Wegbereiterin
50 Jahre Hochschule Niederrhein

Hochschule Niederrhein. Dein Weg.

Im Jahr 2021 feiert die Hochschule Niederrhein ihren 50. Geburtstag. Sie blickt zurück auf ein halbes Jahrhundert, in dem sie zur zentralen Nachwuchsschmiede am Niederrhein aufgewachsen ist. Zum 1. August 1971 wurde die Fachhochschule Niederrhein gegründet, damals mit 3660 Studierenden. Aus 13 Vorgängereinrichtungen wurden acht neue Fachbereiche.

Heute studieren über 14.200 Studierende an zehn Fachbereichen an den Standorten Krefeld und Mönchengladbach. Sie können aus einem vielfältigen Studienangebot mit insgesamt 90 Bachelor- und Masterstudiengängen wählen. Im Jubiläumsjahr verweisen wir aber nicht nur auf das Gründungsjahr 1971. Denn die Tradition von anwendungsorientierter Lehre und Forschung in Krefeld und Mönchengladbach geht bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. 1855 wurde mit der Crefelder Höheren Webeschule die erste Vorgänger-Institution der Hochschule Niederrhein gegründet. Die Initiative damals ging von der Crefelder Handelskammer aus, die für die wachsenden Seiden-Unternehmen der Stadt eine Ausbildungsstätte für den Nachwuchs forderte.

„Seit 50 Jahren und sogar darüber hinaus eröffnen wir für junge Menschen in der Region Perspektiven“, sagt Hochschulpräsident Dr. Thomas Grünewald. „Dabei verbinden wir die Interessen der Unternehmen der Region mit unserem Lehr- und Forschungsangebot. Die Kooperation mit den Unternehmen vor Ort gehört gewissermaßen zur DNA der Hochschule Niederrhein.“

Weil die Hochschule in all den Jahren immer neue Perspektiven eröffnet hat, lautet die Botschaft im Jubiläumsjahr: Wegbereiterin. 50 Jahre Hochschule Niederrhein. Schauen Sie sich auf dieser Seite um, wo die Hochschule Niederrhein Wegbereiterin war und ob sie auch Ihnen bei Ihrem ganz persönlichen Weg helfen kann.

Unsere Straßenbahn: Unterwegs in Krefeld

Seit Mitte Januar ist die Hochschule Niederrhein überall in Krefeld sichtbar: Eine komplette Straßenbahn wurde mit Logo und Farben der Hochschule Niederrhein gestaltet. Als Wegbereiterin fährt sie durch Krefeld – und transportiert die Botschaft des Hochschuljubiläums durch die Stadt.

Ein rundes Jubiläum muss man feiern – am besten mit dem richtigen Getränk! Prof. Dr. Georg Wittich und seine Studierenden vom Langzeitprojekt Qualitätsmanagement im FB05 arbeiten gerade an genau diesem: einem Jubiläumsbier für die Hochschule Niederrhein.

Momentan feilen sie an der richtigen Rezeptur und Geschmacksnote. Das Bier wird sowohl Merkmale von Altbier als auch Merkmale von Pilsener Bier vereinen. Getestet werden momentan drei unterschiedliche Geschmacksnoten mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Geschmacksmuster der drei Sorten sind bereits fertig eingebraut und werden, sobald eine Auswahlkommission gefunden ist, von dieser bestimmt. Daraufhin wird das Bier im großtechnischen Maßstab gebraut. Wir werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten bis zur Veröffentlichung auf dem Laufenden halten.

Neben dem Jubiläumsbier bereiten Professor Wittich und sein Team noch eine Variante des Bieres vor, bei der ein Teil des Malzes durch Restbrot ersetzt wird. Bis zu 20 Prozent Brotanteil soll die Stammwürze haben – eine untypische Geschmacksabweichung im Vergleich zu normalen Bieren merkt man dabei nicht. Die Idee ist aus einer Kooperation mit einer Großbäckerei entstanden, die monatlich fünf Tonnen einwandfreies Brot wegwerfen musste. Wir freuen uns darauf, Ihnen im Laufe des Jahres mehr über diese nachhaltige und schmackhafte Alternative berichten zu können.

