Le/Ni: Blog
der Hochschuldidaktik

Hochschule Niederrhein. Dein Weg.
Mit ChatGPT erstellt

Zusammenhänge erfahrbar machen – nicht nur für Studierende. Wissenslandkarten als Tool für die Curriculumentwicklung

Ein Modulhandbuch beantwortet viele Fragen, aber nicht die für Studierende zentrale Frage: Wie hängt eigentlich alles zusammen? Genau diese Zusammenhänge entscheiden jedoch darüber, ob Studierende Grundlagenwissen später anwenden können oder einzelne Lehrveranstaltungen als isolierte Bausteine erleben. Wissenslandkarten machen Zusammenhänge sichtbar und sind daher im Projekt Dein Weg ein entscheidendes Tool, zunächst für die Curriculumentwicklung und perspektivisch auch für Studierende und Studieninteressierte.

Was sind Wissenslandkarten?

Wissenslandkarten sind visuelle Darstellungen von Wissenszusammenhängen. Ursprünglich dienten sie dazu, das Expert:innenwissen einzelner Mitarbeiter:innen und verschiedene Wissensgebiete in Organisationen transparent machen und dadurch besser miteinander vernetzen zu können (Wexler, 2001).

Modulhandbücher beschreiben Inhalte und Lernziele, doch vor allem die impliziten Zusammenhänge zwischen den einzelnen Lehrveranstaltungen und Modulen bleiben häufig verborgen. Das hat Folgen: Insbesondere Grundlagenfächer werden von Studierenden als isoliert wahrgenommen, obwohl sie die Voraussetzung für nahezu alle späteren Kernfächer und Anwendungskontexte bilden. Obwohl sie wichtige Orientierung bieten könnten, existieren Wissenslandkarten für Studiengänge bislang kaum. 

Wie entstehen Wissenslandkarten?

Wissenslandkarten entstehen durch eine systematische Analyse des Kompetenzprofils des Studiengangs und der Lehrveranstaltungen, im Optimalfall eingebettet in Prozesse der Curriculumentwicklung. Dabei wird herausgearbeitet, welches Wissen und welche Kompetenzen in welchen Modulen aufgebaut und erworben werden, welche Voraussetzungen einzelne Lehrveranstaltungen benötigen und an welchen Stellen sich Inhalte gegenseitig ergänzen und ineinandergreifen. Dadurch werden nicht nur die offensichtlichen Verbindungen, die ohnehin im Modulhandbuch abgebildet sind, sichtbar. Auch unsichtbare Querbezüge und Vernetzungsknoten sowie mögliche Brüche im Curriculum treten hervor.

Vom Tool der Curriculumentwicklung zur Orientierungshilfe

Die Wissenslandkarte wird damit zu einem Tool der Curriculumentwicklung: Sie hilft Lehrenden miteinander ins Gespräch zu kommen und Studiengänge als zusammenhängenden Lernprozess zu betrachten. Auf diese Weise können Lehrveranstaltungen stärker aufeinander bezogen und gezielter aufeinander abgestimmt, Grundlagen und Anwendungen sinnvoll miteinander verzahnt und Lernwege konsequent aus Sicht der Studierenden gestaltet werden. Gleichzeitig eröffnet die Wissenslandkarte neue Möglichkeiten, typische Lernhürden zu erkennen und den roten Faden eines Studiums bewusster zu gestalten.

Von diesem Perspektivwechsel profitieren neben den Lehrenden natürlich auch die Studierenden und Personen, die sich für ein technikwissenschaftliches Studium an der HSNR interessieren. Die im Projekt entstehenden Wissenslandkarten sollen digital aufbereitet werden. Sie sollen so den Aufbau des Studiengangs für Studierende und Studieninteressierte interaktiv erfahrbar machen und auf diese Weise ermöglichen, Zusammenhänge zwischen Modulen besser nachzuvollziehen, Voraussetzungen zu erkennen und den eigenen Studienverlauf bewusster zu gestalten.

Einbindung von Wissenslandkarten in Lehrveranstaltungen

Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht, wenn Wissenslandkarten bewusst in Lehrveranstaltungen integriert werden. So ist es beispielsweise denkbar, dass Lehrende den Studierenden zu Beginn eines Semesters sukzessive anhand der Wissenslandkarte aufzeigen, welche Inhalte und Kompetenzen aus vorherigen Veranstaltungen als Voraussetzung gelten und auf welche zukünftigen Veranstaltungen neu erworbenes Wissen und Kompetenzen einzahlen. Auch die Einbindung in die Prüfungsvorbereitung scheint sinnvoll, um Studierenden aufzuzeigen, welche Inhalte aus vorherigen Lehrveranstaltungen sie zusätzlich wiederholen sollten.

Wissenslandkarten zeigen nicht nur, was gelernt wird. Sie machen sichtbar, wie und warum einzelne Inhalte miteinander verbunden sind. So entsteht Schritt für Schritt ein roter Faden, der nicht nur Lehrende in der Entwicklung des Curriculums und der eigenen Lehrveranstaltung unterstützt, sondern auch Studierenden Orientierung in ihrem Lernweg gibt.

In den kommenden Monaten werden die ersten digitalen Wissenslandkarten entstehen. Wie die Nutzung konkret gelingen kann, wird im Projekt in Form von Steckbriefen dokumentiert und in Austauschformaten diskutiert. Wir werden in diesem Blog über die Fortschritte berichten.

Sie haben Fragen zu Wissenslandkarten oder zum Projekt Dein Weg allgemein? Melden Sie sich bei uns! Wir unterstützen und beraten gerne, wie ein Wechsel der Perspektive, ausgehend vom individuellen Lernweg der Studierenden, gelingen kann. Die Projektmitarbeitenden der Hochschuldidaktik, Dr. Lisa Aelker, Johannes Hiebl und Dr. Christina Dückers erreichen Sie gesammelt über dein-weg-hochschuldidaktik(at)hs-niederrhein.de

Mehr zum Thema

Alle weiteren Projektbeteiligten finden Sie auf der Homepage des Projekts Dein Weg [hier Link setzen: https://www.hs-niederrhein.de/angebote-fuer-lehrende/projekt-dein-weg/].

Lesen Sie gerne auch den Beitrag zum Projekt Dein Weg auf dem Le/Ni: Blog [hier Link 2 setzenhttps://www.hs-niederrhein.de/angebote-fuer-lehrende/leni-blog/blogbeitrag/projekt-dein-weg-perspektivwechsel-und-neue-lehrarchitektur/].

 

Literatur

[1] Wexler, M. N. (2001). The who, what and why of knowledge mapping. Journal of Knowledge Management, 5(3), 249–264. https://doi.org/10.1108/EUM0000000005868
 

Autor:in 

Dr. Christina Dückers ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschuldidaktik im Projekt „Dein Weg – Lernhindernisse überwinden in den Technikwissenschaften“ an der Hochschule Niederrhein tätig. Sie begleitet die Curriculumentwicklung sowie Umsetzung und Evaluation der neuen Lehrarchitektur in den technikwissenschaftlichen Studiengängen.

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