses Funkszenario wurde im Vorfeld als seltener Anwendungsfall eingestuft, scheint aber im Alltag essenziell zu sein. Ebenfalls wird die Sensorintegration als sehr wichtig eingestuft. Die Anbindung an die Leitstelle wir jedoch als weniger zentrales Funkszenario eingestuft. Hierbei muss allerdings bedacht werden, dass dies maßgeblich von der Behörde bzw. Organisation abhängen kann, da die internen Strukturen unterschiedlich sind.

Mit Hilfe der Ergebnisse aus der Umfrage wurden die Konzepte und Szenarien für das Projekt erstellt.

Anforderungsanalyse

Im Projekt 5GCampBOS wurden anhand der Rückmeldungen aus der Umfrage und Gesprächen mit dem assoziierten Partner Feuerwehr Krefeld Konzepte für eine breitbandige Verbindung zwischen Einsatzkräften entwickelt. Dabei sind aufgrund der Rückmeldungen vor allem die Anforderungen von Feuerwehren, Rettungsdiensten und weiteren Hilfsorganisationen eingeflossen. Generell lässt sich sagen, dass ein großer Bedarf an modernen Kommunikationslösungen mit hoher Datenrate besteht. Dazu gehören vor allem:

  • Video Streams (unter anderem auch von ferngesteuerten Geräten)
  • Sensordaten der Einsatzkräfte
  • Positionsbestimmung und Navigation
  • Austausch von Karten und Dateien

Außerdem sind die Anforderungen an eine Kommunikationslösung sehr hoch, da das bestehende TETRA Netzwerk hohe Standards in Sachen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit gesetzt hat. Diese Eigenschaften müssen auch von einem Breitbandnetz erfüllt werden.:

  • Es muss eine zuverlässige und stabile Übertragung gesichert sein.
  • Die Verbindung muss auch im Innenraum, Kellern (auch mehrere Untergeschosse) und abseits von besiedeltem Gebiet funktionieren.
  • Das Netzwerk muss sicher und gehärtet sein.
5GCampBOS Konzept
Konzeptentwurf von 5GCampBOS

Das Konzept von 5GCampBOS sieht vor, dass die Einsatzkräfte ein abgesichertes und unabhängiges 5G Campusnetz selbst mitbringen. In dieses lokale Breitbandnetz sind die Einsatzkräfte vor Ort eingewählt und können untereinander kommunizieren sowie Videostreams, Sensordaten und Dateien teilen. Sollte am Einsatzort bereits ein Campusnetz vorhanden sein, so ist das Ziel die Netzwerke zu harmonisieren und den Einsatzkräften gesicherten Zugang zum bestehenden Netzwerk zu ermöglichen. Dies benötigt auch regulatorische und organisatorische Vorbereitungen.

Mit einem Netzwerk, dass eine zentrale Basisstation hat, ist es nicht möglich eine zuverlässige Funkabdeckung in komplexen Gebäuden und Umgebungen sicherzustellen. Deshalb ist im Projekt vorgesehen neben dem Netzmodus noch einen direkten Übertragungsmodus bereitzustellen. Über diese Device to Device Verbindung können Geräte untereinander verbunden werden, die nicht mehr innerhalb der Funkabdeckung des Campusnetzes sind. Sind die Geräte weiter voneinander entfernt, so kann ein drittes Gerät dazwischen die Informationen weiterleiten und so die Reichweite erhöhen. Geplant sind zudem Kommunikationswege über mehrere solcher Relay Knoten. Daneben kann eines der beteiligten Geräte zusätzlich im Campusnetz eingewählt sein und die Daten aus der Direktübertragung ins Netzwerk weitergeben. Mithilfe eines solchen Gateways und den vorher genannten Relay kann die Funkabdeckung erheblich vergrößert werden und selbst in großen und verwinkelten Umgebungen eine zuverlässige Funkverbindung ermöglichen.

Innerhalb des Projektes wird der Einsatz des Campusnetz und der Übergang zwischen mehreren Netzwerken durch den Partner Triopt erforscht. Die Device to Device Verbindung inklusive des Relay und Gateway Knotens wird an der Hochschule Niederrhein erforscht.

Vorstellungsvideo

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Publikation auf der EuCAP 2026 in Dublin

Im Zuge der Messungen für das Projekt 5GCampBOS wurden die Ergebnisse zu Reichweiten und Datenraten in verschiedenen Szenarien und Konfigurationen als Publikation zusammen gefasst. Diese ist unter dem Titel Indoor Measurements of 5G Sidelink for Broadband Public Safety Applications auf der European Conference on Antennas and Propagation im April 2026 (EuCAP 2026) in Dublin mit dem folgenden Abstract veröffentlicht worden:

This paper presents indoor measurements of 5G sidelink coverage using on-board units originally designed for vehicle-to-everything communication. The objective is to evaluate the suitability and challenges of sidelink communication for broadband communication in the context of public safety organizations. The experiments focus on the packet loss rate during indoor data transmission under realistic deployment conditions. A direct sidelink connection between two on-board units is compared to a relay-assisted setup. The results show that the use of a relay is necessary to achieve good coverage in realistic scenarios, especially when communication over multiple stories is required.

 

Der Fokus liegt dabei auf Messungen in Innenraum-Szenarien, bei denen aufgrund der komplexen Raumgeometrie eine Funkabdeckung nur schwer zu erreichen ist. Dazu wurde ein Fahrzeug mit einem 5G-Sidelink Funkmodul ausgestattet und hat definierte Strecken im B-Gebäude (insbesondere im Keller) am Campus Krefeld Süd der Hochschule Niederrhein abgefahren. Ein zweites 5G-Sidelink Funkmodul war am Eingang direkt neben der Brandmeldezentrale positioniert.

Bei den Messungen wurde die Paket-Verlust-Rate in verschiedenen Konfigurationen bzw. bei verschiedenen Datenraten betrachtet. Dabei ist die Paket-Verlust-Rate ein Maß dafür, ob eine ausreichend gute Funkverbindung verfügbar ist oder nicht. Neben der Messung mit einem Sender und einem Empfänger, wurden außerdem Messungen mit einem Repeater (im 5G Standard auch oft Relay genannt) dazwischen durchgeführt. Der Repeater empfängt die Daten des Senders und sendet sie dann weiter, um die Reichweite der Funkübertragung zu vergrößern.

In den betrachteten Szenarien im Keller des B-Gebäudes war eine Funkübertragung ohne Repeater nicht möglich, sodass dieser Modus essenziell für den Einsatz in gängigen Szenarien von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist.

 

Stichworte: 5G sidelink, broadband communication, public safety organizations, indoor measurement

Zitation: C. Domnik, M. Meuleners and C. Degen, "Indoor Measurements of 5G Sidelink for Broadband Public Safety Applications", European Conference on Antennas and Propagation (EuCAP 2026), Dublin, Ireland, 2026

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