Ein Bier zum Jubiläum

Textile Innovation seit über 110 Jahren

Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie 1901

Der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik hat eine ausführliche und wunderschön bebilderte Chronik herausgegeben. Dort können Sie sehen, wie sich der Standort entwickelt hat. Ausgehend von der Entwicklung industriell nutzbarer Spinn-, Web- und Veredelungsmaschinen im 19.Jahrhundert und einem großen Bedarf an Fach- und Führungskräften bis hin zu einem der größten Studienorte für den textilen Ingenieurnachwuchs in Europa. Besonderer Dank gilt Prof. Dr.rer.nat. H.K. Rouette, der dem Fachbereich die Benutzung seiner Quellen erlaubte und als Schenkung umfangreiches und historisch wertvolles Material zur Verfügung stellte.

Zur Chronik des Fachbereichs

Um das Jubiläum auch intern zu feiern und sichtbar zu machen, haben wir für alle Mitarbeitenden der Hochschule einen Tischkalender erstellt. Auf wöchentlichen Kalenderblättern können die Hochschulangehörigen die Geschichte der Hochschule in den letzten 50 Jahren verfolgen und neu entdecken.

Über Monate hat Marc Holly, Mitarbeiter im Referat Hochschulkommunikation, alte Bilder aus den Fachbereichen zusammengesucht und in den Beständen der Hochschule recherchiert. Dabei entstand eine große Sammlung, aus welcher letztendlich der Kalender zusammengestellt wurde. Viele Bilder im Kalender dürften daher auch für langjährige Mitarbeitende der Hochschule neu sein.

Die Hochschule neu entdecken

1855: Höhere Webschule Crefeld

webschule 1855

Basis der industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert ist auch am linken Niederrhein die Textiltechnologie. Diese wird anfangs getragen vom Verlegersystem, bei dem von Webern in Heimarbeit hergestellte Textilien von Verlegern vermarktet werden.

Mechanisierung und Automatisierung sorgen in der Mitte des Jahrhunderts für einen radikalen Wandel. Das System der Heimarbeit wird innerhalb weniger Jahre abgelöst und ersetzt durch automatisierte Webstühle in großen Fabrikhallen. Diese Veränderungen machen - trotz des preußischen Samt- und Seidenmonopols für Krefeld - eine erweiterte Qualifizierung der Beschäftigten in der Textilbranche dringend erforderlich, da viele Krefelder Fabrikanten ihren Nachwuchs zum Hauptkonkurrenten nach Lyon zur Ausbildung schicken.

Aus diesem lokalen Bildungsnotstand heraus wird 1855 durch die Initiative der Handelskammer Krefeld die "Höhere Webschule Crefeld" gegründet, die erste höhere Bildungseinrichtung am Niederrhein. Das ist die Geburtsstunde der Hochschule Niederrhein.

1883: Königl.Webe-, Färberei-, Appreturschule

webschule 1883

1878 ist es wieder die Krefelder Industrie, die sich um die Zukunftsfähigkeit der "alten" Seidenindustrie sorgt. Es scheint erforderlich, die Möglichkeiten und Chancen der neuen aufstrebenden Farben- und Chemieindustrie zu nutzen. Die Handelskammer fordert eine grundlegende Reorganisation der "Städtischen Webeschule" nach dem Vorbild renommierter ausländischer Einrichtungen, wie z.B. in Lyon.

Unter großem persönlichen und finanziellen Engagement wohlhabender Seidenfabrikanten, der Krefelder Handelskammer und des preußischen Staates eröffnet 1883 - international beachtet - die "Königliche Webe-, Färberei- und Appreturschule" in einem prachtvollen Gebäude. Alle Zweige der Textiltechnologie und -chemie werden einbezogen, einschließlich der modernen Farben- und Veredlungsverfahren. Besonderheit der neuen Schule ist, dass der Unterricht sowohl theoretisch stattfindet als auch Maschinen und Labore im Maßstab der Industriellen Produktion vorhanden sind. Im Gegegnsatz zur Universität kann somit ein praxisnaher Unterricht mit gleichzeitig höchstem wissenschaftlichen Anspruch angeboten werden.

Dank dem Textilingenieur Robert Lembcke und dem Farbstoffchemiker Dr. Heinrich Lange, der von der BASF nach Krefeld kam, entwickelt sich die Institution zu einer Bildungseinrichtung mit Weltruhm. So lassen sich in ihren ersten 25 Jahren bereits 80 promovierte Studenten aus aller Welt nachweisen. Sie haben zuvor an anderen Hochschulen bei Größen ihres Faches studiert und beginnen jetzt an der "Königliche Webe-, Färberei- und Appreturschule" ein zweites praxisorientiertes Studium.

Mit der Gewebesammlung wird eine der größten Textilsammlungen im Deutschen Reich aufgebaut. Aus ganz Deutschland reisen Designer und Textilgestalter aber auch Archäologen nach Krefeld um die Sammlung zu studieren. Der Öffentlichkeit wird sie in aufwendigen Sonderausstellungen präsentiert. Sie bildet den Grundstock des heutigen Deutschen Textilmuseum Krefeld.


Bereits 1895 ist das Gebäude zu klein. Die noch heute existierenden Gebäude auf der Adlerstraße werden die neue Heimat der ausgegliederten Färberei- und Appreturschule. Direktor wird Heinrich Lange, der die Abteillung zuvor geleitet hatte. Diese Vorgängereinrichtung darf 1904 in den "Boom"-Jahren der Farbstoffindustrie auf der Weltausstellung im US-amerikanischen St. Louis für das Deutsche Reich die Ausbildung in diesem Bereich repräsentieren.

Die breite fachliche, anwendungsbezogene und praxisnahe Aufstellung begünstigt die Entwicklung weiterer Fachgebiete in der Schule. In enger Wechselwirkung mit der Wirtschaft werden die Faserveredlung, Kunstfasern, Farben und Lacke, sowie Reinigung und Hygiene zu neuen Feldern angewandter Forschung und Lehre.

1901: Höhere Fachschule Textilindustrie

webschule 1901

Das Mönchengladbach-Rheydter Industriegebiet entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Wandel von Flachs und Leinen zur Baumwolle zum "Rheinischen Manchester", eines der bedeutendsten Zentren der Faserstoffverarbeitung in Deutschland.

Der preußische Staat gründet den Bedürfnissen der Industrie entsprechend zusätzlich zu den "Webeschulen", die Werkmeister ausbilden, "Höhere Webeschulen" zur Vorbildung von „Fabrikanten und Fabrikdirektoren". Auf Initiative einer eingerichteten Sonder-Kommission aus Handelskammer, Kommunen aus dem Handelsbezirk Mönchengladbach, dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf und dem Handelsministerium in Berlin wird zur Ausbildung von Führungskräften 1901 die "Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie in Mönchen-Gladbach" gegründet.

1904: Handwerker- und Kunstgewerbeschule

werkkunstschule

Textile Flächenkunst und Farbenlehre spielen hier aber auch an einer anderen Vorgängereinrichtung eine wichtige Rolle, der "Crefelder Werkkunstschule". Bereits um 1899 gab es eine städtische Gewerbeschule mit angeboten im Bereich Kunsthandwerk und Zeichnen. Die Reiche Samt- und Seidenstadt Krefeld wollte jedoch eine umfassendere und moderne Ausbildungsstädte für diese Berufe etablieren.

"Design bedeutet, der Umgebung Gestalt geben", so das Credo der Gründungsbefürworter der am 1. Oktober 1904 gegründeten "Handwerker- und Kunstgewerbeschule", aus der die "Crefelder Werkkunstschule" hervorging. Besonders für das Baugewerbe spielte die Schule eine herausragende Rolle, gab es doch am ganzen Niederrhein keine vergleichbare Einrichtung.

Sie wurde zu einer bedeutsamen Institution der angewandten Kunst. Malerei, Grafik, Glasmalerei, Textildesign, Keramik oder Architektur waren wichtige Lehrgebiete an dieser Institution. Besonders die Gründungsjahre wurde von zahlreichen Persönlichkeiten geprägt, aus denen später der Deutsche Werkbund hervorging. Erstes und oberstes Ausbildungsziel war die ganzheitliche Erziehung. Man wollte die Studierenden "durch theoretischen und praktischen Unterricht zu führenden Kräften des Handwerks und Kunstgewerbes..." machen.

Heinrich Campendonk, Helmut Macke, Henry van der Velde, Jan Thorn Pricker, August Biebricher, Fritz Winter oder Peter Lindbergh sind nur einige Beispiele berühmter Künstlerpersönlichkeiten, die als Dozenten oder Studenten der Werkkunstschule verbunden waren. Einige haben die Kunstgeschichte nachhaltig beeinflusst.

1931: Fachschule für textile Flächenkunst

flaechenkunst

Die Vertreter der Krefelder Seidenindustrie, allen voran Hermann Lange (Verseidag) und Dr. Erich Raemisch (Verein deutscher Seidenwebereien) drängten auf eine neue deutsche Ausbildung der Textilgestalter. 1932 holten sie dafür den ehemaligen Bauhausmeister Johannes Itten nach Krefeld. Seine unkonventionellen Lehrmethoden stießen bei seinen Schülern jedoch nicht immer auf Erfolg. Nachzunehmenden Spannungen trennte sich die Schule 1937 wieder von Itten.

Die "Höhere Fachschule für textile Flächenkunst" wurde 1932 nicht der Kunstgewebe, sondern der Webeschule angegliedert. Für die künstlerischen Lehrer ein Glücksfall, konnten sie ihre teils abstrakten Ambitionen zumindest bedingt hinter dem Textilen verstecken. War doch der internationale „Überlegenheit“ der deutschen Textilindustrie auch für das NS-Regime von hohem Stellenwert. Ein Umstand der sich jedoch vor Kriegsausbruch nie einstellte.

Vom Schutz der Schule profitierte auch Ittens Nachfolger Georg Muche, welcher zeitgleich als entarteter Künstler vom NS-Regime diffamiert wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wird der Schwerpunkt Textildesign fortgesetzt. Bekannteste und wahrscheinlich auch bedeutendste Lehrerin war Elisabeth Kadow von 1958 bis 1971. Mit dem letzten Tag der Schule vor der Fusion zur Fachhochschule ging auch sie in den Ruhestand.

1932: Höhere Bekleidungsfachschule

Buegelei 1932

Die innige Zusammenarbeit mit der Industrie führt 1932 zur Neugründung der "Höheren Bekleidungsfachschule" als Teil der "Höheren Fachschule für Textilindustrie" in Mönchengladbach. Bereits ab 1912 gab es eine eigene "Konfektionsabteillung" welche für das immer stärker zunehmenden Industrielle Bekleidungsbewerbe Fachkräfte ausbildete. Der Bedarf und Anspruch an die "Konfektionären, Zuschneidern, Büglern und Näherinnen" stieg dermaßen, dass mit der Bekleidungsfachschule in drei- und fünfsemestrigen Kursen erstmals eine Ausbildung von "Bekleidungstechnikern- und Ingenieure, Werkmeister, Betriebs- und Werkstattmeister sowie Direktoren" erfolgte.

1936 wurde die Schule zur "Textilingenieurschule" umbenannt.

Drei höhere staatliche Einrichtungen, der Kern der späteren Hochschule Niederrhein, starten so ins 20. Jahrhundert. Sie sind aus der Region gewachsen und strahlen weit über sie hinaus. Dies lässt sich auch an den Schülern ablesen, welche schon lange nicht mehr nur vom Niederrhein kamen. Ihre Entwicklung erfolgte immer am Bedarf der Industrie und gestaltete so die Modernisierung der rheinischen aber auch internationalen Firmen aktiv mit.

1933 – 1945: NS-Zeit

webschule zerstoert

1933 führt die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu einer Gleichschaltung aller staatlichen Einrichtungen, insbesondere der Bildungseinrichtungen. Vor allem erfährt die freie Kunst eine beispiellose Knebelung und Diskreditierung. Die "Kunstgewerbeschule" wird umbenannt zur "Meisterschule des deutschen Handwerks". Die Abteilungen Architektur, Bildhauerei und Keramik werden 1934 geschlossen. Fünf von sieben "Künstlerlehrern" werden entlassen, nur noch Handwerksabteilungen bleiben bestehen.

Die Nationalsozialisten erkennen die Textilproduktion und die zugehörige Forschung und Ausbildung als einen entscheidenden Faktor für Wirtschaft und Rüstung an. Die Unabhängigkeit von ausländischen Rohstoffen wurde oberstes Gebot. Daher wurden wenige fachliche Einschränkungen und Korrekturen werden vorgenommen. In Mönchengladbach wird die Beschäftigung mit dem Rohstoff Baumwolle eingeschränkt. In der Bekleidungstechnik spielen Uniformen eine größere Rolle. In Krefeld wird die Forschung für chemische Fasererzeugung verstärkt und mitten im Kriegstreiben eine eigene Schule für synthetische Spinnfasern gegründet. Entlassungen werden vorgenommen, wenn ein Professor nicht "jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eingetreten ist".


Der "Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund" wird gegründet. Deren Mitglieder werden zum SA-Dienst und somit zur Erziehung im militärischen Sinne verpflichtet. Andere studentische Vereinigungen an den beiden Textilschulen werden, wie überall in Deutschland, verboten.


Am Ende stehen Krieg, Tod und Chaos: im Juni 1943 trifft es zuerst die Webeschule in Krefeld. Das Gebäude wird komplett zerstört. Die kostbare Gewebesammlung war zuvor bereits evakuiert wurden. Die Ausbildung wird im schwächer beschädigten Gebäude der "Färberei und Appreturschule" an der Adlerstraße bis Kriegsende fortgeführt. Einen Tag später trifft es die Kunstgewerbeschule an der Peterstraße in Krefeld, welches ebenfalls komplett zerstört wird. Die Ausbildung wird im Herrenhaus der Burg Linn fortgeführt.
Das Gebäude der Mönchengladbacher Textilingenieurschule werden im Wintersemester 1944/45 fast vollständig (über 90 %) zerstört. Die Ausbildung wird Ende 1944 nach Münchberg (Oberfranken) verlegt.


Nach 1945 erhalten einzelne Lehrer, darunter der Sammlungsleiter der Krefelder Gewebesammlung, Berufsverbot und werden versetzt. Andere werden aufgrund ihrer fachlichen Expertise weiterhin geduldet, da sie für den Wiederaufbau des Lehrbetriebs als unverzichtbar gelten. Bereits im April 1946 wird als erstes der Färbereischule in Krefeld die Aufnahme des Unterrichts gestattet.

1945: Nachkriegsjahre

KR West nachkriegszeit

Die Gewaltherrschaft und die Kriegszeit zerstörte vieles, aber nicht alles. Die drei Schulen haben überlebt und sich wieder aufgerappelt. Die traditionsreiche Textilingenieurschule Krefeld erhält 1955 am Frankenring einen modernen preisgekrönten Neubau mit eindrucksvoller Glasfassade. Er stellt ein Frühwerk der Architekten Lohrscheidt und Pfau dar, die u.a. durch das Düsseldorfer Schauspielhaus berühmt wurden.

Die Werkkunstschule wird an der Peterstraße wieder aufgebaut.

In Mönchengladbach entsteht an der Webschulstraße aus den Ruinen der alten Schule die Textilingenieurschule Mönchengladbach-Rheydt. Im Wintersemester 1946 / 47 wird auch hier der Unterricht wieder fortgesetzt. Zunächst eher provorisch im Direktorenhaus, da der wiederaufbau des Hauptlehrgebäudes noch bis 1951 andauern wird. Im Wintersemester 1951 hatten sich bereits wieder über 1000 Studierende in Mönchengladbach eingeschrieben.

Großen Anteil am Wiederaufbau haben die Studierenden der Schulen, welche sich in freiwillige Arbeitseinsätzen engagieren. So wurden allein in Mönchengladbach insgesamt ca. 160.000 Stunden geleistet um die 6000 qm der Schulgebäude wieder instand zu setzen. In Krefeld fiel das Engagement ähnlich groß aus.

1958: Staatl. Ing.-schule für Maschinenwesen

Ingenieurschule

Am 1. April 1958 wird die "Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen" gegründet. Die Industrie- und Handelskammer zu Krefeld steuert über eine Sonderbeitragsordnung eine Million Deutsche Mark (DM) zur Finanzierung bei. Die Stadt Krefeld spendiert eine weitere Million DM, das Baugrundstück an der Reinarzstraße, wo der heutige Campus Süd entsteht, sowie das Erweiterungsgelände in der Kleingartenanlage.

Alle Krefelder Metall- und Elektrounternehmen leisten einen Beitrag, aber auch die chemische Industrie und die Post als damaliger Betreiber der Kommunikationsnetze. Die Abteilungen Maschinenbau, Elektrische Nachrichtentechnik und später Verfahrenstechnik und Elektronik werden eingerichtet. Die Hochschulfachbereiche "Maschinenbau und Verfahrenstechnik" sowie "Elektrotechnik und Informatik" entwickeln sich.

1962: Staatliche Höhere Wirtschaftsschule

MG Audimax

Die "Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule" wird am 2. Oktober 1962 im Balkonsaal der Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach feierlich eröffnet. Auf der Gästeliste stehen die Paten dieser Gründung: der aus Mönchengladbach stammende Ministerpräsident Franz Meiers, der Kammerpräsident Prof. Dr.Viktor Achter und der Stadtdirektor Dr. Elbers. Bisher wurde Betriebswirtschaftslehre nur in den beiden Textilingenieursschulen in Mönchengladbach und Krefeld unterrichtet. Bereits während des 1. Weltkriegs wurden hier zunehmend Kurse für Textilkaufleute, den Handel und Betriebskalkulation angeboten. Mit der Mönchengladbacher Wirtschaftsfachschule wird erstmals eine für alle Wirtschaftszweige attraktive und umfassende Ausbildung von Fachkräften am Niederrhein ermöglicht.

Erst 1970 kann man den Neubau an der Webschulstraße beziehen. Der "Campus Mönchengladbach" formt sich langsam. 1971 entsteht aus ihr der "Fachbereich Wirtschaftswissenschaften". Heute der größte Fachbereich der Hochschule.

1971: Fachhochschule Niederrhein

Zeichnung-Hochschule-1971

Am 1.8.1971 wird die "Fachhochschule Niederrhein" gegründet. Sechs Fachbereiche haben als Fundamente insgesamt 13 "Staatliche höhere Fachschulen", die eine erhebliche Tradition und fachliche Leistung einbringen. Fachliche und räumliche Verknüpfungen gibt es bereits in vielfältiger Form, die neu geordnet und intensiviert werden. Zwei Fachbereiche kommen erst bei der Gründung der Fachhochschule hinzu, der Fachbereich Sozialwesen und der Fachbereich Oecotrophologie. Diese Fächer werden bisher an Fachschulen gelehrt und werden jetzt den gestiegenen Anforderungen in der Gesellschaft angepasst. Lebensmittel und Ernährung sind inzwischen zu wichtigen Wirtschaftszweigen am Niederrhein geworden. Der "Campus Mönchengladbach" wird durch diese beiden Fachbereiche vervollständigt.

Ebenfalls 1971 wird ein Teilbereich der "Staatlichen Ingenieurschule für das Textilwesen in Krefeld" mit der "Staatlichen Ingenieurschule für das Textilwesen in Mönchengladbach" vereint. Es entsteht der Fachbereich "Textil- und Bekleidungstechnik" der Hochschule Niederrhein mit seiner in Europa einmaligen fachlichen Bandbreite von der Faser bis zu fertigen Produkten im Bereich der Bekleidung und der Werkstoffe für technische Textilien.

Das interdisziplinäre Angebot wird erweitert, zunächst um das "Wirtschaftsingenieurwesen" und schließlich - dann schon unter dem Namen Hochschule Niederrhein (seit dem 9.7.2001) - das "Gesundheitswesen". Zum WS 2010/11 stellt die Hochschule Niederrhein ein Bildungs- und Forschungsangebot aus zehn Fachbereichen bereit.

1982: Kooperative Ingenieurausbildung

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Mit dem Modellversuch „Kooperative Ingenieurausbildung (KIA)“ kommt aus der Industrie- und Handelskammer erneut ein starker Impuls um die Industriebetriebe des Niederrheins konkurrenzfähig zu bleiben. Das „Krefelder Modell“ wird zum Vorbild der Entwicklung der dualen Hochschulausbildung in NRW. Anders als bei den Berufsakademien wird keine neue Bildungseinrichtung geschaffen, sondern zwei bewährte Systeme werden gekoppelt. Die IHK und ihre Betriebe sollen für Qualität in der Facharbeiterausbildung, im Praxissemester und eventuell bei der praxisnahen Abschlussarbeit sorgen. Die Fachhochschule Niederrhein garantiert die Qualität der Lehrinhalte und Lernziele für die Hochschulausbildung.

1995: Wirtschaftsingenieurwesen

Studierende-Logistik

Im Fachbereich Wirtschaft wird mit Unterstützung und Koordination von Prof. Broermann aus dem schon bestehenden Curriculum Wirtschaftsingenieurwesen-Logistikmanagement das für mehr Studienanfänger geeignete Angebot eines grundständigen Studiengangs „Wirtschaftsingenieurwesen“ entwickelt, dessen Absolventen nicht nur auf reine Ingenieurwissenschaften oder nur auf Betriebswirtschaft fixiert sind. Lean-Management heißt das neue Zauberwort in der Wirtschaft. Wirtschaftsingenieure passen genau in dieses Bild eines Managers, der gleichermaßen Technik und Vertrieb erledigen kann. Heute arbeiten im Fachbereich 18 Professorinnen und Professoren und rund 1.200 Studierenden.

1998: Gesundheitswesen

Studierende-Medizintechnik

In der Region, besonders in Krefeld, gibt es Bestrebungen, das Gesundheitswesen als Besonderheit des Niederrheins weiter auszubauen. Der steigende Einsatz von Technik, EDV und die stärkere betriebswirtschaftliche Ausrichtung im Gesundheitswesen erfordert neue Angebote der Wissensvermittlung für den Arbeitsmarkt. So werden medizinische Grundlagen, betriebswirtschaftliche und technische Belange einschließlich Datenverarbeitung jeweils mit Bezug auf das Gesundheitswesen verknüpft. Ziel war es zunächst Fachkräfte für die Organisation der Infrastruktur im Gesundheitswesen auszubilden. Der neue Studiengang wird zunächst am Fachbereich 09 angesiedelt. Seit 2010 ist er ein eigener Fachbereich mit 17 Professorinnen und Professoren sowie knapp 1000 Studierenden.

2000er Jahre: FH wird Hochschule

Hochschule Niederrhein- Schriftzug

2001 wird aus der Fachhochschule die Hochschule Niederrhein. Mit dem Titel fühlte man sich schon 1971 nicht repräsentiert: Für die Vorgängereinrichtungen der HN wäre die Bezeichnung „Fachhochschule“ durchaus gerechtfertigt gewesen, denn sie bildeten in einem Fachgebiet oder für eine Branche aus. Nach der Gründung der FHN im Jahre 1971 trifft diese Bezeichnung nicht mehr den Charakter einer Hochschule mit Ausbildungsgängen und Forschung in vielen Ingenieurwissenschaften, in kreativen Fächern mit künstlerischen Grundlagen und in gesellschaftlich relevanten Studiengängen.
Auch Hochschulpolitisch standen die den 2000er Jahren für Veränderung. Mit dem Globalhaushalt wurde die Finanzierung der Hochschulen in NRW neu geregelt. Studiengebühren wurden eingeführt und wieder abgeschafft. An allen Standorten beginnen Neu- und Erweiterungsbauten um sich auf die steigenden Studierendenzahlen und den jüngsten Fachbereichen gerecht zu werden. Mit dem Hochschulrat- und Präsidium wird die Struktur der Hochschulleitung modernisiert.

 

1969 wurden die ersten Fachhochschulen in Schleswig-Holstein gegründet. 1971 zogen die Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen nach. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die zur heutigen modernen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) geführt hat. In dieser Entwicklung von der Fachhochschule zum Innovationsmotor der Region erkennt sich auch die Hochschule Niederrhein wieder. Die bundesweite und NRW-weite Kampagne „Unglaublich wichtig“ weist auf die große Bedeutung und Relevanz der HAWs im deutschen Hochschulsystem hin. Sie lädt ein Vielfalt, Dynamik, Innovationskraft und Potenziale der HAWs zu erkunden.

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Leiter Referat Hochschulkommunikation Pressesprecher